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suchen Einige das Heil in neuen VersassungSnormen und in der Verbesserung derpolitischen Gesetze, Ändere in der Förderung der Industrie, die sie auf den höchstenGrad in solcher Weise gebracht wissen wollen, daß., ginge eS nach ihrem Willen,die ganze Welt eine colossale Fabrik würde; wieder Andere lehren gleiche Vertheilungder Güter und Arbeit, wenn auch diese der menschlichen Natur jederzeit im höchstenGrade widerstrebte.
Noch andere Mittel werden vorgeschlagen, wobei man außer Acht läßt, daßein inneres Leiden nicht durch äußerliche Mittel zur Heilung gebracht werden könne,daß die Krankheit unserer Zeit aus verkehrten Principien und einer verderbten Rich-tung der Geister hervorgehe, und daß diese erst gebessert werden müsse, ehe an Hei-lung des Uebels überhaupt gedacht werden könne. Von jener Besserung wird eSabhängen, ob der Glaube oder der Unglaube, ob Wahrheit oder Lüge, ob christlicheDenkweise ober heidnische Gottlosigkeit die Völker regieren solle; die Entscheidungdieser Frage wird bestimmen, ob Friede und Ruhe oder Rohheil und Barbarei dieOberhand behalten könne.... Eine solche Regeneration dcS Menschengeschlechtskann aber nur durch geistliche Macht erzielt werden, die schon unzählige von morali-scher Fäulniß ergriffene Völker einem neuen Leben wiedergegeben und so viele barba-rische, wilde Nationen den gebildeten Völkern angereiht hat. Der geistlichen Gewalt,d. h. der heiligen Kirche ist von Gott diese Fähigkeit verliehen worden, die Fähigkett,daS in verderblichen Irrthümern befangene Menschengeschlecht wieder mit Gott zuversöhnen, die profanirten Herzen zu heiligen, das in ihnen erloschene Licht deshn'ligen Geistes wieder zu entflammen, und alle Classen der bürgerlichen Gesellschaftmit der Kraft des positiven christlichen Glaubens zu stärken, die Wiedergeburt endlichder Menschen und Völker in Folge der Gnade und Macht der Erlösung durch daSWort zu vermitteln." luz.Si
(Es wird nun auseinandergesetzt, wie hier unter Kirche vorzugsweise die Die-ner derselben, die Priester, verstanden werden, wie demnach sie vor Allen berufenseyen, Demuth, Keuschheit und Vermeidung strafbaren StrebenS nach irdischen Gü-tern durch Wort und That, durch Predigt und Beispiel zu lehren, woraus eS zumSchlüsse heißt:)
„In solcher Weise wird mitMöttlicher Hilfe das Licht des Evangeliums dieWelt wieder mit größerer Helle durchstrahlen und der Glaube an Christus, in wel-chem allein das Menschengeschlecht der Glückseligkeit im wahren Sinne deS WoneStheilhaftig werden kann, neuerdings erhöht werden und aufblühen, daß der gesundeSinn den Menschen wieder gegeben, daS monströse Laster gemieden und die christlicheTugend wieder heiter aller Orten gedeihe. Nur so kann eS geschehen, daß die Folgenjener furchtbaren Konvulsionen, deren Augenzeugen wir noch vor Kurzem waren,gänzlich schwinden und die Gefabren der etwa wiederauflebenden Seuche verhütetwerden können.
Diese Sache aber hängt, wie jedes andere Gut, vom Vater des Lichtes undvon jener Gnade ab, ohne weiche wir weder zu wollen, noch zu handeln vermögen.Diese heilige und wirksame Gnade wird jedoch nur durch den beständigen frommen,vertrauensvollen Umgang mit Gott, d. h. durch den nie nachlassenden Geist deSGebets erwirkt. „Die Kraft deS Gebetes," sagt der heilige Augustin, „ist groß;gleich ejnem getreuen Boten richtet eS seinen Auftrag auS und dringt dorthin, wodas Fleisch nicht hin zu gelangen vermag." So sagt auch der heilige Bernhard:„Ist daö Gebet gläubig und inbrünstig gewesen, so wird eS ohne Zweifel in denHimmel dringen und gewiß nicht unverrichteter Sache zurückkehren."
Darum ermähne ich euch, ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne, darum bitteich euch im Namen unseres barmherzigen Gottes, daß ihr beim Eintritt dieser heiligenFastenzeit eifrig und wachsam seyd im Gnadenact deS Gebetes, daß ihr in Gott wohl erwäget, wie groß einerseits die Verderbniß deS Menschengeschlechtes und wieerhaben andererseits euer Beruf sey, der allein, wenn er unverdrossen und gewissenhaftgeübt wird, das Unglück der Welt beseitigen, daö Reich GotteS wieder herstellen
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