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»artigen Verhältnissen sorgsam zusammengestellt hat, der wird gewiß, wenn er mitgutem Willen und ohne Borurtheil prüft, zu dem Schlüsse kommen, den alle Weisenund Einsichtsvollen ziehen, cS müsse der Grund jener furchtbaren Konvulsionen nichtin RegierungSformen, in den politischen Gesetzen oder sonstigen äußern Ursachen, son-dern in den falschen und irreligiösen Begriffen gesucht werden, welche die großeMehrzahl von Gott, von der Bestimmung deS Menschen, seinem künftigen Leben,
ja von der Tugenv selbst hegt..... Durch sie wurde nach und nach die Macht der
heilsamen Lehren des christlichen Glaubens und der Kirche untergraben; mit ihr nahmauch das Ansehen der öffentlichen, staatlichen Leitung ab. Durch das falsche Dogmavon der absoluten Unabhängigkeit deS menschlichen Geistes, durch ruchlose, philoso-phische Systeme und durch die unselige Verbreitung verderblicher Bücher unter allenKlassen der Gesellschaft, so wie durch vaS Einführen rein theoretischer Ariome in dastägliche Leben mußten nothwendig alle gesetzlichen Schranken gesprengt, göttliche undmenschliche Autorität mit Füßen getreten und der menschliche Geist zum Selbstgötzenwerden. Hieraus allein läßt sich jenes in den letztverflossenen Jahren zu Tagegetretene Streben, jede Macht umzustürzen, jenes Drangen, der sogenannten geistigenEmancipation theilhaftig zu werden, jenes zügellose Begehren, gar keine Gränzen mehranzuerkennen, genügend erklären.
Nachdem man in solcher Weise die Verehrung jeglicher Autorität beseitigt undsich des Glaubens an die göttliche Offenbarung entledigt hatte, die allein den mensch-lichen Geist vor verderblichen Irrthümern zn schützen, allein unserm Geiste eine wohl-thätige Leuchte aufzustecken vermag, ergab sich von selbst jene enorme Berderbniß derSitten, die, wie wir mit eigenen Augen gesehen haben, ganze Völker überfluthete. Hatsich nämlich der Mensch einmal von den höhern Freuden abgewendet, die nur der festeGlaube an Gott und die Hoffnung auf ewige Glückseligkeit gewähren können, sosucht er sein Glück in fleischlicher Wollust, in der Befriedigung der Gelüste seinerAugen, denen er sich gleich dem Thiere ergibt, nachdem er jeden edlern Sinn abge-streift hat. ES ist dieß der natürliche Gang im Leben des Menschen, wenn er sichvon Gott abwendet, dem Schöpfer seiner vernünftigen Natur.
ES kann uns daher nicht befremden, wenn ganze Völker in solche Verkehrtheitverfallen, daß sie ohne Gewissensbisse, ohne daö mindeste Schamgefühl, sich derbrutalen Lust, der Lüge, entsetzlichen Ruchlosigkeiten, ja sogar unerhörten Grausamkeitenund Maßlosigkeiten aller Art hingeben. ES kann uns ferner nicht befremden, wenndie Ehe, die alle Weisen von jeher als die Grundlage aller menschlichen Weisheitbetrachteten, als ungerechte Beschränkung deS GeschlechtSsinneS, wenn die auf redlich-stem Wege erworbenen Rechte von Personen und Gemeinschaften als Usurpation,wenn das Eigenthum öffentlich mittelst deö mündlichen, so wie mittelst deS geschrie-benen Wortes als Diebstahl erklärt wird, ja wenn bei Vielen der Wahnsinn so weitgeht, daß sie dergleichen in die Gesetzbücher aufgenommen wissen wollen. Die Hoffart,die Wollust und die ungeregeltste Gier nach den irdischen Gütern hat sich deS mensch-lichen Geistes in solchem Grade bemächtigt, daß Niemand mehr mit seinem Schicksalezufrieden ist. Der Friede ist anS der Menschen Herren gewichen, weil sie den Für-sten alles Friedens, den Heiland Christus, aus denselben zu weichen zwangen, weilsie ihren Erlöser verloren haben und weil die nicht in Gott bestehenven Institutionenden Mangel dieser alleinigen Wahrheit, dieser einzig stabilen Grundlage menschlicherGlückseligkeit nicht zu ersetzen vermögen.
tiM^Dieß ist die riesig große, im höchsten Grade gefährliche Krankheit, welche indiesen letzten Jahren die Völker der civilisirten Welt im hohen Grade ergriffen hat,welche noch fortdauert, wenn auch ihre äußerlichen Symptome unterdrückt zu scynscheinen. Die Krankheit ist allgemein und in der Natur unserer Zeit begründet, sowie in den verderbten Ariomen deS menschlichen Geistes und in dem Leben der Völscr,welche das Licht der göttlichen Offenbarung verschmähen.
ES fragt sich nun, in welcher Weise so großem Uebel wirksam und nachhaltigbegegnet werden könne. Die neue Zeit hat unzählige Heilmittel vorgeschlagen: so