Ausgabe 
13 (6.3.1853) 10
Seite
74
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Am 14. August ernannte dieser angebliche Landtag zwei Abgeordnete nach Prag ,unter dem Norwand, Kaiser Rudolph die tt^urige Lage der Gränze und des LandesUnvermögen zu deren ferneren Beschirmung vorzustellen, eigentlich aber Klagen gegendie Erzherzogin und gegen die Jesuiten einzugeben. Die Fürstin war am 7. Augustihres jüngsten SohneS, des Erzherzogs Carl, entbunden worden. Die edlen Herrenund Ritter hatten nicht so viel Zartsinn, eine ohnedieß tief betrübte Wittwe, eineMutter in diesem Zustande mit Mißliebigem zu verschonen; hingegen besaßen sieSchlauheit genug, um der Fürstin auS ihrer Schrift an den Kaiser nur dasjenige mit-zutheilen, waS sie für gut fanden; dabei lag selbst in der Form ihrer Zuschriftan die Erzherzogin ein Merkmal der Geringachtung, indem sie an deren Schluß dieüblichen Curialien vermieden. Maria empfand so daS eine wie daS andere, und dieKlage bei dem Kaiser:sie haben mir die Schrift unverschont meiner so großen Be-trübniß gar in das Kindbett überantworten lassen," sind gewiß der Ausdruck einernatürlichen und tief empfundenen Kränkung. Allein trotz ihres DarniederliegenSerließ Maria dennoch an die Landleute eine kurze Abfertigung, an den Kaiser aberein Schreiben, dessen Färbung die Ueberzeugung rechtfertigt, daß eS unter ihrem per-sönlichen Mitwirken sey verfaßt worden.

Hätte die Erzherzogin vollends gewußt, waS Jene dem Kaiser vorgegebenhatten! Nämlich: seit des GemalS Tod habe sie schon mehrere Verordnungen erlassen,welche den Landesfreiheiten entgegen wären, ein Beweis, daß sie durch Andere sichregieren lasse. Unter diesen Andern waren aber einzig die Jesuiten verstanden, denenVertreibung wahrer VaterlandSsreunde, Auferlegung von Geld- und Kerkerstrafen,Verscheuchung aller Einigkeit zur Last gelegt, denen Schuld gegeben wurde, daßNiemand mehr Geld auSleihen wolle, daß die Landessteuern schlecht eingingen, daßdie Ersorderniß auf die Gränze täglich drückender werde; gerade so, wie ich im Jahre1348 mit eigenen Ohren die Redemptoristen der Vertheuerung der LebenSmittel in derStadt Wien anklagen hörte.

Die Erzherzogin bemerkte dem Kaiser:damit, daß die Räthe geblieben seyen,hätten sie nur seinem eigenen bestimmt ausgesprochenen Willen sich unterzogen, übri-gens wohl gewußt, daß man selbst bei dem besten Wohlmeinen in diesen kitzlichtenZeiten Niemand zu Dank machen könne. Sie selbst habe auf steteS Zumuthen derHerren Vormünder, dem gemeinen Wesen zum Besten und damit die Rechtspflegeihren Fortgang habe, der Sache sich angenommen. Die wider sie erhobenen Klagenwären eben so ungerecht als grundlos. Daher erwarte sie, daß die ihr zugefügteUnbill und die bescheinte Insolenz ernstlich würve in Betrachtung gezogen, den Land-leuten ein kräftiger Verweis gegeben werden." Den Freiherrn von Rumpf bat sie,bei dem Kaiser wegen Erzherzog ErnstS baldigem Hereinkommen ernstlich sich zu ver-wenden. Hätten die Steirer schon ihres seligen GemalS wenig geachtet, wie vielweniger würden sie einen Solchen achten, der ihres gleichen wäre? So viel Rücksicht,hoffe sie, werde der Kaiser doch auf ihre zwölf verwaisten Kinder nehmen. Dannwieder klagte sie Rumpf:in der Religion gehe e6 so zu, daß Gott sich erbarmenmöchte; auch wolle ein Jeder Herr und Landesfürst selbst seyn." Sie sandte dem-selben zugleich das Original deö Vertrages von Brück, in welchem der Erzherzogbei der ertheilten ReligicnS-Bewilligung die Worte:Erben und Nachkommen" miteigener Hand auögestrichen hatte, indeß die Landleute jetzt (wie auch später wieder)deren volle Geltung in Anspruch nahmen. Daher nennt die Erzherzogin jenes Doku-mentihr bestes Kleinod, dessen sie um keinen Preis möchte verlustig gehen."

Die Abordnung der Steirer wurde am Hofe zu Prag nach Verdienen aufge-nommen. Der Kaiser ließ denselben wissen: für Beschirmung der Gränze werde erbestens sorgen, erwarte aber, daß die Landschaft ihre Pflicht thue, wie bisher.Daß-die Jesuiten , als ein von päpstlicher Heiligkeit und den ReichSconstitutionenanerkannter Orden, von ihnen, der katholischen Religion zum Spott, dergestaltturbirt" würden, falle ihm höchst beschwerlich; er hoffe,dergleichen hitzige Anzüge"werden hinfüro unterbleiben. Eben so hätte er sich versehen, die Stände möchten für