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vaS, was die fürstliche Wittwe in Folge seiner Ermächtigung zu Handhabung derGerechtigkeit biß anhin vorgekehrt, eher ihren Dank ausgesprochen, als darüber sichbeschwert, anbei derselben in ihrer Betrübniß und in ihrem Wochenbette besser geschonthaben. Sie hätten fernerer Zusammenkünfte sich zu enthalten, in Geduld die Ver-fügungen betreffs der LandeSverwallung abzuwarten.
Bald nach diesem traf Erzherzog Ernst in Steiermark ein. Bevor die Land-leute die Huldigung leisten wollten, versuchten sie, die Erzherzogin sammt ihrem.Bruder, Herzog Wilhelm von Bayern, von der Vormundschaft auszuschließen unterdem Vorwand: Beide gehörtem dem Lande nicht an. Sodann bemühten sie sich, desverstorbenen Landesherrn getreuesten Geschäftsmann, der gleich hohen Vertrauens beider Fürstin sich erfreuen mochte, den Kanzler Wolfgang Schranz, von seinem Amt zuverdrängen. Er wich freiwillig; allein in Würdigung seines Werthes wollte ihn dieErzherzogin nicht aus dein Geheimen Rath entlassen. Doch nicht einzig dieses, vielesandere wurde weit umher im Lande vollführt oder versucht, waS die Erzherzogin alskatholische Fürstin aufs tiefste schmerzen mußte. Kaum war nach langem Sträubenund weitläufigen Erörterungen die Huldigung gegen Erzherzog Ernst als Landpflegergeleistet, als Maria dem Kaiser zu klagen hatte: „schon an verschiedenen Orten hättenPrädicanten sich eingeschlichen, wo doch während ihres GemalS Leben niemals solchesich befunden hätten, sie schickten sich an, noch andere Städtchen in Besitz zu nehmen.Daneben werde zu Kränkung der Ehre ihres verstorbenen GemalS unablässig Man-cherlei auf die Bahn gebracht, was er alles versprochen, aber nicht gehalten habe."Erzherzog Ernst stimmte in ihre Klagen ein. „Es reißen, sagte er dem Kaiser, fremdeSchwärmereien ein: wolle er Einhalt thun, so heiße eS alsbald: Der Kaiser habe dieReligion frei gegeben."
Zeiten einer Vormundschaft waren für jedes Land beinahe immer unerquicklicheZeiten, dann um so gewisser, wenn dasselbe durch irgend welche Parteiung zerrissenwar. Unter solchen Verhältnissen finden gewöhnlich die Rührigern und Anspruchs-vollern die beste Rechnung. DaS waren in Steiermark, wie damals überall, diekirchlichen Neuerer, sie unterscheiden sich von den politischen der Gegenwart einzigdurch das Schlagwort. Auf Erzherzog Ernst folgte Erzherzog Maximilian alsLandpfleger. Auch dieser konnte bald Zeuge seyn, wie die Gegner des katholischenGlaubens das errungene Zugeständniß, deS ihrigen leben zu dürfen in die wildesteAnfechtung deS seinigen, in die rohesten Ausbrüche wider dessen Bekenner verkehrten.Maria konnte gleichsam unter ihren eigenen Ohren allwöchentlich singen hören:
Erhalt uns Herr bei deinem Wort
Und sieur' des Papsts und Türken Mord!
Nach der Eroberung von Sissek durch die kaiserlichen Waffen (1593) ließ sieDankgebete und Processionen veranstalten, denen sie mit ihren Kindern und ihrenRäthen selbst beiwohnte. Die Prädicanten in Grätz nannten dieses von offener Kanzel„einen Gräuel vor Gott , lautere Abgötterei, wodurch der Türke in daS Land gelockt,größeres Unglück bereiten werde." Die Erzherzogin klagte dem Kaiser: „Bei der-gleichen Aufreizung seye zu besorgen, daß am Ende sie und ihre Kinder auf offenerStraße vor Schimpf- und Spottreden deS erhitzten Pöbels nicht mehr sicher wären.Sie müsse um Abstellung der Lästerung, um AuSschaffung der Lärmblaser bitten."Wenige Tage später beschwerte sich Erzherzog Maximilian: „besonders daS ledigeHandwerkSgesinde werde häufig gegen Ordnung und Gehorsam aufgestiftet." (GibteS etwas Neues unter der Sonne?)
Der ungezähmteste dieser Lästerer war der Prädicant Fischer, Sohn eines Schu-sters zu Grätz, besondern Schutzes der Verordneten sich erfreuend. Ein kaiserlicherBefehl an diese, denselben im Zaume zu halten, bewirkte, daß er gegen die Erzher,zog"', gegen ihre Kinder und gegen daS -Mündige Gebet abermals loszog; woraufdie Verordneten bei neuer Klage des Erzherzogs entgegneten: daS seyen Anschuldi-gungen der Jesuiten , die eS auch nicht anders machten. Nachher untersagten sie aufRüge des Kaisers Fischern zwar das Predigen, scheinen aber das Verbot bald wieder