Ausgabe 
13 (6.3.1853) 10
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zurückgenommen zu haben, da er am Tage der unschuldigen Kinder nicht allein diefrühern Schmähungen wiederholte, sondern jetzt nicht einmal die Person des oberstenVormunds und ReichSoberhaupteS schonte. ES ging auf den unkatholischen Kanzeln,folglich um so mehr unterhalb derselben, in solcher Weise zu, daß Maria sich genöthigtsah, ihren Geheimschreiber Peter Casal mitten im Winter zu Erzherzog Maximiliannach dem fernen Mergentheim in Franken zu schicken, um Abhilfe von ihm zu bitten.Nach einer Zuschrift von dem Kaiser mit der Bemerkung:Leute von Fischers Artkönnten in Residenzen nicht geduldet werden," stellten die Verordneten das Grellste inAbrede, des Uebrigen halber beriefen sie sich auf die zugestandene Religionsfreiheit.

Unter so vielfachen betrübenden Erfahrungen konnte Maria nichts weiter thun,als für deS SohneS Heimkehr und einstiges Regieren alles so vorzubereiten, daß ihmgenaue Kenntniß des Standes der Dinge nicht fehle; dadurch, glaubte sie, möge ereine richtige Einsicht in die Verhältnisse und Fingerzeige für sein Handeln gewinnen;denn dessen war sie fest überzeugt, daß es so, wie seit deS GemalS Tode, in dieLänge nicht fortgehen könne. In solcher Fürsorge befahl sie ihrem getreuen KanzlerWolf^ang Schranz,drei Schreiben der Prävicanten sorgfältig bei den Religionsactenaufzubewahren, damit Ferdinand einst Kenntniß erhalte, waS Alles der Pacifikationzuwider sey versucht worden, desto besser hiernach sich richten möge. Gewiß werde eSnie Ruhe gehen, sagt sie in ihrer Zuschrift, wenn man daS Nest nicht auSnehme.Wolle Gott , fügt sie bei, daß es bald geschehe."

In diesen Tagen deS durch alle Mittel geförderten AbfalleS von der Kircheging über die Erzherzogin die Rede:wie zur Zeit deS Leidens Christi einzig in Mariader Glaube nicht gewankt habe, so in dieser trübm Zeit bei der Erzherzogin ."

Aber gerade deßwegen richteten diejenigen, welche von dem Glauben der Vätergewichen waren, immerwährend ein scharfes Augenmerk auf sie. Sie maßen daSnachherige Auftreten deS SohneS dem Einfluß der Mutter bei, und säumten nicht,Berichte nach Prag abgehen zu lassen, die ein nachtheiligeö Licht auf dieselbe werfenmußten, und dort nicht immer ohne Einfluß blieben. Ferdinand hatte einen TobiasFischer, einen ruhigen und verschwiegenen Mann, als Agenten an den kaiserlichenHof abgehen lassen. Dieser berichtete am Ende des Jahres 1.597: die Erzherzoginwerde einer kostspieligen Hofhaltung beschuldigt, und wie sie die prächtigsten undtheuersten Waaren von Venedig kommen lasse. Ferner werde vorgegeben: ohne Vor-wissen der Jesuiten dürften die geheimen Räthe nichts beschließen, die Schreiber nichtsausfertigen. Niemand könne zu einer Anstellung gelangen, außer durch die Jesuiten ;ob der Anzustellende ein Dieb oder ein Schelm sey, darnach werde nicht gefragt,einzig, ob er den Jesuiten gefalle. Die Zahl derselben sey auf hundert gestiegen,meistens aus Frankreich Vertriebene; man habe deren Einkünfte um einige tausendGulden vermehrt; sie besäßen sogar einen Hauptschlüssel zu den Gemächern der Erz-herzogin, um zu jeder beliebigen Zeit freien Zutritt zu ihr zu haben.

Diese Anschuldigungen waren eben so grell und ehrenrührig, als grundlos.Sie veranlaßten eine Zuschrift der Erzherzogin an besagten Fischer, welche ihrenCharakter in solcher Frische abspiegelt, daß ich nicht zweifle, die hochansehnliche Ve»sammlung werde gerne die Hauptstellen derselben vernehmen.

Daß Alles," sagt sie,waS innerhalb und außerhalb deS HofeS geschieht,von hier auS dem Kaiser und seinen Räthen berichtet wird, deß trage ich gar keineScheu. Nicht bloß der Kaiser und die geheimen Räthe dürfen wissen, waS man hierthut, jedermänniglich darf es wissen, man wird nichts finden, waö zu mißbilligenWäre. Daß aber unwahrhaftcn Schreiben zu Prag so viel Glauben geschenkt werde,deß hätte ich mich niemals versehen. Ich muß eS Gott anbefehlen und sammt meinemSohn der Unschuld mich getrösten. Wollte ich meinerseits schreiben, waS von Prag Hieher geschrieben wird und wie eS dort zugehe, wahrlich eS gäbe seltsame Händel.Freilich dort kann man nicht sündigen, nichts Unrechtes thun! Indeß diese Sachengehen mich nichts an, deßwegen lasse ich sie. Aber daS möchte ich wissen, werüber mich und die Meinigen solche Lügen hinausschreibt und sich unterstehen darf,