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uns gegen dritte Personen so herabzuwürdigen? Hierüber haltet fleißig Nachfrage,und wenn Ihr diese Personen erfahrt, so theilet eS mir alsbald mit. Man schreibtvon kostspieliger Hofhaltung. Meine Söhne und Töchter können nicht mehr so bei-sammen seyn, wie zur Zeit, da sie noch kleine Kinder waren; doch ist alles so ein-gerichtet, daß, ich nicht wüßte, wie eS haushälterischer könnte angestellt werden.UebrigenS sollen Solche, die eS nichts angeht, um daS, waS wir thun, nicht sichbekümmern. Daß ich um viele tausend Gulven prächtige Waaren von Venedig hättekommen lassen, davon weiß ich nichts. Zur eigenen Kleidung bedarf ich weder Gold-noch Silberstoffes; wenn aber mein Sohn für sich, für seine Brüder und Schwesternoder für seine Diener etwas kommen läßt, so ist daS bei weitem nicht so kostbar,wie man vorgibt, bloß wie eS die unvermeidliche Nothdurft erheischt. UebrigenS istmein Sohn hiefür Niemand Rechnung schuldig, und möchten die Leute licber um dieeigenen Sachen sich bekümmern und die Zeit besser anwenden, als in dergleichen sicheinzumischen. WaS die Jesuiten betrifft, und daß ohne ihr Gutachten nichts dürfeberathen oder ausgefertigt werden, so soll der, der solches vorgibt, zuerst bessernBericht einziehen; am besten, er frage die Räthe und Schreiber selbst. Daß mansagt, jene hätten einen Hauptschlüssel und könnten nach Belieben in alle meine Zim-mer treten. daS berührt die Ehre; wer so etwas schreiben oder reden kann, beweistdamit, daß er ein verlogener Mensch sey. Gottlob, ich bin so ehrbar, daß ich solche»Niemand gestatten würde, und bin mit dem Hauptschlüssel so „heikel," daß bis zurStunde nicht einmal mein Sohn einen solchen hat. ES greife nur jeder in deneigenen Busen, er wird vielleicht mehr darin finden, als waS man über hier UnwahresauSgiebt. Eben so weiß ich von keinem einzigen Pater, der auS Frankreich vertriebenwäre; und die Einkünfte, welche mein seliger Gemahl ihnen angewiesen hat, finddurch meinen Sohn nicht um einen einzigen Heller erhöht worden. Daß Schelmeund Diebe durch sie zu den besten Diensten am Hofe gelangen, ist eben so wenigwahr, wie alles Uebrige. Hält man denn mich und meinen Sohn für solche Thoren,um dergleichen zu thun? Wollten wir eS aber thun, so haben wir durch GotteSGnade solche ehrbare, aufrichtige und sürnehme Leute in unsern Diensten, welchegewißlich mit Dieben und Schelmen weder dienen noch bleiben würden. Alles ist„pur lautere" Lüge, wodurch man mich und meinen Sohn bei Ihrer Majestät, dengeheimen Räthen und bei Jedermann verhaßt machen möchte. Dessen aber hätte ichmich nicht versehen, daß Se. Majestät, seine Räthe und andere Gutgesinnte dergleichenLeute angehören würden, da sie selbst so wenig als ich und die Meinigen vor ihnensicher sind. Darum hätten sie ihnen nicht alsbald Glauben schenken, sondern denSachen besser nachspüren und sich gründlich erkundigen sollen, ob eS sich denn auchalso verhalte. Aber alles Gott anheimgestellt! Er wolle eS denjenigen verzeihen, dieso wider die Wahrheit reden und schreiben, wobei ich Niemand anders in Verdachthabe, als die Ketzer, denen weder mein Sohn noch ich zu keiner Zeit thun könnenund wollen, waS ihnen lieb wäre; und werden eS Hinsort noch weniger thun, solltensie auch noch mehr Lügen hinauSschreiben. Forschet nur diesen Angebern fleißig nach;erfahret Ihr etwas Gewisses, so meldet eS ungesäumt; sicherlich soll eS Euch nichtunvergolten bleiben.
Man ersieht aus diesem Schreiben, daß der mehrmals wiederholte Rath derErzherzogin an ihre Tochter Margaretha bei Anmaßungen des spanischen Hofgesin-des: „weise ihnen flugS die Zähne!" keine bloße Redensart war. Wo eS noch that,hat sie es anzuwenden verstanden. Sie war ihrer Stellung, ihrer Rechte vollkommenbewußt, kräftig genug, Beide unter allen Umständen zu behaupten. Und doch einigtesich in ihr das Starke mit dem Zarten in einer Weise, wie solches nur selten vor-kommt. DaS letztere wird in der lieblichsten und einnehmendsten Weise hervortreten,wenn wir einmal einen Blick auf die Lebensweise und die Gewohnheiten der Erz-herzogin werfen, welchen durchweg der Stempel katholischer Ueberzeugung in demanmuthigsten Gepräge aufgedrückt ist.