Ausgabe 
13 (6.3.1853) 10
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Da» Märtyrerthum des katholischen Missionars Bonnard in

China.

Der hochwürdigste Bischof von Acanthe, Monfignor Reford, schildert im Nach-folgenden an die^rmsles cle Is propgßstion cle Is koi" gerichteten Schreiben daSvon dem ehrwürdigen katholischen Missionär Herrn Bonnard in Tong-King am10, April v. IS. erlittene Märtyrerthum:

Um zehn Uhr Vormittags, als der Obermandarin noch schlief, langte die Be-stätigung deS Todesurtheils auS der Hauptstadt an. Ein christlicher Beamter hatteim Geheimen Kenntniß davon genommen und beeilte sich, einigen seiner Freunde dieNachricht mitzutheilen. DaS Gerücht verbreitete sich sofort mit Blitzesschnelle, daßunser ehrwürdiger Mitbruder am selben Abend hingerichtet werden sollte, und vonallen Seiten strömten die Neophyten in die Stadt herbei, um dieser Trauerscene bei-zuwohnen. Von Mittag an waren die Straßen gedrängt voll von Menschen undbesonders groß war der Andrang vor dem Thore, von welchem, wie man glaubte,der Trauerzug ausgehen sollte. Die Hinrichtung wurde aber, wahrscheinlich um demAndrang auszuweichen, auf den folgenden Tag ausgeschoben. Aber auch an diesemTage war die Volksmenge nicht minder beträchtlich.

Vom Morgen an eilte sie dem gewöhnlichen HinrichtungSplatze zu, wo dieMandarine Alles vorbereiten ließen. Aber plötzlich bemerkte man, daß der Missionärnach einem entgegengesetzten Puncte geführt wurde. Die Menge stürzte sofort dahin;sie hatte einen weiten Umweg zu machen, um zur rechten Zeit anzukommen. Eswaren daher nur einige hundert Christen zugegen, die dem Martyrertod unseres viel-geliebten MitbruderS beiwohnen konnten. Der Richtplatz war beiläufig anderthalbMeilen von der Stadt entfernt, in der Nähe eines FlusseS. Der fromme Held Christimachte den ganzen Weg zu Fuß, belastet mit dem Schandpfahl und der Kette, dieer aufgehoben in der Hand trug; er schritt mit der Miene übermenschlicher Zufrie-denheit vorwärts.

- Auf dem Richtplatze angekommen, band man ihm die Hände auf den Rückenund so fest, daß Blut herabfloß. Zudem hatten die Mandarine die nöthigen Werk-zeuge mitzunehmen vergessen, um den Schandpfahl und die Kette abzulösen. Esbedürfte wenigstens einer Stunde, um die Werkzeuge herbeizuholen und unser geliebterMärtyrer lag während dieser ganzen Zeit auf den Knieen, fest und standhaft, wieeine Säule. Er hatte wenige Augenblicke, bevor er daS Gefängniß verließ, daSheilige Abendmahl empfangen, wie hätte er also weichen oder zittern können! Erbetete mit Inbrunst, die Augen zum Himmel gehoben.

Als man ihm den Schandpfahl und die Kette abgenommen hatte, stieg derMandarin, der die Oberaufssicht bei der Hinrichtung hatte, von seinem Kameele herab,um seine Haare zu ordnen und flüsterte ihm einige Worte zu, die man nicht hörte.Unser Märtyrer sagte ihm auch einige Worte, die man eben so wenig hören konnte.Als der Mandarin sein Kameel wieder bestiegen hatte, ertönten drei Schläge auf derCymbel und das Haupt unseres Freundes fiel unter dem Streiche deS Schwertes.Der Henker hatte ihm mit einem Streiche den Kopf abgeschlagen. Unsere Christenkonnten nur wenig von seinem Blute ausfangen, weil die Officiere Jeden, der sichzu nahen wagte, mit Stockschlägen zurücktrieben.

Die Soldaten bemächtigten sich des neuen Gewandes, daS Herr Bonnardgetragen hatte, so wie auch seiner mit Blut befleckten Unterkleider, die sie unter sichvertheilten, um den Christen einzelne Theile davon zu verkaufen. Die Mandarinehatten zu dieser Hinrichtung viele Soldaten versammelt, so wie auch viele Kameeleund Pferde.

Wir glaubten, daß er, wie der selige Schäffer auf dem Richtplatz begrabenund daß nur sein Kopf inS Wasser geworfen werden würde. Wir hatten bereits alleMaaßregeln ergrissen, um unö der sterblichen Ueberreste zu bemächtigen, woran wir .