Ausgabe 
13 (6.3.1853) 10
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aber verhindert wurden. Der Leichnam und der Kopf wurden in einer von Soldatenbesetzten großen Barke niedergelegt. In einer zweiten Barke befand sich der Ober-mandarin mit mehreren bewaffneten Leuten; mit LebenSmitteln für drei Tage ver-sehen, ruderten sie ab.

Aber ein Boot, in welchem mein Diaconus und zwei unserer Katecheten sichbefanden, schiffte in einiger Entfernung zur Beobachtung ihnen voran; gegen Abendwurden auch mehrere Fischerboote von unS nach dem Meere abgesandt. Um acht oderneun Uhr verfinsterte sich der Himmel und es fing an zu regnen. Die Mandarinewaren mit ihrer Barke unterhalb von Tam Toa angelangt, wo sie anhielten undnachdem sie einige Operationen, die man nicht sehen, aber wohl errathen konnte,vorgenommen hatten, kehrten sie flußaufwärts zurück. Die Stelle wurde von denChristen in dem Boote in Erinnerung gehalten, die Fischerbarken kamen auch baldherbei. Ein junger Mensch tauchte 25 Fuß tief hinab und stieß gerade aus denLeichnam unseres Märtyrers, dessen Füße und Hände er berührte. Er tauchte hierauftriumphirend mit den Worten auf:Ich habe ihn gesunden."

Die Mandarine hatten einen großen Stein an den Leichnam befestigt und denKopf in einen kleinen Sack unter seinen Arm gesteckt. Nun wurden die kostbarenUeberreste sofort aus dem Abgrunde hervorgezogen. Es war ein Uhr nach Mitter-nacht, als unsere Fischer mit der theuren Last anlangten. Der Leichnam wurdesogleich mit dem priesterlichen Ornate bekleidet, in einen von einer christlichen Familiegeschenkten sehr schönen Sarg gelegt und in der Mitte unserer Kirche, mit Kerzenumgeben, bis zum Abend des folgenden TageS ausgesetzt. Wir begruben ihn hieraufmit allen kirchlichen Ceremonien.

Ich selbst verrichtete im Beiseyn deS Herrn Legrand, zweier Priester, eineSDiaconen und aller unserer Zöglinge den Gottesdienst. Sein Leichnam ruht alsojetzt in unserer Mitte. O! wie schön sah er aus in seinem Sarge, angethan mitdem priesterlichen Gewände: man hätte sagen können, eS sey eine Bildsäule vomschönsten Elfenbein. Sein auf dem Hals sehr gut befestigter Kopf schien in einenruhigen Schlummer versunken und eine himmlische Vision zu haben, die ihn lächelnmachte!

Mission in Ghr-nbreitstein.

Ehrenbreitstein , im Febr. 1853. Die seit dem 16. Januar d. I. durchdie Jesuiten Herren PatreS Haßlacher, Pottgeißer und Baron von Mehlem hierbegonnene Mission wurde am 3t). Januar mit einer Procession, der Errichtung deSheiligen MissionSkreuzeö und einem feierlichen Gottesdienste beschlossen. Unserm hoch-würdigsten Herrn Bischöfe zu Trier und unserm würdigen Herrn Pfarrer Geschwind,der nun schon über fünfundzwanzig Jahre mit regem Eifer als Seelsorger hier wirkt,haben wir nächst der göttlichen Gnade und Barmherzigkeit diese Mission zu danken.In der That, dieselbe ist ein leuchtendes Zeichen der Gnade und BarmherzigkeitGottes, welches als solches inniger gewürdigt werden kann, wenn man zurückblicktin jene traurige Vergangenheit, welche über die Geschlechter der Menschen dahin-gezogen ist, seit auch in den katholischen Theilen von Deutschland die Jesuiten ver-trieben wurden. Fast achtzig Jahre find seitdem verflossen, also doppelt so vielZeit, als nöthig war, um die Jsraeliten in der Wüste zu reinigen und zu bekehren!Unsere Wanderungen in der Wüste scheinen nun auch enden zu sollen, und wirbetrachten eS als ein erfreuliches Zeichen, daß die erste Mission, welche die Jesuiten seit ihrer Vertreibung auS der Trier 'schen Diöcese in derselben wieder gehalten haben,hier in Ehrenbreitstein, dem alten Sitze vieler Trierischen Kurfürsten und Bischöfe,stattgefunden hat, und bei derselben zwei Eingeborene der alten Diöcese Trier , näm-lich die hochwürdigen PatreS Haßlacher und Pottgeißer verwendet worden sind.

Die heilige Mission wurde von dem Pater Haßlacher eröffnet und in dem fol«