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und die Herrlichkeiten deS ewigen Lebens weisen auf dieses Geheimniß als auf ihrenUrsprung und ihre Vollendung hin.
Die unermeßlichen Reichthümer wohl kennend, die in diesem geheimnißvollenOpfer verborgen liegen, sendet nun die Kirche zwar mit jedem Tage ihre Priester zumAltare, um zu beten und zu opfern für die Sünden des Volkes, und die SegnungendeS Himmels auf die Erde herabzuziehen. Au jedem Tage sind die Pforten ihresHeiligthumeS der Welt geöffnet, sie kennt keine seligere Freude, als ihre Kinder inseinem Innern zu versammeln, und wer seinen Gott in Wahrheit sucht, wird, auchwenn kein Gesetz gebietet, wo möglich mit jedem Tage aus eigenem HerzenSdrangeund voll der Sehnsucht hin zum Tempel eilen, weil dort auf dem Altare das Opferseiner Erlösung, sein Leben und seine Liebe liegt; aber auch nie wird er von bannengehen, ohne neuen Segen und neuen Frieden mit nach Hause zu nehmen.
Wie aber die Kirche in ihren Anordnungen mild, und in ihren Forderungen vollder Nachsicht ist, Dem ähnlich, der gesagt hat: „Mein Joch ist süß und meine Bürdeist leicht;" wie sie, wenn auch nur ein Verlangen im Herzen tragend, der Welt dasHeil zu geben, doch wieder, vom Geiste göttlicher Weisheit geleitet, nie vergißt, derSchwäche unseres Geschlechtes und den Anforderungen der irdischen Lebensverhältnissedie gebührende Rücksicht zuzuwenden; so hat sie das Anhören deS heiligen Meßopfersnur für die Sonn- und Festtage förmlich vorgeschrieben, nnd hat aber auch zugleich,um nach anderer Seite hin der Lauigkeit und dem Gottvergessen einen Damm zu setzen,zur Haltung dieses Gebotes unter schwerer Sünde verpflichtet. (Schluß folgt.)
Schon seit Ende Dec. hält sich hier der vr Levi JveS aus, der erste angli-kanische Bischof, der dem Lichre der Wahrheit folgend in den Schooß der wahrenKirche Christi zurückgekehrt ist. Herr Jveö war Bischof der anglic. Kirche in den Ver-einigten Staaten und stand seit einiger Zeit an der Spitze der Puseyiteu in Amerika .Da er sich nicht begnügte, die Grundsätze und Meinungen, welche er vertrat, in seinemeigenen Leben in Ausübung zu bringen, sondern dieselben in der Verwaltung seinesAmteS befolgte, und deßhalb nicht bloß manche Gebräuche der kathol. Kirche für denöffentlichen Gottesdienst in seinem Sprengel vorschrieb, sondern auch ein Kloster grün-dete, und sogar das ehelose Leben seiner Geistlichkeit dringend empfahl: gerieth diesein immer größere Bewegung, Manche Mitglieder derselben untersuchten die Gründe,die ihrem Bischof zu solchem Verfahren bewogen, mir aufrichtigem Verlangen, sich zubelehren, und kamen zur Erkenntniß der Wahrhei; viele von ihnen sind bereits zurkatholischen Religion übergetreten. Aber die größere Anzahl zeigte sich in hohemGrade unzufrieden mit den „Neuerungen" ihres Bischofs, und nach manchen geheimenAntrieben, die unwirksam bleiben, forderten sie ihn gegen Ende deS JahreS 1851 voreine Synode, die theils aus Laien, theils auS Geistlichen bestand. ES war zwardem Herrn JveS nicht schwer, sich zu vertheidigen, und seine Freisprechung von seineneigenen Gegnern zu erwirken; aber dieser Vorfall trug nicht wenig dazn bei, ihn überdas Haltlose, sowohl der Grundsätze und Lehren, als auch deS Ansehens und der Ver-waltung der anglicanischett Kirche vollends aufzuklären ES hatte im Laufe deS JahrcS1852 wehrere Unterredungen mit dem katholischen Erzbisch of voit Ncw'Dork,und dem vr. ForberS, Pfarrer in derselben Stadt, der einst selbst Puseyst und vr.JveS Beichtvater gewesen war. JveS entsagte den Irrthümern der Kirche, welcher erangehört hatte, und legte vor dem Erzbischof von New-Uork im Monat Oktober daskatholische Glaubeusbekenntniß ab; hielt jedoch einstweilen seine Bekehrung geheim.Bald darauf trat er die Reise nach Rom an, um dort vor dem hl. Vater selbst seinBeke'nntniß öffentlich zu erneuern. Am 26. December fand dieser rührende Act in derKapelle seiner Heiligkeit statt, und nach der Ablegung des Glaubensbekenntnisses er-hielt Hw INS von der Hand des Papstes daö Sacrament der Firmung. (M.S.-Bl.)
SKrdnÜ«vrMch«r RedacteSr: L. Schönchen. Verlags - Jichaber: F. C. Kre m er.