Ausgabe 
13 (20.3.1853) 12
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die Folge deS Sündenfalles, die Augenlust, die nach irdischen Gütern geizt, dieFleischeslust, die nach sinnlichen Gelüsten jagt, die Hoffahrt des Lebens, die, stattdie wahre Größe, die Größe in Gott zu suchen, an eitler Menschenehre ihr Gefallenhat. Gäbe eS da keine von Gott gesetzte Kirche, kein Priesterthum, kein Opfer undkeinen Altar, keine Lehrstätte christlicher Weisheit und keine Predigt vom Tage derEwigkeit; würde nie die Glocke läuten, um zum Tempel deS Höchsten zu rufen; fändenie der Mensch sich aufgefordert, das AlltagS-Kleid deS irdischen GeschäftSIcbenö ab-und daS Festgewand anzulegen, um dem Herrn und seinen Heiligen den Tag zu weihen;käme ihm nie eine Mahnung zu, den Blick nach Oben zu erheben, und wäre er alsowirklich so unglücklich, nur die eine Sorge zu kennen, wie er sich kleiden und womiter sich nähren solle; dann wehe dem Menschen, der am Ende doch vom Brodeallein zu leben nicht vermag, sondern vor Allem jenes Wortes bedarf, das aus demMunde Gottes kommt! Bald würde die Ewigkeit seinen Blicken ganz entschwinden,die Zeit und ihre Vergänglichkeit, die Erde und ihre Armuth dessen sich ganz bemäch-tigen, der unsterblich und für Gott erschaffen ist, Finsterniß und Nacht die Seele um-fangen, der Sturm der Leidenschaft sich entfesseln, die Uebermacht ungezähmter Begier-lichkeit die Geißel schwingen, und eine Fluih von Sünden dem Unglückseligen denAbgrund ewigen Verderbens bereiten.

Nun ist der Herr in die Welt gekommen, zu suchen und selig zu machen, waSverloren war; der gute Hirt ist durch die Wüste gegangen, um Verlorne Lämmer auf-zusuchen, und um also vor so großem Seelenverderben seine Heerde zu verwahren, hater in götilicher Hirtenliebe, wie im alten Bunde durch den Mund seines DienerSMoseS die Sabbatfeier, so im neuen Testamente durch den Mund seiner heiligen Kirchedie Feier der Sonn- und Festtage angeordnet.Gedenke, daß du den Sabbat heiligest."Du sollst die eingesetzten Feiertage halten."Du sollst an allen Sonn- und Fest-tagen die heilige Messe mit Andacht hören."

An diesen gottgeweihten Tagen soll also vor Allem der Lärm irdischer Geschäfteruhen, soll der Mensch nicht, wie Martha, sich um Vieles kümmern, sondern vielmehrnur darauf denken, mit Maria den besten Theil zu wählen, und also für das Eine,das Noth thut, vor Allem zu sorgen. In feierlicher Stille heiliger FesttagSruhe, wodie Erde schweigt, und daS Reich der Ewigkeit um so lauter zum Herzen spricht, sollder Mensch den Blick nach Oben wenden, soll klarer, als an andern Tagen es ihmmöglich wird, die Wahrheit sich vor die Seele führen, daß für ihn hier keine bleibendeStätte, daß er hier Fremdling und Wanderer, daß seine Heimat der Himmel ist, unddaß also zuletzt das Heil in Einem liegt, die Wanderschaft dorthin mit Christus zumachen. So wird die heilige Sabvaisruhe für sich schon zur lautesten und eindring-lichsten Predigt, zeigt die Bedeutung des Lebens hienieven im hellsten und schönstenLichte, und gießt Segen und Weihe über die Erde aus.

Neben dem Gebote der Enthaltung von knechtlicher Arbeit, wie der gewöhnlicheAusdruck diese bezeichnet, verpflichtet die Sonn- und Festtagsseier zur andächtigen An-hörung der heiligen Messe, und eS hat uns die katholische Kirche diese Verpflichtnngunter schwerer Sünde auferlegt, so ferne nicht Krankheit oder sonst ausreichend ent-schuldigende Verhinderungen uns von der Verpflichtung befreien. Es ist aber die heiligeMesse daS Opfer unseres Herrn am Kreuze, dort in blutiger Weise von ihm darge-bracht , um die Welt dem Vater zn versöhnen, und hier auf dem Altare von ihm inunblutiger Weise durch den Dienst und die Vermittlung deS von ihm geordneten Priester-thumö unter den Gestalten von Brod und Wein erneuert. Die heilige Messe ist alsojenes große Opfer, in dem die Welt ihre Erlösung finret, die Grundfeste der HeilS-ordnung deS neuen Bundes, der wesentliche Gottesdienst der neutestamentlichen Kirche,der Mittelpunkt christlicher Andacht und christlichen Lebens, der Quell, aus dem dieHeiligen Gerechtigkeit und Leben trinken, der Ursprung und die Vollendung unsererSeligkeit. In diesem Opser erfüllen sich die Hoffnungen des alten Bundes, aus ihmentspringen alle Gnaden, die im Schooße der heiligen Kirche sich ergießen, aus ihmströmt Erlösung in den ReinigungSort zum Troste der dort leidenden Seelen hinüber,