Ausgabe 
13 (20.3.1853) 12
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schöpsung in sechs Tagen zu vollbringen, und am siebenten zu ruhen, so hat er schonim alten Bunde, um den Abdruck dieser göttlichen That im menschlichen Erdenlebenwieder zu geben, die Ordnung und Besorgung der gewöhnlichen Anliegen und GeschäftedeS Lebens den sechs ersten Tagen der Woche zugewiesen, für den siebenten aber einebesondere Feier, die Sabbatsfeier angeordnet.Gedenke, daß du den Sabbat heiligest,"spricht Gott der Herr.Sechs Ta^e sollst du arbeiten und alle deine Geschäfte ver-richten. Am siebenten Tage aber ist der Sabbat des Herrn, deines Gortes; an diesemsollst du kein Werk verrichten. . . . Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel undErde erschaffen, und das Meer und Alles, was darin ist, und am siebenten Tage hater geruhet. Darum hat der Herr den Tag deS Sabbats gesegnet und ihn geheiliget"(Lxocl. 2V, 3 tt.) Während also der Mensch zwar keinen Tag und keine Stundeder Ehre seines Herrn und dem Heile seiner Seele entziehen und durch Sünden undLaster entweihen und entheiligen darf, vielmehr alle seine Lebenslage durch Uebungder Tugend und Gerechtigkeit für Gott zu gewinnen sich bestreben soll; während aberim Lichte dieser göttlichen Anordnung auch die sechs Werktage der Woche als Nach-klang und Widerschein des großen Werkes der sechs SchöpfungStage ihre Weihe undBedeutung empfangen, und für den Menschen, der berufen ist, im Schweiße deS An-gesichts sein Brod zu essen, selbst jede irdische Arbeit, nach GotteS Willen und zuGottes Ehre verrichtet, ihren Werth und ihr Verdienst sür die Ewigkeit erhält; wäh-rend der Mensch dann aber doch wieder an sechs Tagen der Woche mehr äußerenGeschäften und zeitlichen Sorgen zugewendet ist; so soll er am siebenten Tage ruhen,soll den Sabbat heiligen, soll Einkehr in sein Inneres nehmen, und im unmittelbarenUmgange mit Gott und in der Erwägung seiner ewigen Bestimmung die großen An-liegen deS Heiles seiner Seele ordnen.Gedenke, daß du den Sabbat heiligest."Diesen Tag hat der Herr gesegnet; er ist das Abbild der ewigen SabbatSruhe-, inwelcher der Allerhöchste, unendlich selig, sich selbst befitzt und genießt; er ist das Wahr-zeichen der großen Hoffnung für uns Alle, jenen ewigen Sabbat einst mitzufeiern,wenn eS mit GotteS Gnade uns gelingt, die Erdenwallfahrt glücklich zu vollenden.

Nachdem aber mit der Auferstehung deS Herrn und mit der Sendung deö heiligenGeistes für die Kirche deS neuen Bundes die Entfaltung einer neuen Festcrdnung be-gonnen, und durch göttliche Anordnung das Gebot der Sabbatsfeier vom Samstageauf den Sonntag übergegangen; nachdem ferner die heilige katholische Kirche kraft vonGott ihr verliehener Vollmacht zur Fei?r der Geheimnisse deö Lebens, Leidens undSterbens Jesu Christi , und zur Verehrung seiner Heiligen, besonders seiner glorreichenMutter, der allerseligsten Jungfrau Maria, noch verschiedene andere Festtage eingesetzt,daS Gebot der SabbatSruhe, der Enthaltung von knechtlicher Arbeit, auch auf dieseübertragen, und für alle Sonn- und Festtage deS JahreS die Gläubigen noch ins-besondere zur Anhörung der heiligen Messe unter schwerer Sünde verpflichtet hat, sogilt die Vorschrift deS dritten Gebotes:Gedenke, daß du den Sabbat heiligest," inder Kirche deS neuen Bundes sür alle Sonn- und Festtage, und findet eben dieses Gebotder neutestamentlichen SabbatSfeier seinen weiteren und vollen Ausdruck im ersten undzweiten Kirchengebote:Da sollst die eingesetzten Feiertage halten." Und:Du sollstalle Sonn- und Feiertage die heilige Messe mit Andacht hören."

Und wie heilsam, geliebteste Diöcesanen! ja wie nothwendig ist dieses Gebot sürunS! WaS müßte aus unserer Seele werden, wenn nie im Leben eine Festfeier daSGetriebe und Gewirre irdischer Geschäfte unterbräche! Welch ein Segen aber müßtesich auch über uns und über die Welt ergießen, wenn alle Menschen, wie sie sollten, dieheilige Kirche GotteS erkannten, und nach ihrer Vorschrift und in ihrem Geiste dieSonn- und Festtage heilig hielten!

Der Mensch nämlich ist nicht ein rein geistiges, ein rein vernünftiges Wesen,die vernünftige Seele desselben ist in den sinnlichen Leib gehüllt; und während dieSchwere seines natürlichen Gewichtes erdwärtZ zieht, sind seine Sinne den Eindrückendieser Welt geöffnet, und werden, sich selbst überlassen, bald eben so viele Fesselnbilden, die ihn an die Erde ketten. Dazu kommt das Uebergewicht der Sinnlichkeit,