Ausgabe 
13 (20.3.1853) 12
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ausrufen, wie glücklich ich mich fühle, meine Gemeinde so ganz verwandelt und soguter Stimmung zu sehen, dem Herrn nun mit Eifer zu dienen.

Ich kehrte getröstet nach Cincinnati zurück, um daselbst meine Erercirien nachOrdensvorschrift für mich selbst zu halten. Es war mir dazu diese Zeit um so ge-legener, weil ich diese Erercitien am Vorabend deS Festes deS hl. XaveriuS beschließenkonnte, der an demselben Tage einst vor 300 Jahren seinen Lauf als Vorbild allerMissionäre so selig und verdienstreich vollendete. TaveriuS starb am 2. Decembert552, mithin gerade vor 300 Jahren. Konnte mir eine Ausmuuterung gelegenerkommen als gerade diese. Als mein Ordensbruder und Namensheiliger ist mir seinTugendvorbild um so wichtiger, aber freilich auch um so beschämender.

Ich reiste noch an demselben Tag dem Fest deS hl. XaveriuS nach Eleveland,um allva in der neueingeweihten Kathedrale der Deutschen die Mission zu geben. DieseMission gewährte mir als die letzte in diesem Jahre vorzüglichen Trost. Die Beicht-väter mußten sammt mir bis Mitternacht und darüber die Beichtstühle besetzt halten,um der Menge zu genügen. ES wurde die hl. Communion selbst um 4 Uhr Nachmit-tags ausgetheilt, welches in Amerika höchst ungewöhnlich ist. Selbst protestantischeFrauen brachten ihre Männer bis zur Kirchthüre, damit dieselben gewiß ihre Beichtenverrichteten. DaS Kreuz, das ich hier aufrichtete, war das sechsunddreißigste, das ichin diesem Jahr aufgepflanzt, und zwar in den entferntesten Puncten von New-OrleanS bis Lac Winnebago und von St. Louis bis Cleveland , wobei ich oft inmitten dervielen Reisegefahren der göttlichen Vorsehung doch inbrünstig dankte, die durch Eisen-bahnen und Dampfschiffe die Schritte ver Missionäre beflügelt. Es hat dabei jedochein Missionär allhier auf ungebahnten Waldwegen oft genug Reminiscenzen der altenund gleichsam antediluvianischen Zeit. Die WeihnachtSfeicrtage brachte ich in Eincinnatizu. ES gereicht Amerika ,ur größten Ehre, und es ist einer der schönsten Vorzüge derKirche in Amerika vor Deutschland und Frankreich , wenn man die Menge der beich-tenden Männer und Jünglinge betrachtet. Ich hatte während dieser Feiertage wiederGelegenheit, dieß zu meinem großen Troste zu bemerken. Ich predigte noch am Schluß deSJahreS in der St. Philumenenkirche, und jeder, der aufmerksam und theilnehmend diesenBericht gelesen, wird leicht entnehmen, mit welchen Gefühlen deS DankeS und deSLobes ich dasgroßer Gott wir loben dich" ?e veum Isuäsmus angestimmt. Gott gebe mir doch noch viele solche Jahre zu seiner größeren Ehre und zum Heile unzäh-liger Seelen. Ich hoffe, viele, viele heilige Schutzengel haben daö »großer Gott wirloben dich" mit uns vor dem Throne Gottes dankend und jubelnd gesungen,

Cincinnati , 3. Januar 1853. F. X. Weninger, 8.1.

Die GonntagSfeier.

AuS dem dießjährigen Fastenhirtenbrief deS hochwürdigen Herrn

Bischofs von Würzburg.

Jeder Tag und jede Stunde unseres Erdenlebens ist - ein Geschenk des Herrn,eine kostbare Gabe Dessen, der auS freier Liebe uns erschaffen, die Zeit hienieden alsZeit der Vorbereitung unS zugewiesen, und unS zu jenem wunderbaren Lichte, zum Lichteewiger Herrlichkeit berufen hat. Jeder Tag und jede Stunde soll dem großen Ziele unSnäher führen, jeder Uhrschlag ruft die Erinnerung an unsere ewige Bestimmung unSvon Neuem in die Seele; und wohl Dem, der seine Tage hienieden dem Herrn zuheiligen sich bestrebt, um einst dort oben an jenem großen Festtage Antheil zu erhalten.

Gehört also an sich schon jeder Tag dem Herrn, und soll eben deßhalb jedeStunde deS Erdenlebens ihm geweiht und geheiligt werden, so hat eS dem Allerhöch-sten gefallen, zu Ehren seines heiligen Namens und zum Heile unserer Seelen dochnoch in der Woche einen Tag auszuzeichnen, der durch besondere Feier ihm gewidmetund geweiht seyn soll, und gleichwie er für gut befunden hat, dqS Werk der Welt«