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kreuzes zu Jefferson folgender merkwürdiger Fall. Ein protestantischer Jünglingmengte sich unter die Katholiken, und ladete einen Pöller mit Koth, was sehr ge-fährlich ist. Als man denselben loSbrannte, zersprang er in viele Stücke, doch keinKatholik wurde verwundet, auch jener nicht, welcher den Pöller losbrannte, sondernein Stück flog über die Leute gerade auf den mulhwilligen Protestanten, der denPöller so boshaft geladen und verwundete ihn an der Schulter. Wir pflegten ihndessenohngcachtet liebevoll im Pfarrhause, und es mag ihm und semer Mutter für dieSeele genübt haben, da Gott ihn äirßerlich auf solche wohlverdiente Weise züchtigte.Ich brachte, bevor ich mich zu dieser Mission verfügte, das Rosenkranzfest in derMarienkirche zu Milwaukie zu, und predigte am Fest deS hl. Franziskus im Klöfter-lein des dritten Ordens und bei den Schulschwestern der Novizinnen, und richtete nochein Missionskreuz in einer bayerischen Gemeinde bei Milwaukie auf, so daß ich imGanzen in diesem Jahre 22 Misstonskreuze blos in der Diöcese Milwaukie aufpflanzte.Da ich eben so viele im verflossenen Jahre errichtete, so stehen bereits in dieser Diöcese44 Missionskreuze, die ich als eben so viele Erinnerungen an die daselbst gegebenen Mis-sionen hinterlassen.
Ich feierte das Fest der Allerheiligen zu Chicago . ES lag mir daran, diesesFest und Allerseelen daselbst zu feiern, denn eS war die Jahreszeit der daselbst abge-haltenen letzten Misston. Das Volk strömte eifrigst zusammen und war zu eifrig, denneS brach in der St. Josephskirche eine überfüllte Tribüne zusammen, wobei eS Hundertevon Todten hätte abgeben können; Gott ließ eS indeß nicht zu; eS wurde Niemandernstlich beschädigt; die Tribüne stürzte nur von einer Seite los; wäre die andere auchgesunken, dann wäre es allerdings böse gewesen.'Das Volk, nicht abgeschreckt, kam Nach-mittags noch zahlreicher in die neu erbaute St. Michaelskirche . Von da gingen wir nachaltdeutscher Sitte am Allerheiligentag Nachmittags auf den Gottesacker und ich erneuertedaselbst über den Gräbern die im verflossenen Jahre gefaßten Vorsätze der heiligenMission.
Von Chicago rief mich ein dringendes Schreiben nach Madison Jndiana.ES war ein anderer Priester aus Bayern , der nach dem Beistand der Mission rief,Herr Schafsroth, ein junger eifriger Mann Gottes. Er schrieb mir, die Bestenseiner Gemeinde wären die Lauen und Indifferenten, der übrige Theil seyen ReligionS-spötter. Acht Priester seyen schon davon gelaufen, er werde ihrem Beispiele folgen,wenn ich nicht sogleich käme. Da mußte ich wohl Alles aufbieten, um bald zu kommen,und Gott fügte es, daß ich gerade durch Cincinnati reiste, als unsere Väter daselbstdas Triduum der Seligsprechung deS seligen?. Claver feierten. Da die Collegien-kirche nicht zugleich die Deutschen mit den Englischen fassen konnte, versammelte ich dieersteren in der Philumenenkirche, und gab dort unter großen Zusammenlauf deS Volkesden Deutschen das Festtriduum. Es wohnen in Cincinnati beiläufig 40,000 katho-lische Deutsche.*) Nach dem feierlichen Schluß dieser Ablaßtage eilte ich nachMadison, und fand die Gemeinde wie der Pfarrer sie mir geschildert. Ich erinneremich nicht, anßer Ncw-OrleanS eine solche Gleichgültigkeit in Dingen der Religion an-getroffen zu haben. Es schien, als gäbe es in Madison kein Kirchengebot, am Sonn-tag die hl. Messe zu hören. Der Pfarrer sagte mir, von dem Feste miteingerechnetbis DreisaltigkeitSsonntag habe er nicht so viele Communicanten gehabt, daß der hl.Communiontisch mehr als viermal Alle zusammengenommen voll geworden wäre. Welchein Trost für mich und ihn zu sehen, wie das Volk zu den Generalcommunionen dereinzelnen Stände zusammenströmte. Ich sagte dein Pfarrer, wie sehr es mich sreue,ihn so heiter und wohlgemuth zu sehen. Wie sollte ich nicht froh und fröhlich seyn,wenn ich sehe, wie zahlreich das Volk mit Thränen der Andacht zur hl. Communionherbeiströmt, das ich vor wenigen Tagen noch so lau und kalt gesehen. Am Schlußbei seiner Dankrede sagte er: Ich wollte, ich könnte es durch die ganze Stadt hin«
*) Ich «erfaßte auf dem Schiff bei metner New-Orleansreise ein AndachtSbüchletn zu Ehrendiese« Selig m Vorautficht dieser Feierlichkeit, da» mir nun gut zu statten kam.
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