Ausgabe 
13 (20.3.1853) 12
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Leute von dreißig Meilen im Umkreise zusammen. Man sagte mir jedoch, eS sey einMann, von dem cS vorzüglich zu bedauern wäre, daß er verstockt bliebe, und sichan das gute Beispiel der Uebn'gen nicht kehre. Ich empfahl demnach bei der feier-lichen Abbitte vor Jesu im allerhciligsten Sacramente besonders diese Seele dem Herrn.Ich nannte natürlich Niemanden ausdrücklich, sondern flehte blos die Erbarmung füreine noch verstockte Seele laut an. Diese Protestantin, eine schon 76 Jahre alteFrau, hört daS Bittgebet, und meinte, sie sey wohl diese noch unbekehrte Seele, fürdie man bete. Die Gnade deS Herrn rührt« sie so heftig, daß sie ganz zerknirschtmich aufsuchte, und um die Ausnahme in die heil. Kirche anhielt, wenngleich ihr dieserSchritt viel Verfolgung von Seite ihrer Verwandten kostete. Sie achtete alles dießnicht, und lief mir noch zu Fuß zur nächsten MissionSstation nach, um dieselbe nocheinmal mitzumachen. Jener Verstockte, für den ich eigentlich betete, blieb unbekehrt.Gott nahm daS Gebet für diese Seele an, an die Niemand dachte. Eben so merk-würdig war mir die Bekehrung von einigen Familien in der JohanniSgemeinde beiKalumet . Eine noch bei dem Beginn der Mission und länger her geistesverwirrtePerson, eine Mutter jener Familie, bekam während der Mission ihren gesunden Ver-stand wieder und bekehrte die übrigen.

An der St. Nicolauskirche, wo das oberwähnte hohe MisstonSkreuz steht, wohntnun auch eine kleine Colonie der Schulschwestern von Milwaukie. Es trug sich da beider Mission folgender Fall zu. Ein Eheweib und ein Jüngling behaupteten bei derGeneralcommunion.der Ehemänner und eben so bei jener der Eheweiber das Jesukindsichtbar in der Hand deS Priesters gesehen zu haben, welches, als ich auf meinenKnieen das Volk anredete, und zur Vergebung aller Beleidigungen vor der hl. Com-munion aufforderte, das Haupt freudig gegen die Gemeinde neigte, als diese mitlauter Stimme den Act der Versöhnung aussprach. Als man mir davon sagte, er-wiederte ich: allerdings geschehe dieß nicht nur hier, sondern überall auf unsichtbareWeise, wo immer Menschen aufrichtig vor Christus die Besserung des Lebens und ihreherzliche Versöhnung versprechen.

Die letzten Stationen in dieser Gegend für die Misstonen dieses JahreS warenFond du lac und Oslosch. Oskosch gränzt an die Station der bekehrten IndianerauS dem Stamme der MenominiS , welche der hochw. Bondewell leitet. Fond du lacwird großentheilS von Franzosen bewohnt. Diese lieben überhaupt wie ich bemerktedie Seeufer. Es trug sich hier zu, daß gerade die Methodistenprediger ihre Conferenzabhielten, und sich dabei in großer Zahl einsanden. Diese Herren waren nichtwenig überrascht, als sie das über 30 Fuß lange MisstonSkreuz von den Franzosen ,unter Kanonenschüssen auf den Schultern durch die Straßen in Procession einhcr-tragen sahen. Wenngleich diese Secte sonst den katholischen Ceremonien spinnenfeindist, flößte ihnen diese Feierlichkeit Ehrfurcht ein. Mehrere zogen ihre Hüte, und einerderselben sagte zu einem beistehenden Katholiken, als daS Kreuz auf einem zehn Fußhohen Piedestal aufgepflanzt war: Ich weiß nicht, eS ist mir, als ob ich das wahreKreuz erblickte, und unsern Herrn selbst daran sähe, wenn ich dieses Kreuz anblicke.ES ist mit Goldstrahlen verziert, und trägt in Goldbuchstaben die Worte am Quer-balken:Wer ausharrt bis ans Ende wird selig."*)

Von Fond du lac ging ich an den See Michigan, um dort die französischen und deutschen Gemeinden zu besuchen, die ?. Bruner auS der Gesellschaft Jesu leitet.Er baut in jener Gegend fünf Kirchen und Kirchleins, wo früher nicht eine einzigestand. Ein großes Glück für jene verlassene Gegend. Ich gab in zwei dieser Kirchenden Deutschen und Franzosen die Mission, und besuchte hierauf noch vier andere deutscheGemeinden in Wisconsin . ES ereignete sich dabei bei der Aufpflanzung deS MissionS,

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') Ich predigte zugleich englisch unter dem Kreuze und hatte unter anderen auch die genannte»50 Prädicantcn zu meinen Zuhörern. Sie standen kopfhängi'g da, wie einst die Pharisäer unter demKreuze, und nur zu sehr daran gewohnt, dem hl. Geiste ihr Herz zu verschließen. Manchem mag e»vielleicht doch genützt haben.