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Leben, neuen Muth und neue Kraft zur Fortsetzung der Wanderschaft, die Hoffnungund daS Unterpfand ewiger Seligkeit zu empfangen. So werden diese heiligen Tage,zuvörderst der Ehre Gottes und dem Lobe seiner Heiligen geweiht, Tage deS HeileSfür den Feiernden.
Neuversöhnt und neugestärkt, und im Innersten der Seele kostend, wie süß eSist, dem Herrn zu dienen, glüht er vom heiligen Verlangen, Ihn, den seine Seeleliebt, mehr und besser zu erkennen, um den mehr und besser Erkannten immer mehrund besser zu lieben. „Wer aus Gott ist, der hört Gottes Wort," spricht JesuSChristus (Joh . 8, 47); und diesen Ausspruch seines Herrn bewahrheitend, dürstet er nachdem Worte des ewigen Lebens, und eilt, den Durst zu löschen, zu jener heiligen Lehr-stätte hin, von welcher herab in Predigten und Christenlehren die Kirche GotteS demVolke die christliche Wahrheit verkündet. Hier sieht er nicht den Menschen, der zuihm redet; in der Gestalt des Dieners GotteS erblickt er nur den Herrn, der Wortedes Lebens zu ihm spricht. Die Worte sind Licht, ihn zu erleuchten, sind Feuer-flammen, die Seele zu entzünden; das Licht wächst, die Liebe erglüht stärker, derChrist fühlt sich an jenem Borne, aus dem Wasser quillt rinS ewige Leben hinüber,er ist an die heilige Stätte wie gefesselt, und sein Glück preisend, mit Maria zu denFüßen Jesu zu weilen, wird er aus Erfahrung inne, daß er in Wahrheit den bestenTheil erwählt.
„Wie lieblich sind deine Wohnungen, o Herr!" Diesen Ausruf des gottbe-geisterten SängerS (Pf. 83, 1.) als Nachklang seiner Andacht aus dem Hause des Herrnmit in seine Wohnung nehmend, wird er, wie jener fromme Jsraelite, den Zug zum Tempelbeständig im Herzen tragen, und gerne zu jeder Stunde, am Nachmittage wie amAbende, dorthin zurückkehren, um hier von Neuem, sey eS bei feierlich versammelterGemeinde, sey es in eigner stiller Sammlung, der Betrachtung und dem Gebete obzu-liegen. Wohl wissend, was der Apostel sagt (Kol. 1, 10): „Wachset in der Er-kenntniß GotteS" — und das Wort des Weisen wohl beherzigend (Sprichw. 16, 16):„Bewirb dich um Weisheit, denn sie ist besser als Gold," versteht eS der frommeChrist, das Pfund der Zeit auf Wucher auszulegen, und also auch noch außerdemdie stille Stunde zu finden, um in der Einsamkeit des KämmerleinS irgenv ein geist-liches Buch zu seiner Belehrung und Erbauung zu lesen, oder, wenn er Vater oder Mut-ter oder wie sonst immer, Haupt und Vorstand einer Familie ist, auch die Angehörigen desHauses zu dieser Lesung zu versammeln, um sie hiebei, wie einst Tobias seinen Sohn,daS Gesetz und die Furcht des Herrn zu lehren. So wird der Tag geheiligt, undselbst die Wohnung deS Menschen dem Herrn geweiht. Wo aber Gottesfurcht undAndacht wohnt, da weilt auch der Herr mit seinem heiligen Segen.
Nun kann die wahre Andacht auch nach anderer Seite hin nicht unthätigbleiben, sie drängt zu Werken der Liebe; und nachdem der Heiland uns gelehrt, inden Mindesten unserer Brüder ihn selbsten zu erkennen, so benützt der wahre Christdie Festtagsruhe, um, wenn er den Pflichten der Andacht Genüge gethan, auch denWerken der Nächstenliebe nachzugehen. Hier erscheint er in der Hütte der Armuth,der stillen und verschämten Noth, um mit der Rechten zu geben, ohne daß die Linke eSwissen dürfe. Dort sucht er die Wohnung des Kummers auf, um der Tröster derBetrübten zu werden. Hier eilt er zum Krankenbette, um, so weit es an ihm liegt,Schmerzen zu erleichtern, und in dem kranken Mitbruder den leidenden Heiland zuverehren und zu pflegen. Dort geht er hinaus auf die Grabeshügel, um über denDenkmälern der Verwesung, in jener Liebe, welche nie erstirbt, der Dahingeschiedenenzu gedenken, für die Seelen-Ruhe dieser Theueren Gebete auSzugießen, und dabei umso lebhafter der Wahrheit sich zu erinnern, daß auch er Wanderer sey, und auf dieEwigkeit sich bereiten müsse. So werden die Sonn- und Festtage, zunächst zur An-betung deS Herrn und zur Ehre seiner Heiligen in der Kirche GotteS angeordnet,zugleich Tage der thätigsten Nächstenliebe. Da werden Hungrige gespeist, Durstigegetränkt, Nackte gekleidet, Fremde aufgenommen, Kranke besucht und selbst der Ver-storbenen in Liebe gedacht. Da werden Betrübte getröstet, Unwissende belehrt, Zwei-