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kein besonderer Grund vorliegt, sie durch daS außerordentliche Amt apostolischer Vicaieregieren zu lassen. Indem Wir daher dort eine kirchliche Provinz einsetzen, dccrctircnWir, daß dort für jetzt fünf Bischofssitze bestehen sollen, nämlich zu Utrecht , zn Hartem, zuHerzogenbusch , zu Breda und Rörmonde. Im Andenken nun an die altberühmtcnThatsachen und Monumente des Utrechtcr BiSihumS, welches, wie Wir bereits er-wähnten, von Unserm Vorgänger Panl IV. mit den Ehren und Privilegien einer erz-bischoflichcn Kirche geziert wurde und in Erwägung der Normen unserer heiligen Re-ligion und anderer hochwichtiger auf diese Angelegenheit ernsten Bezug habender Ver-hältnisse, zögerten Wir nicht, denselben Ulrcchtcr Bischofssitz zur frühern Würde unddem Glanz einer Metropolitankirche zu erheben und ihm die erwähnten vier andernSussragan-Bischofssitze zuzutheilen. Dieß ist es, ehrwürdige Brüder, was Wir euchzu Unserer Befriedigung über die Einsetzung der Episkopat-Hierarchie im KönigreicheHolland und Brabant in Kürze und Schnelle mitzutheilen für gnt fanden. Wir habenbereits angeordnet, daß euch die bezüglichen apostolischen Schreiben behufs besserer undvollständiger Einsichtnahme in alles zu dieser Angelegenheit Gehörige vorgelegt werdensollen. (Schluß folgt.)
Erinnerungen eines Jesuiten aus seiner seligsten Lebensperiode.*)
Als ich im Schuljahr 1761/62 zu Augsburg in der vierten Classe, damalsgroße Syntar genannt, studirte. fragte mich eines Tags der Inspektor des Seminars,bei welchem ich ein Familien-Stipendium genoß, ?. Simon Kugler, ob ich nichtLust hätte, ein Jesuit zu werden? Ich staunte über diese unerwartete Frage, und sagtemit aller Offenheit, meine Wünsche gingen auf kein so hohes Ziel, welches nur adelicheJünglinge, oder reiche KaufmaunSsöhne zu erreichen hoffen dürften. Der Jnspectorlächelte über meinen Irrthum, und setzte hinzu: „Mein Vater war nur ein Landwirt!),und doch bin ich Jesnit." Jetzt leuchtete mir die Möglichkeit ein, daS nämliche zu werden.
Als der ?. Provinzial aus die Visitation nach Augsburg kam, ging ich zu dem-selben, und trug ihm meine Bitte vor, zu seiner Zeit in den Orden aufgenommen zuwerden. Der I>. Provinzial ermähnte mich väterlich, fleißig zu studiren und frommzu leben, mit dem Beisätze, daß ich dann einst die Gewährung meiner Bitte hoffendürfte. Jetzt war ich Jesuiten -Candidat. Im folgenden Schuljahre, da ich in derfünften Classe, die Humanität oder Poesie genannt, studirte, wiederholte ich meineBitte bei dem neuen Provinzial, ?. Jgnaz Rhomberg, nachmaligen Assistenten derdeutschen Provinz zu Rom bis zur Aufhebung deS Ordens. Dieser gab mir dienämliche Ermahnung und Vertröstung.
In der Vacanz erzählte ich meiner Mutter und Schwester, daß ich bei demJesuiten um die Aufnahme in den Orden angesucht habe, machte ihnen aber dadurchwenig Freude. Ich sollte, sagten sie, ein Weltpriester werden; da könnte ich einePfarrftelle, und sie von mir Unterstützung hoffen. Um dieselben zu beruhigen, stellteich ihnen vor, daß daS Ansuchen mich noch nicht zum Jesuiten machte, und daß ichnoch immer Weltpriester werden könnte. Denn sollte ich wirklich die Aufuahme erhal-ten, so würde ich zwar in den Orden treten, doch nur auf einige Zeit, um die Lebens-weise der Jesuiten besser kennen zu lernen, dann aber könnte ich den Orden immerwieder verlassen, und mich nach ihrem Wunsche dem Stande der Weltpriestcr widmen.Würde mir hingegen die Ausnahme versagt, so brächte mir das Ansuchen doch keinenSchaden, weil man auf die Kandidaten immer einige Rücksicht nähme. Dieß wardamals meine wahre Gesinnung, aber auch nur damals, denn bald ging in derselbeneine große Veränderung vor.
Diese rühren von einem Manne her, der eine Zierde seines Standes war, nämlich von demhochw. Franz Anton Neuhauser, Dr. der Theologie und Pfarrer zu Ortelfing im Capitel Burgheim .Geboren zu Siegenburg in der Oberpfalz den 25. Dec. 1744 starb er den 24. Oct. 1834. Da dessenausführlicher Nekrolog im Jahre 1SZ4 in der Zeitschrift Skon erschien, so dürften diese Aufzeichnungenals Commentar hier eine Stelle finden. Boehaimb.