Ausgabe 
13 (1.5.1853) 18
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137
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Dreizehnter Jahrgang.

Zonntags Beiblatt

zur

Augsburger PsstMtung.

1. Mai. 18. 1853.

Dieses Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abonuementspreiskr., wofür e« durch alle köulgl. bayer. Postämter und alle Buchhaudluugeu bezogen werdeu kaou.

Etwas über kirchliche Heraldik.

Zwar finden wir in keinem heraldischen Werke eine Einteilung der Wappen-kunst in kirchliche und weltliche; dennoch geben wir unserer Abhandlung obigeu Titel,weil der Zweck derselben ist, die Wappen der Kirche zu erklären, d. h. Andeutungenüber die Wappen des hohen und niedern Klcruö, der religiösen Gemeinden u, s. w.zu geben und zu zeigen, welchen Einfluß die Religion, die Kirche ans die Heraldik hatte.

Der religiösen Begeisterung der Vorzeit verdankcn tie heutigen Wappen über-haupt ihren Ursprung Daß diese besonders zur Zeit der Kreuzzüge aufkamen, gehtvornehmlich aus dem Umstände hervor, daß ihr Gebrauch fast bei allen christlichenNationen zugleich aufing. Zur Zeit der Kreuzzüge wurden bekanntlich alle Gemeinenmit einem Kreuze bezeichnet, die Anführer erhielten als besonderes Abzeichen ein be-sonderes Kreuz, welches sie später zur beständigen Erinnerung an ihren Zug in ihremWappen führten. Die verschiedenen Nationen, welche sich an den Kreuzzügen belhei-ligten, unterschieden sich durch die Farben ihrer Kreuze. Andreas SylviuS Äarcia»nensis (gcl a. 1188) schreibt: ,M rex k>->nvme oum suis ruliess cruces, rex ^ngliaeeum sui5 »Ilias, Lomes ?Ign«lri!N5>s cum 8vis viri«le8 sugcipiunt." (Und der Königvon Frankreich mit den Seinigen erhält rothe, der König von England mit diN Sei-nigen weiße, der Graf von Flandern mit den Seinigen grüne Kreuze",) Daherführen so viele europäische Fürsten Kreuze in ihren Wappen, daher kommt es auch,daß wir so mannichsaltige Arten von Kreuzen in den Wappen sehen. Die hauptsäch-lichsten Formen und Benennungen, unter welchen das Kreuz auf Wappen vorkommt,sind ungefähr folgende:

1) Das gemeine Kreuz, auch ausrechtes, gleiches, plattes Kreuz.Die Familie Alfst führte im goldenen Felde ein rothes gemeines Kreuz.

2) Das schwebende oder abgekürzte Kreuz, Die Pctschach in Oesterreich führen ein goldenes schwebendes Kreuz im blauen Felde.

3) Das Anker kreuz. Es ist au den vier Enden etwas breiter, als in derMitte, ankcrförmig und gerundet, doch hat jeder der die Ruudung bildenden halbenCirkel wiederum in der Mit e einen kleinen Einschnitt. Die Markgrafen von Bran-denburg führten wegen des Fürstenthums Camin ein silbernes Ankerkreuz im rochen Felde.

4) Das ausgerundete, Mantuanische oder Tatzenkreuz ist ein ge-meines, an den vier Ecken ausgebogeneS Kreuz, Die Herzoge von Mantua führten imsilbernen Felde ein rothes ausgerundetes, von vier gegen einander gekehrten Adlern be-gleitetes Kreuz.

5) DaS Gabel kreuz gleicht an den Enden einer Gabel. Die Truchseß vonKühlenthal führten im Felde ein schwarzes Gabelkreuz.

6) Das Kleeblattkreuz, Dreiblattkreuz, St. LazaruSkreuz ist anden Enden wie ein Kleeblatt geformt.