Ausgabe 
13 (1.5.1853) 18
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Die Aebte haben schwarze Hüle und drei Quasten. Nicht alle Aebte führen dieJnful, sondern nur diejenigen, welche eine Jurisdiktion haben, oder sonst vom Papstedazu berechtigt sind; in Frankreich nannte man früher solche Aebt:^IMs miti-65"Die Aebte, weiche weltliche Jurisdiciion hatten, führten auch das Schwert. Gleichden Erzbischöfen und Bischöfen führten die Aebte früher daS Stiftswappen allein; imdreizehnten Jahrhundert vereinigten sic ihr FMnilienwappen damit.

Nach d.n sieben Gaben des heiligen Geistes sollten sieben Kurfürsten seyn, dreigeistliche, nämlich Mainz (Primas von Germanien und Reichskanzler), Köln undTrier, und vier weliliche, als Pfalz, Böhmen , Sachsen, Brandenburg (im fiebenzehn-ten Jahrhundert noch Bayern und Hannover , und in neuester Zeit Hessen-Kassel).Auf den Hüten der Kurfürsten sieht man einen oder zwei Bogen Perlen gestickt; zu-weilen findet man selbst vier Bogen und der Kurfürst Friedrich Wilhelm von Bran-denburg war der erste, der vier Pcrlenbogcn auf dem Kurhute gestickt hatte.

Die deutsche Kaiserkrone, welche von der römischen verschieden ist, ist einerBischofsmütze ähnlich, damit sie desto heiliger und ehrwürdiger erscheine.

Der Reichsapfel war zuerst ein Majestätszeichen der römischen Kaiserwürde undgehört cigknilich nicht unter die Kleinodien des deutschen Reichs. Er wurde imm<rbei dem Einzüge oder der Krönung der Kaiser in Rom gebraucht, und ihnen mit dem-selben gleichsam der Orbis Romanus übergeben. Benedict VIII . ließ den ersten Reichs-apfel verferlig'N unv gab ihn Heinrich II. im Jahre 1014 zum Geschenke. Die Kugelbedeutet die Welt, das Kreuz auf derselben soll andeuten, daß Christus über die ganzeWelt herrsche daß ihm alle weltliche Obrigkeit unterworfen sey. Zuerst führtenihn nur die Kaiser; auch hatten ihn die Rcichsstände auf ihren Münzen, um ihreDependenz vom Kaiser anzudeuten, nachher führten ihn auch gekrönte HäupterundFiirsten, als Zeichen der Christus unterworfenen Gewalt.

DaS Wappen des Erztruchsesscs war der Reichsapfel (der Erzlruchscß trug den-selben bei der Kaiserkrönung). Der Kurfürst Friedrich II. von der Pfalz erhielt 1544in Spcyer von Carl V. den Reichsapfel zum Wappen, und von dieser Zeir an führ-ten ihn die Kurfürsten von der Pfalz . Als aber der Kurfürst Friedrich V. 1633 indie Acht erklärt wurde, erhielt Bayern den Reichsapfel, und als dieses 1706 in dieReicheacht erklärt wurde, erhielt Kurpfalz mit dem Crztruchseßamt den Reichsapfelwieder, der aber nach dem Fiieden von Baden 1714 wieder an Bayern kam.

Klöster und Stifter nahmen zur Marke auf Siegeln und Münzen ein Kreuz,.'inen Bischofsstab, das Bild ihrer Fnndamentoren, ihrer Patrone, ihrer Bescheuker,die Wappen der zum Geschenk erhaltenen Grafschaften nnd Herrschafien, die Wappenihrer Vögte u. s. w.; wen sie nach einer Verheerung oder Feuersbrunst wieder ausder Asche hcrvorgestiegen, nahmen sie den Phönir an. Die Mönchsorden bedienensich aus Demuth und in Bezug auf die Worte des Apostelfürsten Apostelg. 3, 6stall des Goldes und Silbers der gelben und weißen Farbe.

Die Städte führen oft das Bild ihres Schutzheiligen, dem die Hanptkirche oderder Hauplaltar gewidmet ist. So hat BreSlau das Haupt des heiligen Johannesdes Täufers, Venedig den Löwen des heiligen Markus, Köln drei Kronen (wegen derheiligen drei Könige), und Reg.nsburg zwei Schlüssel (wegen deS heiligen Petrus ).

In manchen Wappen siehl man auch Heilige, Engel, die stets geflügelt sind,Engelsköpfe und auch mitunter Teufel. Hack. (M. k. S.-Bl.)

Die Spinnerin am Krenz.

Gegen daS Ende des eilsten Jahrhunderts wurden in Wien , in der St. StephanS-lirchc, zwei junge Gatten, Adcmar und Edelinde, durch feierliche Eide verbunden.Beide waren die einzigen Sprößlinge berühmter Familien, beide hatten in ihrer frühe-sten Kindheit ihre Eltern verloren; diese AehnUchkeit ihrer Schicksale erregte, bei ihremerst-n Zusammentreffen, ihre gegenseitige Theilnahme; die glückliche Uebereinstimmungihrer Neigungen und Charaktere vereinigte bald ihre Herzen. Lange lieb'en sie sich im