Ausgabe 
13 (1.5.1853) 18
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lebte, wäre er längst zurückgekehrt, wahrscheinlich hat er aber in einem Treffen, vonseinen Waffenbrüdern getrennt, sein Leben verloren. Du kannst nicht immer Wittwebleiben und eS ist Zeit daran zu denken, dich aufs Neue zu verehelichen." Mein Gatteist nicht todt, antwortete sie; Maria, deren Bild er auf dem Herzen trägt, hat ihnsicher beschützt, sie wird ihn eines TageS zu mir zurückführen. Wenn es aber auchwahr wäre, daß er im Kampf erlegen, nun, so will ich seinem Andenken treu bleiben,wie ich seiner Person treu geblieben bin; er besaß meine erste Liebe, er empfing meineersten Schwüre, so mag er denn auch meine letzte Liebe besitzen.

Andere, noch schlimmere Menschen versuchten einen heftigen Angriff aus ihrHerz:Wenn dein Gatte noch am Leben ist, hat er dich gewiß vergessen. Irgend eineseltene Schönheit des Orients wird sein Herz gerührt haben, nur so allein erklärt sichsein langes Ausbleiben. Vergiß ihn nun auch, wähle unter den vielen Rittern, diesich im Besitze deiner Liebe glücklich schätzen würden, den heraus, der dich für die Ab-wesenheit des Treulosen entschädigen kann." Der armen Edelinde kam dieser letzteSchlag sehr unerwartet; sie erbleichte, sie bebte, aber sie nahm alle ihre Kräfte undihren ganzen Muth zusammen und sagte mit strengem Tone:Hütet euch, meinenGatten zu beschuldigen Seine Seele ist reiner als das Licht der Sonne, das unsleuchtet. Das Kiud, das auf den Armen der Mutter schläft, ruht dort nicht mit mehrVertrauen, als Edelinde an dem edlen Herzen Ademars." Und sie fügte im Stillenhinzn:Und wenn es dennoch wahr wäre, daß er seine Edelinde vergessen hätte...!Ist das eine Ursache, daß auch ich ihm untreu werde? Nein, wehe selbst der vonihrem Gatten verlassenen Frau, die ihre Pflicht verletzt! Sie vertauscht eine Lage, dieJedermann Mitleiden einflößt, mit eincr andern, in welcher sie nur der Verachtunganheimfällt."

So setzte Edelinde alle Tage ihre Wallfahrten fort. Sie frug Alle, die ihr aufdem Wege begegneten, aber Niemand wußte etwas von Ademars Schicksal." Ach!sagte sie oft zu sich selbst, vielleicht schmachtet er in den Ketten der Sarazenen, nährtsich von schwarzem Brode und trinkt schmutziges Wasser, sein Körper ist vielleicht ver-wundet durch die schweren Ketten der Gefangenen oder zerrissen durch die Sklaven-peitsche. ... Nun, kann diese Wolle, die sich unter meinen Fingern ausbreitet, nichtals Lösegeld für ihn dienen?" Bei diesem Gedanken verdoppelte sich ihr Fleiß unddie Spindel drehte sich rascher in ihrer Hand.

Nach vielen Jahren begegnete ihr auf der Landstraße ein als Hirte gekleideterKrieger, ihre Blicke begegneten sich und sie fielen einander in die Arme. Es war Ademar!Lange gefangen, ha te er endlich seine Fesseln zerbrochen und kam, von heißer Sehn-sucht gelrieben, in Wien an. Ach! wer kann das Uebermaß der gegenseitigen Freudebeschreiben? Welche Sprache könnte auch nur ein schwaches Bild, einen matten Wider-schein ihres Entzückens geben? Wer einmal in seinem Leben die Qualen der Tren-nung und die Wonne des Wiedersehens gekostet hat, der wird begreifen, was sie fühlten!

Edelinde beeilte sich, die Frucht ihrer Arbeit zu verkaufen und übergab den Er-trag derselben ihrem Galten.Dieses Geld ist dein rechtmäßiges Eigenthum, sagtesie, denn damit wollte ich vein Lösegeld bezahlen." Sie kamen dann überein, eS inzwei gleiche Theile zu theilen, wovon der eine an die Armen vertheilt wuroe, v.ndem andern ließen sie an dem Ort, wo sie sich wiedergefunden hatten, ein kleinesgothisches Monument errichten, das noch heute auf dem Hügel zu sehen ist, welchervon der Käithner Straße aus Wien beherrscht. Um das rührende Andenken seinesUrsprungs zu feiern, nannte man eS das Kreuz der Spinnerin,imltü-tt, 7m .'-.'iW' :ti H ip/ . ',^ ,»'-2, ',!>-> HoH »'i -- -- >'-'

Vertreibung der Bater der Gesellschaft Jesu auS der Republik

Ecuador.

Die I suiten, durch ein Decret v, I, 1850 aus Neu-Granada vertrieben, hattensich nach der Republik Ecuador begeben, wo sie mit Begeisterung aufgenommen wordenwaren und seitdem sich durch ihren Eiser die allgemeine Achtung und Zuneigung er-