Ausgabe 
13 (1.5.1853) 18
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Haus geführt, wo ihr Erscheinen einige Sensation erregte. Um 2 Uhr Nachmittagswurden sie zum Collegium geführt, wo sie von Seiten der Behörde alle Aufmerksam-keit erhiciten, die man ihnen mir Rücksicht auf die Umstände erweisen konnte. GesternMorgen ging die f,anzc Gesellschaft nach Cruces ab unter der Aufsicht eines Beamtender Regierung, wir bemerkten aber keine militärische Begleitung "

Die Jesuiten haben in der Republik Guatemale, wohin sie 1850 durch einfeierliches Votum der Legislatur berufen worden, mehrere Niederlassungen, die sich insehr blühenden Umständen befinden. Ebenso haben sie neuerdings eine Residenz zuBalize, einer englischen Kolonie am Ocean, von England erworben aus den Trüm-mer» des Staates Honduras , gegründet. Dorthin werden sich wohl die Vertriebenenbegeben. Da der französische Consul von Montholon in Guyaquil neuerdings belei-digt wurde, wäre eS nicht unmöglich, daß Frankreichs Strafmaaßrcgeln den Sturzder demokratischen Negierung herbeiführten und so derselben die gerechte Strafe auchfür ihr Benehmen der Kirche gegenüber widerführe.

Spanien .

Der Bischof von Cadir , Algesiras Jakob AppolinariS Morcna, mit dem Ordens-namen ?. Dominicus de SiloS, aus dem Benedictinerorden starb in einem Alter von82 Jahren. Im Jahre 1824 erfuhr er eher seine Ernennung zum Bischof von Cadir ,als ihm die Erledigung dieses BislhumS bekannt war. Seine Hingebung und seinGehorsam überwanden seine Bescheidenheit; am 3. August 1825 biclt er seinen Ein-zug in seine Diöcese. Bei der Einnahme von Cadir durch die Franzosen wurde erzum Ritter der Ehrenlegion ernannt, und die spanische Regierung verlieh ihm dasGroßkreuz deö Ordens Jsabella'S der Katholischen und Carl UI. Aber trotz Ebren-stellcn und Auszeichnungen starb der Bischof von Cadir als ein armer Mönch, dennalle seine Einnahmen verwendete er für die Kirche und die Armen. Neben der reichenTomkirche, welche der verstorbene Bischof bauen ließ, erblickt man ein altes HauS,welches zur Halste Ruine ist. Im Innern sieht man keine Kostbarkeiten. Das ein-zige Meubcl, welches man bemerkt, ist ein Lehnstuhl, ein Geschenk der Stadtbehördenvon Eadir. Der liebreiche Prälat vertheilte nicht allein sein Geld unter die Armen,er gab sogar seine nothwendigsten Kleidungsstücke an die Armen hin. AIS ein Kauf-mann von Cadir bemerkte, daß er ganz abgetragene Kleider trug, ging er nach Hause,holte neue Kleidungsstücke und brachte sie dem ehrw. Bischöfe und sagte ihm:Ichschenke Ihnen diese Kleider nicht, sondern gebe sie Ihnen bloß zur Nutznießung." DerKaufmann wollte ihn so hindern, die Kleider den Armen zu schenken. Cadir ver-dankt seine schöne Domkirche seinem Bischvse. Es war dieses kein kleines Unterneh-men in einer Zeit, wo man das Geld mehr zu industriellen Unternehmungen verwendet,als zu Werken, welche sich auf Gott beziehen. Der Bischof war Direktor, Verwalter,Auiseher über Alles, seine Einkünfte und die Almosen der Gläubigen errichterm dieMauern des h. Tempels. Alle becherten sich, den Wunsch ihres Bischofes zu unter-stützen, die Einen schenkten Steine, die Andern Holz, wieder Andere Eisen, auch dieAennsten legten ihr Scherflein in die Baucasse. Eines Tages kam Dc Leto, einVerwandNr des Bischofes, zu ihm und sagte:Wir haben kein Geld mehr, die Arbei-ten müssen aushörcn." Der Bischof antwortete:Keineswegs, wir müssen im Gegen-theil fortfahren, Gott wird schon sorgen." Am folgenden Tage empfing der Bischofvon einer Dame, welche unbekannt bleiben wollte, ein Geschenk von 20,000 Realen.Man trug ihm das Erzbisthum Seoilla an, aber er wollte sein Bisthum nicht ver-lassen; er verschmähte Ehrenbezeugungen, Reichthum, Lobsprüche, und besiegelte seinmusterhaftes Leben mit einem Testament, welches in Gold verdiente abgedruckt zu wer-den. Einen solchen Bischof verlor die Diöcese Cadir , er wird von Allen als ein Vaterbeweint. .

Verantwortlicher Redacteur: L. .Schönchen.

Verlags - Inhaber: F. C. Krem er.