Ausgabe 
13 (8.5.1853) 19
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145
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Dreizehnter Jahrgang.

Sonntags Beiblatt

zur

Augsburger Pojheitung.

8. Mai. ^V>- IS. 1853.

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Religiöse Zustände in Ungarn .

Ein Korrespondent desSalzburger Kircheublatleö" entwirft ein erfreulichesBild von der Entwickelung deö religiösen Lebens in Ungarn , dem wir die folgendenMiilh-ilungen enniommen habe». Je größer das Juteresse ist, welches die neueste Ge-schichte diesem Lauve zugewandt, je irriger die Vorurtheile sind, welche man sich viel-fach über dieses Land gebildet hat, desto willkommener werden hoffentlich diese Nach-richten seyn; sie eröffnen unö einen Blick in die innern Verhältnisse dieses Landes.Daß Ungarn vor der Revolution in religiöser Beziehung sehr tief versuukeu war unddarin auch zugleich ein Grund mit für jene revolmionären Vcrirrungen und die Hin-gabe an einen Menschen, wie Kossnlh, zu suchen ist, kann Niemand in Abrede stellen,welcher mit den Zuständen jenes LanvcS bekannt ist. Auch kann sich erst allmälig,nachdem die äußere Ordnung wieder hergestelli ist, ein festes politisches und religiösesFundament bilden, um daraus die Zukunft dieses von Gott so reich gesegneten undso traurig versunkenen Landes zu bauen, und für den Anbau eines solchen Funda-mentes sind erfreuliche Hoffnungen vorbanden.

In Ungarn, " so schieibi der Korrespondent,ist in Wahrheit ein Besser-werden zu bemerken. Gar traurig sah es in dieser Hinsi>tt vor dem Jahr 18-48aus. Die Protestanten, obwohl in der Minorität, traten überall kräfiig auf, hattennntcr ihren Kämpfern viele Laien, die Kaiholiken waren entweder stumm, oderhalfen überall ihre Religion und Kirche, am meisten aber die Diener der Kircheschmähen und herabwürdigen. DüS zeigte sich an, meisten in der Ocffcntlichkeit, dahätte Montalcmbert, der Kämpfer deö Rcpräsentaliv-Systems, auch scheu köunen, wieder ParlameniiömuS das ki chliche Leben tövtet. Bei unsern Landtagen hatten wirunter eiu paar Hundert Abgeordneten kaum zwei (?), die sich bei den Verhandlungender Rechle der Kirche angenommen haben. Was konnte da der KleruS was dieBischöfe lhun? ihre Stimme war mit sehr wenig Ausnahmen vox clinnantis in cieserto,und nicht einmal immer das, denn den Rufeuden in der Wüste läßt man wenigstenssprechen, aber kaum stand da Einer auf für die Kirche, cder wollte dem Conser-vatisvuö die Lanze brechen, so donnerte ihm das schmähliche dahulc (hören wir) meistvon der famosen Galerie so lange entgegen, bis er, dic Unmöglichkeit durchzndringeneinsehend, mir Wu h seinen Sitz einnahm, so und nur unter solchen Umständen konntenmauche famose Gesetze durchgesetzt werden, die jetzt durch die Gerechtigkeit der Re-gierung theils cassirt, theils aber nach Möglichkeit modificirt werde», um der Religionund Moralität weniger verderblich zu seyn. Man hat in der neueren Geschichteder ungarischcu Landtage kein einziges Beispiel, kein einziges Gesetz, welches mich nura>ö kleinster Beleg für den GerechtigklitSsinu der zweihundert Gesetzgeber gegen dieMillionen Katholiken dienen könnte. Wie in der Ocfsentlichkeit war, so war eSgrößtcntheils im gesellschaftlichen Leben, eS gehörte größtcntheilS zum don wn, die