Ausgabe 
13 (8.5.1853) 19
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Kirche und ihre Diener lächerlich zu machen, und dies gar oft auch in Gegenwartder Diener der Kirche, die hoffnungsvolle, aus den Schulen herauSgekommeneJugend brüstete sich mit ihrem Unglauben, selten wagte es einer, in Gesellschaft einWort für den Glauben ein Wort der Vertheidigung zu führen. Jetzt fängt esan anders zu werden man schämt sich nicht mehr, Katholik zu seyn unter denMillionen von Katholiken; man spricht mit Schonung und Verehrung von der Re-ligion; die Angelegenheiten, die Rechte der Kirche, ihre Lebensäußerungen fangen anauch die Laien zu intcressiren. Früher hätte sich wohl schwerlich ein Laie von An-sehen gefunden, wie jetzt Graf S-efan Ksrolyi, der sich an die Spitze deS Vereinszur Verbreitung guter Bücher jetzt Verein deS h. StefanuS gestellt hat. Oben-genannter Verein zählt schon unter seinen Mitgliedern viele Laien. Die bereits ein-geführten Volk^missionen, die Jesuiten , wären früher ein Schreckbild gewesen, und jetztwerden selbe auch von den Weltlichen freilich nicht von Allen als nothwendigeMittel angesehen, dem Unglauben, der Unsiitlichkeit zu steuern. Zur Weckuug derReligiosität hat mit beigetragen, daß die Behörden dem öffentlichen Gottesdienst bei-spiclvoll beiwohnen. Trefflich war die Bemeikuug, welche neulich ein schlich-erBürger vor mir machte:Jetzt sagte er, da auch die Herren die Kirche besuchen,hat der Kaiser gezeigt, daß die Religion nicht blos sür die Bauern ist." Hat der Geist-liche jetzt eine Klage zu führen, so wird ihm auch Recht gesprochen, wo früher, wenneine Klage zu den Comitats-Versammlungen kam, der Geistliche gewöhnlich abgewiesenwurde, und diese sciiuselige Stimmung herrschte nicht nur in jenen Comitaten, wo dieBevölkerung gemischter Religion ist, sondern auch in den rein katholischen. Selbst indem Graner Comitat, dem Sitze des Erzbischofes, der zugleich erblicher Odergespandieses ComilalS war, selbst in diesem Comitat, wo dem Klerus der größte Einfluß zuGebote st.md, wo selber zahlreich nprüsentirt war selbst da mußten sich in den Ver-sammlungen die Geistlichen gar oft die größten Beleidigungen sagen lassen, mußtenmit Schmerzen sehen, wie die feindlichen Aeußerungen unter Triumphgefchrei der be-stellten Menge aufgenommen wurden. Was in Ungarn am meisten der EntfaltungdeS kirchlichen Lebens hinderlich war, das war die Abwesenheit aller Bischöfe undmeist der ausgczeichnelen Domherren von ihren Tiöcesen, welche manchmal durch'sganze Jahr das traurige Geschäft hatten, bei den Landtagen den Elucubrationcn gegendie Kirche und Staat beizuwohnen, ohne dem Uebel abhelfen zu können .... DieDiöcese mußte die Gegenwart der Oberhirten entbehren. Daß bei solchen Umständenanch der trefflichste Oberhirt seiner Diöcese nicht die nöthige Sorgfalt schenken konnte,ist leicht zn errathen. Wenn kein Landtag war, so waren Comitats-Versammlungen;wurden selbe dort, wo der Bischof seinen Sitz hatte, abgehalten, so war der Bischofgar oft genöthigt, die patres I>striav, die beim grünen Tisch recht fleißig gegen Kircheund Geistlichkeit donnerten, nach der Sitzung in gliunclgritm zu bewirthen, that er'snicht, so wurde er als geizig ausgeschrieeu. Jetzt ist eS anders, die Bischöfe, immerin ihren Diöcescn anwesend, werden in alle, auch die kleinsten Bedürfnisse ihrer Diö-cesauen eingeweiht, mit dem Klerus vollkommen bekannt und mit dem Volke vertraut;und wenn auch von Zeit zu Zeit ein oder der andere Bischof durch den Monarchennach Wien berufen wird, so weiß man und ist dessen sicher, daß das zum Wohl derKirche und zn ihrer Verherrlichung geschieht, wie dies so eben jetzt bei dem Fürst-Primas, dem Erzbischos von Kolocsa u. A. der Fall ist."

An der Spitze des ungarischen Klerus steht der Fürst-Primas. Unter trau-rigen Uinständcn"l)at selber die Leitung der katholischen Kirche in Ungarn übernommen.WaS er seil einigen Jahren für das Wohl der Kirche geleistet hat, ist allgemein be-kannt. Man weiß wirklich nicht, was man bei diesem Kirchenfürsten mehr bewundernsoll ob seine rastlose, Staunen erregende Thätigkeit, oder seinen heiligen Eifer inBelebung des Glaubens und kirchlichen Lebens, ob seine bcispielvolle Herablassungund Frömmigkeit, ob seine Mildthätigkeit oder seine unbegrenzte Liebe znr Schuljugend,ob seine Pünktlichkeit in der hohen Leitung der kirchlichen Angelegenheiten, oder seineliebevolle Behandlung derjenigen, die zwar geirrt haben, die aber den Fehler einsehend,