Ausgabe 
13 (8.5.1853) 19
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sammelten Pfarr-Volke vorgestellt, dieses zum Vertrauen und zur liebevollen Hingebungan jene ermahnt und denselben sowohl die vbcrhiitliche, als auch psarrliche Vollmachtfeierlich übergeben wurde; ferner mit feierlicher Anrufung des heil. Geistes und endlichmit von einem der Misstonäre gehaltener Einleituugsrede, welche durch ihre Herzlichkeitdie Zuneigung aller Anwesenden den MissionSpriestern gewann.

Am 3. und 4. d. Mts. wurden täglich vier, unv vom 5. bis zum 1V. täglichdrei Predigten, die sechs Standeölchren eingerechnet, gehalten.

In allen Vortragen war der Magistrat in einem eignen Stuhle repräsentirt;öfter wohnte derselbe in ganzer Anzahl seiner Glieder bei. Jedesmal war die sehrgeräumige Pfarrkirche fast znm Erdrücken mit Andächtigen gefüllt; dreimal zwang dieMenge dieser den Pr.digtstuhl im Freien aufzuschlagen. Abgesehen von den Paro-chiancn, wooon die größere Mehrzahl allen Voiträgcn täglich beiwohnte, strömten auöweiter Umgegend täglich 3400U, und einigemal noch mehrere herbei, um Hörer dcöheil. Wortes zu seyn, daS von jidcm der drei Missionäre ohne Unterschied, mit allerWürde. Kraft und Gewandtheit auS den reinsten Quellen, nämlich der heil. Schrift,den AuSsprüchen der Kirche und der heil. Väier, auö der Geschichte, aus der eigenenund fremden Erfahrung und Vernunft schlagend begründet wurde.

Die begeisterte« Redner hielten sich durchgchendS an den durch den heil. JgnatiuSvon Lojola bezeichneten Gang. Wie konnte da wohl anders kommen, als daß sieJedermänniglich (die oft in bedeutender Anzahl zuhörenden Weltpriester eingerechnet)nicht bloß zufrieden stellten, sondern auch tiefest erschütterte», zerknirschten, belehrten,erbauten und zn den heilsamsten Entschließungen begeisterten?

A>S Beleg für diese Bebauptung mag folgendes dienen:

Vom 3. Tage der Mission an, da die sakramentalischen Beichten begannen,waren die Beichtstühle der Missionare vom frühesten Morgen bis zum spätesten Äbendeförmlich belagert, und nicht blrß die der Missionäre, sondern auch die der Wellpriester,welche treulich mithalfen, die Menge der Reuigen zu befriedige». Sehr oft begegnete«S, daß ein Beichtvater 5 6 Lebcnsbeichten in ununterbrochener Folge aufzunehmenhatte. Als am 10. Abends die Missions-Octave mit feierlicher Prozession durch dieStadt sich schloß, waren noch so viele, selbst der zur Pfarrei gehörigen Pöwtentenübrig, daß der ganze nachfolgende Tag und der heutige Mvrgen den nach Aussöhnungmit Gott sich Sehnenden gewidmet werden mußte, was die ehrwürdigen Missionäreauch mit größter Freude und zur allgemeinen Erbauung thaten; daher sie denn aucherst vor etlichen Stunden vom Schauplatze ihres 10 Tuge anwählenden Wirkensscheiden konnten.

Aber welch ein Scheiden war dieses? Schon gestern stattete der gesammte Ma-gistrat mit Beizichnng der GcmeindcbevoUmächtigten im festlichen Anzüge uuv im Namender Gemeinde den Scheidenden den gernhrtesten Dank ab, und hernach und heute,bis zum Einsteigen in den Rcisewagen war wohl kein Kind dahier, welches nicht kam,um unter heißen Thränen den ehrwürdigen Priestern die Hand zu küssen uud durchjeue, mitunter auch durch herzliche Worte die Gefühle dcö Dankes und des HerzenS-weheS wegen der e-llzufrühen Trennung von den Liebgewonnenen zu äußern. KeinAuge der Kinder blieb trocken; auch greise Männer weinten, wenn sie zum persin-lichcn Abschiednehmen von inniger Liebe herbeigedrängt wnrden. Daß unter den Vor-trägen selbst zahllose Thränen flössen, wird sich wohl von selbst verstehen; währendmehrerer entstand ein so allgemeines Schluchzen, daß daS gepredigte Wort unvcr-nehmbar wurde.

Obgleich die Mehrzahl der Gemeindeglieder wenig mit zeitlicher Habe gesegnetist, so kamen doch Viele, welche kleine Geldgeschenke den Missionären anboten; uudals diese standhaft zurückgewiesen wnrden, so wurden Leinwand, Taschentücher n. d. gl.aufgedrungen oder heimlich in die Wohnzimmer der Verehrten hinterlegt. Einer derAbschiednehmer, ein sehr vermöglicher Bürger, beihencrte, er wolle allsogleich L00 fl.hinterlegen, wenn man verbürgen könne, daß damit nach fünf Jahren die Wohlthateiner ähnlichen Erneuerung abermals seinem Vaterorte werde möglich gemacht werden.