Ausgabe 
13 (8.5.1853) 19
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fertigten der feurigste Dank gezollt für Berufung und Veranstaltung. Es wird aberder Berufende in dem, was er gethan, wohl sein ganzes Leben hindurch und selbstauf seinem Sterbebette den süßesten Trost finden.

Möge der Allwissende ihm seine That in Abrechnung für Vieles anrechnen, waSer zu bereuen hat. Schließlich spricht der Unterfertigte in seinem und seiner GemeindeNamen nicht nur den obenbczeichneten ehrwürdigen Missionären, sondern auch der ge-summten Ordens-Provinz und deren- Hochwürdigcn Vorständen den maaßreichsten Dankaus, bittet angelegentlichst um eisrigcS Beten für Erlangung der gnadenreichen Fort-dauer des unverkennbar tiefsten Eindruckes, welchen die heil. Mission durch Gottcö Hülsegemacht hat, und besteht mit gebührender Hochachtung und VerehrungEiner Hochwürdigen Kapuziner-Ordens-Provinz

dankschuldiges Pfarramt.

Kotz, Stadtpfarrer.

Eine barmherzige Schwester.

Schwester Placida, geboren im I. 1762 zu Toul in Lothringen , trat mitihrem 19. Jahre in den Orden der barmherzigen Schwestern des heil. Carl Borro-mäus ein, und nachdem sie ihre Novizen-Jahre im Hospitale zu St. Diey zurückgelegt,legte sie im I. 1'<84 im Mutterhause zu Nanzig (Nancy) ihr Gelübde ab, um zurFreude der Schwestern nach dem ersteren Orte zurückzukehren.Placida (wir werdenuns abwechselnd der eigenen Worte der kurzen Biographie bedienen, die vor unsliegt) war eine seltene Natur, die unter dem Einflüsse der Gnade sich herrlich entfaltete.Kraft und Anmuth war ihr Kleid, klein von Wuchs, erschien sie doch groß und im-vonirenv durch die festen kräftigen Züge ihres sonst milden Angesichtes und durch dasklare beherrschende Auge unter der ewig heitern, offenen Stirn. Sie war besonnenwie eine Zögernde; entschlossen wie eine Verwegene; sie'war milder wie ein Kind,und stark gleich eincm Helden, und gegen das arme, arme Volk trug sie Erbarmenwie gegen eine Hirten- und weidelose Heerde."

Inzwischen kamen die Stürme der Revolution, die Blut- und Gräueljahre heran.Selbst vor das stille Thor des Hospitals von St. Diey , sonst nur von Schaarenhülfesuchender Armen belagert, drang der Aufruhr. Eines TageS verlangt eine be-waffnete revolutionäre Bande die Auslieferung der Obcrin. Placida, die jüngste derSchwestern, öffnet das Thor, tritt hervor und ruft kräftig:Nicht herein!" DaSGesindcl weicht betroffen zurück, aber nur einen Augenblick; bald schämt es sich seinerScheu vor einer wehrlosen Jungfrau, dräugt in die Thür, sucht nach dem Ziel seinerrohen Wuth, nach der Oberin.Placiva folgt, sie hat kein Schwert, sie hat nurLiebe und Muth und Angst für die Mutter!" Diese erscheint, der Haufen umringtsie, da wirst sich Pladica dazwischen und fängt einen Säbelhieb, der auf jene gezieltwar, mit ihrem Leibe aus. Er trifft und zerschmettert ihre Zähne, das Blut fließtvon ihrem Angeflehte, die Bande weicht zurück. Von da an wurden die Schwe-stern mit Achtung behandelt und nicht weiter verfolgt, auch ward ihnen die weitereBehandlung ihrer Kranken im Hospitale verstattet, nur heraus durften sie nichtkommen. Wachen wurden an die Thüren gesetzt, drei Monate lang wurden sie sowie Gefangene gehalten.

Gott der Allmächtige hat dem Meere Riegel und Thür gesetzt und gesprochen:bis hierher sollst du kommen und nicht weiter, hier sollen sich legen deine stolzenWellen. Aber der gläubigen Liebe hat er keine Schranken gesetzt. Und Menschenwollen ihr Thür und Riegel setzen? Sie wird dennoch ihren Weg finden. DasHospital hatte einen unterirdischen AuSgang, Placida betrat ihn, wenn eS dunkelte,unerkannt, in den Kleidern einer gewöhnlichen Magd ging sie durch die Gassen derSradt, von Hauö zu Haus, Kranke, wo sie deren wußte, zu pflegen, den ElendenTrost zu bringen, auf nächtlichen Pfaden Werke des Lichtes zu wirken. Mehrmalsdrohte ihr auf denselben Gefahr und Anfall, aber unter dem Schirm deö Höchsten,