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um dessen Publication. Der Cardinal-Präfect beauftragte hiermit das Capitel vonLt. Peter, und dessen ArchipreSbyter ließ deßhalb die Verlesung von einer Kanzelvornehmen. Unmittelbar nach derselben fiel der Vorhang, welcher bisher das Bilddeö Seligen verdeckt hatte, und in demselben Momente wurde das Te Deum ange-stimmt und von zwei Chören feierlichst abgesungen. Dasselbe schloß mit der vom heil.Vater approbirten Oration zum Seliggesprochenen, und hierauf wurde die Messe zuEhren des seligen Paulus vom Kreuze zum erstenmale von einem der in St. Peterangestellten Bischöse pontificirt. Ungeheuer war der Zudrang der Menschen zu dieserFeier; während sonst bei den großanigstcn Functioncn die Fremden die Mehrzahl bil-den, war dieseSmal die ganze Einwohnerschaft von Rom und allen umliegenden Ortenzusammengeströmt, um den vor einem Jahrhunderte noch als Lebenden ihr angehörendenSeligen zum erstenmale mit der Kirche zu verehren und um seinen Schutz und seineFürsprache öffentlich anzuflehen. Den höchsten Grad aber erreichte der Zudrang vonMenschen, als gegen 5 Uhr Abends der heil. Vater mit allen Cardinälen, — voranwieder Lambruschini, geführt vom Cardinalvisar, erschien, um dem Seligen seine Ver-ehrung zu beweisen und vor seinem Bilde zu beten. Nie haben wir die Räume derriesigen PeterSkirche so angefüllt gesehen. Se. Heiligkeit verweilte eine Zeitlang knieendvor dem Bilde im Gebete und zog sich dann wieder zu Fuß in den Vatikan zurück."
Rom , 2. Mai. Auö dem Orient gelangen seit längerer Zeit immer betrü-bendere Nachrichten Hieher. Es ist Ihnen bekannt, daß in Ostindien seit dem EndedeS vorigen Jahrhunderts ein durch das Benehmen der portugiesischen Regierung ver-anlaßtes Schisma besteht. Vergebens hat der heilige Stuhl sich in all dieserZeit b-müht, jene Regierung zu veranlassen, von ihrer Anmaßung, die BischöfeIndiens zu ernennen, abzustehen, eine Anmaßung, die um so widersinniger ist, alsPortugal nicht einmal das zeitliche Regiment in Ostindien hat behaupten können.Nachdem es dieses an die Engländer hat abtreten müssen, will eS fortfahren,an dem kirchlichen Theil zu haben, und das auf eine Weise, die auch bei andernVerhältnissen nicht geduldet werden könnte. Das Schisma war weit ausgedehnt;jedoch hatten die Missionäre, zum Theil Welipriester, zum Theil Jesuiten , vielehunderttausend Indianer nach und nach wieder der katholischen Kirche gewonnen.Aber die Schismatiker haben seit einiger Zeit neue Anstrengungen und nicht ohneErfolg gemacht. Die Engländer, welche den Portugiesen das wellliche Regimentgenommen haben, unterstützen sehr thälig die Bemühungen derselben, in daS geistlicheUnordnung zu bringen. Viele Kirchen sind den katholischen Missionären genommen,und durch List und Gewalt ganze Völkerschaften verführt, zu den Schismatikern über-zugehen. Jetzt erhält man hier die Nachricht, daß der Bischof von Bombay einge-kerkert, Kirchen mit Gewalt genommen und auf gräuliche Weise entheiliget sind. DerGeist der Scctirerei ist überall und allezeit derselbe: aus ihren Früchten werdetihr sie erkennen. — Sollte eS dem heil. Vater nicht gelingen, in Einverständnißmit dem portugiesischen Hose die schiSmatischcn Bischöfe und Priester selbst zu entfernen,so ist für jene Mission viel zu befürchten. (Münsterer S.-Bl.)
Am 14. April fand in der Kirche von St. Sulpice die Taufe eines Kindesstatt, welches auS dem Königreiche Siam gebürtig, und durch die Mittel des Vereinesder hell, Kindheit gekaust war. Alle Schulkinder auS den umliegenden Stadttheilenunter Führung ihrer Lehrer und Lehrerinnen auö den Orden der Schulschwestern undSchulbrüder, und eine dicht gedrängte Menge von Gläubigen nahmen an der FeierTheil. Der apostolische Nuntius, Msgr. Gaiibaldi, Erzbischof von Nicäa i, p , ver-richtete die heil. Handlung, und der Cardinal-Erzbischof von TourS hatte die Palhen-stelle übernommen.
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.