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und Redlichkeit verwaltet würden; wenn eS, seitdem die menschliche Gerechtigkeit ihrSchwert in die Scheide gesteckt hat, am Fuße der Altäre mehr reuige Sünder gäbe,als Verbrecher vor Gericht. Hat aber die Anwendung des Dampf« s und GascS, dergegenseitige rasche Austausch der gegenseitigen Reichthümer der Naionen, haben diegewagten Handelsspeculationen, hat all diese bewunderte invustrielle Thätigkeit dieGrundfesten der Autorität neu bestärkt? Hat sie die Heiligkeit der Che mit mehrEhrfurcht umgeben? Hat sie zwischen der kindlichen Unschuld und der Verderbtheitein unüberschreitbareS Hindtrniß gelegt? Hat sie die geschworene Treue unverletzbarergemacht? Wer würde wagen, eS zu bejahen im Angesichte der durch die Behördenjährlich veröffentlichten Berichte, welche mit furchibarcr Stimme gegen den Verfall deröffentlichen Moralität Zeugniß ablegen? Lasset Euch hierin nicht täuschen, geliebtesteBrüder, es gibt einen des Menschen würdigern Fortschritt, als den in Benutzung vonStoffen, und das ist der Fortschritt in der Gerechtigkeit, Religion und Tugend. Sahman denn nicht, wie der Lurus die mächtigsten Völker entkräftete und sie der Größeverlustig machte, zu der sie sich durch strenge Tugendübnng emporgeschwungen hatten!Hier liegt eine lange, schon von der ewigen Weisheit ausgesprochene Wahrheit: ^usti-tis elevsnt ßentem.^)
Als der heilige PanluS die ersten Christen unterrichtete, sagte er da wohl:„Werdet gesckickler im Färben der Seide, im Glätten der Stoffe, in Leitung einesSchiffes, in Aufführung von Gebäuden; Euer Aufwand in Kleidern und in EuermHause habe keine Gränzen?" Nein, er wußte zu gut, daß Gold und Silber nichtden Ruhm und das Glück der Gesellschaft ausmache. Der große Apostel begnügtesich zu sagen: Schreitet weiter in der Tugend und in der Erkenntniß desjenigen Gottes,der den Keim wahrhafter Civilisation auf die Erde brachte, indem er das Feuer derBarmherzigkeit allenthalben verbreitete: Lrvseitö verö in KrstiZ, et in cogrutiollövomim nostri ^esu Lliristi.**)
(Fortsetzung folgt.)
Rom.
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Rom, 4. Mai. Ueber die Feier der Seligsprechung des Stifters des Passionisten-OrdenS wird von hier dem Münst, SonntagSblatt berichtet: „Seit Ostern ward andem Schmucke der Peterskirche zu dieser Feier unausgesetzt von zahlreichen Künstlernund deren GeHülsen gearbeitet, das Bild des Seligen, ihn in der Glorie und auf-fahrend zum Himmel darstellend, erhob sich in der Chornische deS Hauptschiffes überdem Orte, wo der Stuhl deS heil. PetruS steht, und ein ungeheurer Kranz vonStrahlen ergoß sich von ihm aus nach allen Seiten, während mehr denn anderthalbtausend Wachslichter in der Ungebung glänzten und mit ihrem Scheine die herrlichenDraperien und die dunklen Räume der Basilika erleuchteten. Gegen 10 Uhr erschienendie Mitglieder der heil. Congregation der RituS, die den BeatificationSproceß führte:voran der greise Cardinal Lambruschim, gestützt und fast getragen von den ihn beglei-tenden Priestern; für ihn war das Fest das schönste seines Lebensabends, denn eSbrachte ihm daS Ziel seiner vieljährigen Bemühungen sür den Orden und seinen ver-klärten Stifter, Ihm folgten die übrigen der Congregation angehörenden Cardinäle,und dann die lange Reihe der Consultoren derselben, die alle auf der EvangelienseitedeS Altars Platz nahmen, während die Bänke gegenüber von dem ArchipreSbyter derPeterökirche, Cardinal Mattei, den Kanonikern, Beneficiaten und Klerikern, welchedas Capitel von St. Peter constituiren, eingenommen wurde. Der General derPassionisten trat nun aus seiner in mehreren Hundert Mitgliedern gegenwärtigen OrdenS-familie hervor, überreichte dem Präfecten der heil. Congregation der Ritus das vomheil. Vater erlassene Decret der Seligsprechung, und bat in einer lateinischen Anrede
") ?rov. XIV, 34.«) ?etr. lll. IS.