Dr-y-hntet Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Augslmrger PostMung.
19. Juni. SS. 1853.
Diese« Blatt erscheint regelmäßig alle Sonntage. Der halbjährige Abouuement«pret«40 kr., wofür e« durch alle königl. bayer. Postämter und alle Buchhandlungen bezogen werde» kauu
Die Religion muß der indnstriellen Thätigkeit die rechte Richtung
uud Weihe geve».
Hirtenbrief deS Cardinal-ErzbischofS^ von Lyonzur Fastenzeit 1353.
(Fortsetzung.)
Vermehret, gelMeste Brüder, so viel Ihr wollt die sinnreichsten Maschinen,Ihr werdet dadurch das Glück nicht vermehren: Verbannet von der Erde die Armuthund Dürftigkeit, wenn' Ihr eS' könnet, Ihr werdet damit den Kummer nicht verbannen.Ueberyäufet die Familien mit allen möglichen Gütern, Ihr werdet so die Einigkeitder Herzen und ein regelmäßiges Leben noch nicht einfuhren. Eröffnet dem Volke alleVergnügungsplätze, bahnet ihm den Zutritt zum Wohlstand und LuruS, und Ihrwerdet dadurch die Quelle der geheimen Thränen nicht erschöpfen. Die wohlklingendstenConcerte werden nicht einen Seufzer zum Schweigen bringen. Zur Bewirtung einersolchen Umwandlung in den socialen Verhältnissen gehört mehr als Materielles.
Wie großmüthig und wohlthätig die Industrie auch seyn mag, sie hat nicht fürsich allein die Macht, in die Seelen einzudringen und derei? Wunden zu heilen, sie istunvermögend, dem Herzen die ihm nöthige Linderung zu geben. Man sage daher nicht,daß die von der Religion getrennte industrielle Thätigkeit ein moralischer Fortschrittsür die Gesellschaft sey. Die Erfahrung würde diese Aussage Lügen strafen, denn eSscheint, daß in dem Maaße, in welchem uns diese Wunderwerke von allen Seitenumgeben, die Gesellschaft immer tiefer in der Vergessenheit jener guten Grundsätzesinkt, welche allein ihr das Leben geben.
Aber, geliebteste Brüder, die durch das Bündniß mit der Religion veredelte undgeheiligte Industrie kann einen schönern Ruhm beanspruchen, als den, den Wohlstandder Menschheit vergrößert und die irdischen Genüsse vermehrt zu haben. Wenn sie sostolz darauf ist, auf ihrer Stirne das Ehrendiadem zu tragen, womit der Erfindungs-geist sie krönte, so muß sie noch mehr wünschen, sich mit einer strahlenderen undweniger vergänglichen Krone zu bekränzen, mit der'Krone deS Eifers, unter die ent-ferntesten Nationen das Licht deS Evangeliums zu verbreiten. DaS römische Volksuchte in den Siegen seiner Legionen nur seinem Ehrgeize zu genügen und Ruhm beiden Menschen zu erwerben, währenddem die göttliche Vorsehung die Erfüllung vonAbsichten vorhatte, die ihrer würdiger waren; und indem Gott zuließ, daß die Nationender Erde ein und derselben Macht unterworfen waren, bereitete er sie darauf vor, ihrHaupt unter das süße Joch'ein'unv desselben Glaubens zu beugeir und die väterlicheObergewalt ein und derselben geistigen Regierung anzuerkennen. Könnte nicht, ohneihr Wissen, die Industrie eine ähnliche Sendung vom Himmel erhalten haben? Nachdemdie Vorsehung ihr die commerciellen Verbindungen mit den verschiedenen Weltgegendenerleichtert, wollte sie damit nicht den Verkündigern des katholischer,- Glaubens neue