Ausgabe 
13 (19.6.1853) 25
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wie sind dann diese rasch um sich greifenden Flammen aufzuhalten? Ja, diese Begier-lichkeit wird sodann die Mselige Wurzel aller Arten von Uebel: ksxlix omnium ms-loi-um eupiäitss. Diejenigen, welche davon besessen sind, schreibt der heilige Paulus,sind in nein Glauben irre gegangen und haben sich in eine Unzahl von Trübselig-keiten und Elend geworfen S). Findet sich diese Gefahr bei der Ausübung industriellerThätigkeit, so wiederholen Wir Euch nochmal mit dem Völkerapostel - Habet Acht,auf dieser Bahn mit Klugheit zu schreiten und nicht wie Unvernünftige**).

(Fortsetzung folgt.)

Das Collegium der Lazaristenväter und die Klöster derSalestaue-rinne« «ud Bafiliauerinneu zu Antura auf dem Libanou.

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(īS demEremiten von Savina,")

Nach zwei Stunden der drückendsten Hitze kämm wir zu einem Flusse, der infrüheren Zeiten LykuS, d. i. Wolf, hieß, jetzt heißt er Nahar-el-Kelb, waS so viel heißtals HundSfluß. Jenseits dieses Flusses, über den zwei Brücken führen, rasteten wirbei einer Wassermühle eine Seltenheit im Orient einige Augenblicke auS, underquickten uns mit einigen Gläsern Limonade. Dann begannen wir den Berg zu be-steigen, was an die zwei Stunden dauerte. Es war als schlösse eine neue Welt sichuns auf. Links und rechts aus fast allen Anhöhen des Gebirges niedliche Kirchen undKlöster mitten zwischen grünenden Feldern und Gärten. Und die Leute, die unS be-gegneten, wie waren sie so artig und freundlich! Wir glaubten uns mitten ins Herzvon Tyrol versetzt, etwa ins Gebirge um Botzen herum.Ach, was die Religiondoch vermag", sagten wir öfters zu einander.Würden diese Leute wohl so freundlichunv artig seyn, wenn die Religion Jesu sie nicht beseelte?" Und uns selbst, wiewohl und heimlich war eS uns hier doch zu Muthe! Bisher fast immer türkischeMoscheen mit ihren Minarets und Halbmonden, jetzt nach allen Seilen hin katholischeKirchen und Klöster mit Glocken und Kreuzen. So oft wir Glockentöne hörten, warenMir wie bezaubert ob der vaterländischen heimatlichen Klänge. Hinabgestiegen inein Bergthal sahen wir rechtshin auf einer kleinen Anhöhe ein seiner Bauart nachmehr einem europäischen als orientalischen Hause ähnliches Gebäude. war dasKollegium der Lazaristenväter zu Antura. Ohne uns zu kennen, ohne nach unsernPapieren zu fragen, hieß uns der die Stelle des abwesenden SuperiorS vertretendePaler herzlich willkommen, uns andeutend, sein Haus wie das unsrige ansehen zuwollen. Sofort wurde ein Glas Limonade zur Erquickung und danach eine TasseCaffe zur Stärkung gebracht. Dann führte der freundliche Pater unS herum, zuerstin die Kirche, dann in die Schullocale, worin circa fünfzig maronitische Knaben ausdem Bürgerstande europäische Bildung und christliche Erziehung erhalten, dann durch'Sganze Kloster. Ueberall mußten wir staunen ob der Reinlichkeit und Eractität, diesich bis ins Kleinste erstreckte. Das Benehmen der Jünglinge war ausgezeichnet. Sowas hatten wir hier zu Land nicht erwartet. DaS Kloster selbst gleicht einem kleinenLandhause, vaS einfach aber geschmackvoll eingerichtet ist. In der Mitte steht dieKirche, ebenfalls einfach, aber reinlich und zierlich, mit nur Einem Altare, der demheil. Joseph gewidmet ist.

Aus unsern Wunsch führte uns, da erst gegen 7 Uhr zu Abend gegessen wurde,der so demüthige und artige, dabei doch so gelehrte und gebildete Pater zum benach-barten Kloster der Schwesternvon der Heimsuchung Maria", einem von lauter Ma-ronitinnen bewohnten Frauenkloster, dem einzigen dieser Art auf dem ganzen Libanon.Wer hätte so was hier in diesem Gebirge gesucht? Wie hätten wir das erwartenkönnen, hier im fernen Orient Töchter des heil. Franz von SaleS zu finden? Und

-) 1. Tim. VI. 10.') Ephes. V. IS.