Ausgabe 
13 (19.6.1853) 25
Seite
196
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

19«

Summe vorzählen, die ihm durch einen der Arbeit geraubten Tag ^ntkämej er wirdMich die Metallmass« berechnen, welche wenigstens in seine WerHütten geströmt wäre,die Anzahl von Stoffen, die man wenigstens in seine Magazine gebracht hätte, erwird auch die Quantität des Wassers nicht außer Ansatz lassen, welches unnütz untert»en Maschine« flösse, ohne den künstlichen Mechanismus in Bewegung zu setzen. Rufetseinem Gedächtnisse einige GlanbenSgeheimnisse zurück, die das Glück seiner Jugendausmachten,- jenen Tag eiuer ersteu Communion, die auf seine Seele einen so wonne-reichen Eindruck hervorbrachte, jene GewissenSzartheit, die selbst bei dem Schatteneines Fehlers erschrack: er hat nur Ziffern in seinem Gedächtnisse behalten und kenntkeine andern Genüsse als das Steigen der Renten, vortheithaften Absatz und billigeAnkäufe. Saget ihm endlich, daß die Industrie nicht den Menschen ausmache unddaß man daran denken müsse, sich über dem Grabe eine dauernde Versorgung, blei-bendere Güter und ein haltbareres Glück zu begründen, so wird er lächeln ob EuernWarnungen, die ihm nur Mitleid für Euch einflößen. Vielleicht schenkt er ihnen soviel Aufmerksamkeit, um Euch zu fragen wie Pilatus den Herrn: Waö ist die Wahr-heit? (Zuict est v«rits8»). Und ohne die Antwort abzuwarten, vertieft er sich vonneuem in sein kaufmännisches Sinnen, über welches hinaus er nichts als Trug, Nutz-losigkeit und Zeitverlust sieht. Wäre der Gnade nicht Alles möglich, so müßte mandas Leben dieser Seelen ohne Wiederkehr für erloschen glauben. Das Materielle hatden Zutritt zum Verstand und zum Herzen gesperrt: eS gibt Gedanken, Gefühle, Be-trachlungen, die nicht mehr hineinbringen können. Ihr suchet einen Funken von Glaubeund findet nur kalte Asche. Dann erst fühlet Ihr sein Herz wieder schlagen, wennIhr von Gewinn, Börsenspiel, Entdeckungen sprechet. Lasset Ihr die Sprache derReligion, des Heiles hören, so antwortet kein Laut Eurer Stimme; es herrscht TodeS -stille; ihr sprechet zu einem Leichname. Da haben wir eine der Gefahren der Industrievor uns, geliebteste Brüder, vor welcher der Christ auf der Hut seyn soll: die völligeHingebung an die Geschäfte, welche die Aufmerksamkeit der Art beansprucht und sievon der einzigen und allein nothwendigen Sorge ablenkt.

Aber dieser Abgrund ruft einen andern Abgrund; lasset ihn Euch zeigen, gelieb-teste Brüder! Gleich wie das Himmlische seine Macht über die Seelen verlieret,in eben dem Verhältnisse verstärkt die schwer zu befriedigende, sinnliche Natur ihregrausame Herrschaft, unv zwar auf Kosten der Glaubenslehren, nach welchen sichehemals die Lebensweise richtete und die den heftigen Leidenschaften zu gebieten wußte.Nachdem der Glaube nicht mehr diese Gewalt über das Herz hat, um dessen Bewe-gungen zu ordnen, schließt man sich allmälig dem Irdischen an, um ein Glück zusuchen, und strebt nicht mehr darnach, eS jenseits zu finden. Das Gesetz in den Glie-dern, wovon der heilige Paulus spricht**), endigt mit Unterjochung des Gesetzes desGeistes, und das Verlangen nach dem Besitze der Maierie wird der einzige Beweg-grund aller Handlungen, aller Gedanken, aller Neigungen. Wie könnte eS auchanders seyn, da Gott in unser innerstes Seyn einen unauslöschlichen Durst nachSeligkeit gelegt hat? Sobald der Mensch, himmlischer Triebe beraubt, nicht mehr ander lebendigen und wahren Quelle die Freuden schöpfen mag, die allein des Eben-bildes der Gottheit würdig sind, so muß er sie von den Geschöpfen fordern und danndaraus seinen Endzweck, seinen Himmel, seinen Gott, sein Alles machen. Aber diesesunheilige Feuer, welches der göttliche Hauch nicht angefacht hat, wird sich seinen Ein-geweiden anhängen, um sie zu verzehren. Das nennt der große Apostel die Begier-lichkeit, diese Leidenschaft für irdisches Gut, welche die Wurzel alles Uebels ist***).ES bedürfte aller Schrecken der Gerichte GotleS, um diese Feuersbrunst zu löschen,alles Glaubens an die Qualen und Vergeltungen im andern Leben, um sie zu ersticken.Wenn jedoch in der Seele weder übernatürliche Furcht noch Hoffnung vorhanden ist,

') Joh. XVIII. 33.") Rom. VII, 23.") 1. Tim. VI, 10.