Ausgabe 
13 (19.6.1853) 25
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welch' eine Aufnahme von Seite der Oberin! Welch' ein Anstand, welch' eineWürde! Wahrlich diese Maronitinnen unterscheiden sich von ihren Schwestern inFrankreich und Italien nur durch die Sprache. Alles wurde aufgeboten, uns so artigals möglich zu behandeln. Limonade, Caffe , Wein, Früchte, Backwerk, kurz alles,waS in ihrer Habe war, wurde uns vorgesetzt. Auf den Wunsch des LazaristenpaterSließ die Oberin sodann sämmtliche Bewohnerinnen des Hauses, 25 Nonnen und 6Novizinnen, in ein Zimmer zusammenkommen, welches von dem Sprechzimmer durchein eisernes Gitter getrennt war. Obgleich wir unS nur wenig mit denselben unter-halten konnten, so ersahen wir doch aus dem Benehmen Aller, daß es gebildete unddabei recht fromme Personen waren. Die Unschuld und Tugend lächelte auf ihrenblühenden Wangen. Auf die Frage, ob wir ihnen nicht durch unsere Gegenwartlästig fielen, gab die Oberin auf arabisch zur Antwort:Wir sind froh, so langeSie gegenwärtig sind, und wenn Sie weggehen, sind wir traurig." Ein HöslichkeilS-spruch der Araber.O wie glücklich," sagten wir später zu einander,sind doch dieseTäubchen des Libanon im Vergleich mit den bösartigen Weibern der Mohamedaner!"

Der HauSgeistliche, ein maronitischer Priester, führte unS darauf, nachdem dieSchwestern sich entfernt hatten, in ihre Kirche, wo wir wi?der staunen mußten überdie Reinlichkeit und Zierlichkeit und uns so ganz lebhaft in eine französische Nonnen-kirche versetzt sahen. Wie alle Bewohner des Libanon leben auch diese Schwesternvon der Heimsuchung" vom Seidenbau. Am folgenden Tage, Nachmittags, machten?. HenrikuS, G. und der Geistliche G., indem ich eines Fieberanfalleö wegen dasZimmer hüten mußte, mit dem bereits erwähnten Vicesuperior sein Name verdientdem Gedächtnisse eingeprägt zu werden, er hieß Sap eto einen Ausflug zu einembenachbarten griechisch-katholischen Kloster. Nicht besser wissend, qjS daß sie in einMannSkloster geführt würden, wurden sie nicht wenig überrascht, als man sie in dasSprachzimmer führte, und sie hier unter einem hölzernen Gitter acht schwarz gekleideteKlosterfrauen erblickten, in der Kleidung ähnlich den Töchtern der heil. Clara ausdem zweiten Orden des heil. Franciökus. Sie leben nach der Regel des heil. Bast-liuS. Während der Unterhaltung mit ihnen in griechischer Sprache, die der ?. Sa-peto den Geistlichen verdollmetschte, hatten sie öfter ihre Freude zu erkennen gegeben,den würdigen Lazaristenpater, von dem sie so viel Rühmliches gehört, den sie abernoch nie gesehen hatten, zu sprechen. Alle wollten von seinen frühern LebenSschick-salen, namentlich von seinen Reisen als Missionär in Abvssinien in Afrika Nähereswissen. Als er dann die Verfolgungen, die er dort erlitten hatte, erzählt, als erzuletzt auf seine verstümmelte Nase und seine mehrerer Glieder beraubten Finger hin-gezeigt hatte, da waren alle bis zu Thränen gerührt geworden. ?. HenrikuS G. warbei seiner Zurückkunft ins Lazaristenkloster fast außer sich vor Freude, hier in Asien ,auf dem Libanon unter den Orientalen so wohldiSciplinirte Frauenklöster gefundenzu haben. Und der Geistliche gestand, solch' ehrwürdige Matronen hätte er auf demLibanon nicht gesucht; die meisten seyen bejahrt gewesen, alle wären ihm vorgekommen,als hätte er in jeder eine heil. Elisabeth vor sich gesehen.

Zwei Träume.

In der niedrigen Dachkammer steht eine plumpe Bettstelle mit einem altenStrohsacke, der kaum mehr verdient, so genannt zu werden, denn er ist fast leer;gegenüber ein wackeliger Tisch und neben demselben ein zerbrochener Wasserkrug, Daöist das ganze Hausgeräthe.

Der Wind hat den Laden ausgerissen, Scheiben find keine mehr in den zer-brochenen Fensterrahmen, und die kalte Nachtluft dringt nun ungehindert in den engenRaum hinein.

Auf dem harten Lager schläft die Frau; die dünne, zerrissene wollene Deckeschützt ihren Körper nur wenig gegen den Nachtfrost. Sie hat den ganzen Tag über