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fle eitele Trugbilder; sondern vielmehr ernster Betrachtung sollten wir sie würdigen,denn fast immer' enthalten sie irgend einen Wink. Nicht als sollte damit gesagt seyn,die Träume könnten uns die Zukunft enthüllen; Gottes allweise und allgütige Handhat eitlen undurchdringlichen Schleier über die Zukunft geworfen, und jeder Versuch,denselben zu heben, ist ein Frevel. Und dennoch beachtet eure Träume genauer, denketernst und reiflich darüber nach; denn diese Träume sind fast ohne Ausnahmeirwr Aeußerungen, unsere ungeordneten, zuweitgreifenden Neigungennur Leidenschaften. Der Ehrsüchtige, der Hochmüthige — sie haben ganz andereTräume als der Geizhals; die Träume des feurigen JünglingS sind ganz andererArt als die des reifen ManneS-
Wer mag eS bezweifeln wollen, daß, während der Körper ruht und unser Willeihn nicht beherrscht, auch die Einbildungskraft des Zügels los ist, an welchem im wachenZustande derselbe Wille sie leitet, und daß sie sich dann willig dem Dienste derjenigenLeidenschaft hingibt, welche der gefährlichste Feind unserer sittlichen Freiheit ist.
Wer seinen Seelenzustand genau erforschen und in Folge dieser Erforschungmit der Güade GotteS beherrschen möchte, der lasse seine Träume nicht außerAcht. Wenn du zum Lichte des Morgens erwacht bist und dich noch ganz aufgeregtfühlest durch den so eben dahin geschwundenen Traum, so erkennst du darin vielleicht,nicht ohn« Muhe die Fallstricke, welche der Feind deines Seelenheiles dir während deSDunkelS' der Nacht gestellt hatte. Sammle dich ernst und ziehe die Zügel der. Selbst-beherrschung mit GotteS Hülse fester arr.
Je größere Gewalt du über deine Neigungen erlangest, desto mehr werden auchdeine Träume in deiner Gewalt stehen. (Kath. SonntagSbl)
Göswein stein. Am 21. Mai U I. kämen Wallfahrer von der Pfarrei JahrS-dorf in der Diöcese Eichstätt Hieher, unter welchen sich auch eine Mutter mit einerfünfzehnjährigen stummen Tochter befand. Nachdem diese Leute im frommen Vertrauendas für den Besuch der sieben Altäre in der hiesigen Wallfahrtskirche vorgeschriebeneAblaßgebet „Dich liebt, o Gott , mein ganzes Herz" am siebenten und letzten Altareverrichtet hatten, fing das' bisher aanz stumme Mädchen plötzlich zu reden an, wasbei der großen Anzahl der in der Kirche versammelten Andächtigen eine heil. Begei-sterung hervorrief. Die sämmtlichen Wallfahrer aus der genannten Pfarrei wurdenvor das Pfarramt gerufen und genau über die Lebensverhältnisse dieses Mädchensbefragt. Alle erklärten, daß das Mädchen seit mehreren Jahren stumm gewesen sey,und sie sich daS' dermalige Ereigniß auf natürliche Weise nicht erklären könnten. Umsich volle Klarheit in der Sache zu verschaffen, erbat man sich aus pfarramtlichemschriftlichen Wege Aufschluß beim Hrn. Pfarrer zu Jahrsdvrf. Dieser erklärte durchSchreiben vom 27. Mai: „DaS fragliche Mädchen habe bis in ihr neuntes Jahrdie Pfarrschule, zu Jahrsdors besucht. Da verfiel sie plötzlich in eine schwere Krank-heit, in welcher sie die Sprache gänzlich verlor, so daß sie kein Wort mehr redenkonnte. Darnach setzte sie, in der Hoffnung, daß sie den Gebrauch der Sprache wiedererlangen werde, einige Zeit den Schulbesuch aus: Als dieß nicht der Fall war, be-suchte sie die Schule wieder fleißig. Doch sprechen konnte sie seitdem kein Wort. Siewurde erst Heuer zur heil. Communkon zugelassen und aus der Werktagsschule entlassen.Die Stummheit bei diesem Mädchen dauerte etwas über fünf Jahre. Da unternahmsie mit ihrer Mutter den weilen Bittgang zu dem der heil. Dreifaltigkeit geweihtenTempel zu Gösweinstem auf das Fest der heil. Dreifaltigkeit. Nach der Rückkehrerschien das Mädchen am 24. d. M. bei mir im Pfarrhause und fieng zu meinemgroßen Erstaunen und zu > meiner Freude zu reden an. Wie daS zuging, wird sichwohl schwerlich auf natürliche Weise erklären lassen." (K. Bl. a. Fr.)
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