Ausgabe 
13 (26.6.1853) 26
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haben als diese Afterproducte, diese verfälschten Nahrungsstoffe. Und entspräche eSnicht den barmherzigen Absichten unsers Herrn, daß die heilige und unbefleckte Hostietäglich in unsern Tempeln geopfert würde zur Besänftigung des göttlichen Zornes undzur Erlanguug der Gnade des Heils, so dürfte man von der Habsucht selbst nochden Schritt befürchten, daß sie freventlicher Weise Hand an den Altar legt, dem Wesendes Opfers die ihm nöthige Reinheit und Unversehrtheit benimmt, und uns auf dieseWeise abhält, im Andenken an JesuS Christus das zu thun, waS er selbst beim letztenAbendmahle that, 5) Wenn der Glaube in den Herzen herrschte, so hätte sich dieGewinnsucht vor Gottes Strafgericht gescheut, da sie sich vor dessen unerbittlicherGerechtigkeit entsetzt haben würde. Heutzutage denkt man nur mehr daran, sich vordem Gerichte der Menschen zu schützen. Hat man das Glück, der bürgerlichen Strafezu entkommen, so setzt man ohne Gewissensbisse sein betrügerisches Verfahren ^ort, unddie Nächstenliebe wird kaum mächtiger seyn als die Liebe zu Gott, um der Lüsternheit,welche nichts achtet und nicht die mindeste Fessel duldet, eine Schranke zu setzen.

Aber wird doch wenigstens das Elend von der gierigen Industrie gewürdiget,und haben die Thränen des Armen wohl Macht, jene Herzen zu erweichen, auf diesie fallen und die unter dem Joche der dreifach bösen Lust stehen, wovon der heiligeJohannes spricht?^)

Wir wünschten, es wäre dem also, geliebteste Brüder, denn das Almosen decktdie Menge der Sünden 5^5). Aber ein gewisses Mißtrauen ist uns wohl erlaubt.Im Falle, daß die Tage der Unfruchtbarkeit dem Ueberflusse der Erdengüter folgen,daß ein trockner Himmel über unsern Feldern stünde, der den Thau verweigert, welchersie befeuchten soll, dann wird man sehen, ob die stets dürstende Gewinnsucht sich dieseDrangsal zu Nutzen zu machen und aus dem allgemeinen Unglück ihren Gewinn zuziehen weiß. Kommt der Nothleidende, an der Thüre des Hauses der Freude und desUeberflusses zu klopfen, so wird, man sie ihm öffnen, doch die Brosamen, um die erbittet, und den Tropfen Wassers, das er verlangt, hoch anrechnen, und um diese ge-ringe Erleichterung zu erlangen, muß er selbst sein letztes Kleidungsstück zum Pfandegeben, wenn man nicht allenfalls fordert, daß er die bis jetzt unversehrte Ehre derFamilie, die er ernähren will, mit in die Wagschale lege.

Alles, was Wir nun sagten, geliebteste Brüder, ist nur die Auslegung deSWortes des heiligen Geistes, das einen so tiefen Sinn und eine für unsere Zeit sotreffende Wahrheil in sich hat: Alles gehorchet dem Gelde, peeunise odecliunt omnis-j-).Das ist wirklich der hohe Herrscher, zu dessen Füßen die stolzesten und unabhängigstenGeister gleich elenden Sklaven kriechen. Das ist die Macht, welche jetzt jede Auto-rität beherrscht und vertilgt, und welche vor der Zauberkraft ihrer unbestreitbarenGewalt die ganze gegenwärtige Generation sich vereinigen sieht. Gebietet dieser Herr,wo ist dann die Tugend, die nicht weicht, die Seelenkraft, die nicht wankt, die beharr-liche Selbstoerläugnung, die sich nicht widerspricht, die feste Ueberzeugung, von derman nicht absteht? poeunige obecn'unt vmnia, DaS Geld ist der Gott der Zeit,welcher dem lebendigen und wahren Gotte die unumschränkte Herrschaft benimmt, dieer über die Menschen hat, und mit ihm die Weltregierung theilt, Diese Gottheit hatihre Anbeter und Märtyrer, welche für sie Meere und Länder durchreisen, für sietaufenden von Gefahren trotzen, sich tausend Entbehrungen unterziehen. Nach demGeiste des heiligen Augustin sagen diese Märtyrer des Goldes, wie die Märtyrer einstzu Gott sagten: Wir sind täglich wegen dir dem Tode ausgesetzt: kropter te mor-tillcanmr tots 6ie f-j-). Und sehet, geliebteste Brüder, die Opfer, die auf seinen Al-tären dargebracht werdenl Häusliches Glück, heilige Ehrengesetze, gewissenhafte Red-lichkeit, unbestechliche Treue, Reinheit deö Herzens, zeitliches Glück, ewige Seligkeit,

') Luc. XII, 19.">) J-an. II. 1k.

Eccli. III. 33.5) Eccles. X, 19.w Psal. Xl.111, LS.