Ausgabe 
13 (26.6.1853) 26
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meinen Kräften stand, zu thun, um Euch zu Gott zu führen. Ich hoffte, Euch meinganzes Leben zu weihen und meine Tage in Eurer Mitte zu beschließen, um Euch someine Liebe zu bethätigen. Aber ich werde nicht mehr von meinen ehemaligen Hoff-nungen sprechen. Nach fünfzehnjähriger Bekanntschaft brauche ich Euch nicht mehrzu sagen, daß nur die unwiderstehliche Gewalt der Pflicht es vermocht hat, die Bande,die uns verknüpften, zu zerreißen. Glaubt sicherlich, daß die Liebe, die ich für Euchgehegt habe und stets hegen werde, mir die Pflicht, Euch zu verlassen, zu einer derschwersten Prüfungen gemacht hat.

Es war nicht meine Absicht, von dergleichen zu sprechen, ich hätte davon ge-schwiegen; und wenn Andere mir gegenüber großmüthiger gehandelt hätten, würde ichmeinem Vorsatze getreu geblieben seyn; aber ich erfahre, daß bei der kürzlich erfolgtenEinweihung der Kirche der Bischof von SaliSbury eS sich zur Pflicht gemacht hat,mich in seiner Rede öffentlich anzugreifen, und fch weiß, daß Einige unter Euch betrübtwaren, so von einem Manne sprechen zu-hören, den sie so lange durch ihre Liebeausgezeichnet haben.

Ich bin nicht erstaunt, daß der Bischof von SaliSbury mich in Irrthum befangenglaubt; wenn es anders wäre, müßte er so handein wie ich gehandelt habe, und ebenweil er dieß nicht thut, zeigt er, daß er meinen Schritt nichr billigt, oder wenigstens,daß er nichr die Noihwendigkeit einsieht, ihn zu thun. Ich staune aber, daß er beieiner Gelegenheit, wo ihm so viele andere Themare zu Gebote standen, von mir ge-sprochen hat, und Euch zu einer Kritik meines Beiragens gereizt hat. Ich war aufviele Tadel gefaßt, aber gefaßt war ich nicht, mich der Verachtung derjenigen preis-gegeben zu sehen, für die ich so lange Jahre gearbeitet habe, und zwar preisgegebendurch den, der selbst gesagt hat, ichWönne keinen andern Weg als den, dem ich ge-folgt bin, einschlagen; preisgegeben durch den, dem ich mich immer, selbst mit dengrößten Oplern unterworfen habe, so lange ich ihm eine rechtmäßige Gewalt übermich zuerkannte. Mein Erstaunen wächst noch, indem ich den Ort und die Zeiterwäge, die der Bischof gewählt hat, um mich zu tadeln. Die Worte, die gegenmich gesprochen sind, kenne ich nicht, wohl aber weiß ich, daß die Beurtheilung Die-jenigen, die mir ihre Achtung bewahrt haben, schmerzlich berührte. Für diese, fürmich, für Alle, so wie auch für die gute Sache, der ich mich treulich angeschlossenhabe, muß ich Euch einige Worte sagen. Nach dem, waö ich gehört habe, schließeich: Man hat mich getadelt 1) weil ich mich von Euch getrennt, 2) weil mich meineGesinnungen gezwungen haben, Euch sowvhl wie die anglikanische Kirche zu verlassen.

Einige Worte werden hinreichen, den ersten Punct zu beleuchten. Für weltlicheVortheile habe ich Euch nicht verlassen, wohl aber weil ich ehrlicher Weise meineStellung nicht mehr ausfüllen konnte; denn ist eS ehrlich, eine Sache zu glauben undeine andere zu lehren?

Hierüber laßt mich in einige Einzelnhekten eingehen.

Ich glaubte, daß man, um die Vergebung seiner Sünden zu erlangen, dieselbenbekennen müsse, und zwar Jemanden, der die Macht bekommen, die Beichte zuhörenund die Lossprechung zu ertheilen. Ich glaubte, daß dieß Allen, die nach der Taufein Sünden verfallen sind, nothwendig sey. Als ich aber meine Zuflucht zu den ein-zigen Mitteln nahm, die mir als anglikanischem Priester zu Gebote standen, war ichbetrübt, den Schritt, den ich für mein persönliches Bedürfniß für nöthig erachtete,mit Geheimniß umhüllen zu müssen, denn dieses Geheimniß zeigte mir, daß die Beichtein der anglikanischen Kirche nur zum Scheine und ohne Kraft eristire. Nachdem ichmich mit dieser Sache gründlich beschäftigt hatte, erkannte ich, daß die anglikanischeKirche sowohl, wie die Zeugnisse der Bischöfe, nur in äußersten Fällen die Beichtbestätigen, und dann auch nur als eine Art von religiösem LuruS bei Sterbenden.Dieß theilte ich dem Bischof von SaliSbury mit und bat um sein Urtheil über diesenPunct. Er antwortete mir mit Offenheit, daß ich als Priester der bestehenden Kirchenicht auf die Nothwendigkeit der Buße dringen müsse, sie sey ein Sacrament undHaupttheil des katholischen Glaubens. Stellt Euch nun meine Gewissenöleiven vor,