Ausgabe 
13 (10.7.1853) 28
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Der erste Schlag wurvc der Kirche bekanntlich durch die Badcner Artikelgeschlagen, durch die sie die Kirche in Fesseln gelegt. Diese wurden dann auch dieWaffen, mit denen der NadüaliömuS in mehreren Kautonen zugleich gegen die Kirchekämpste. Verab im größtcutheilS reformirlcn Kautone B«ru, wo mau jcueS saubereMachwerk dem katholischen Volke im Jnra ausbringen wollte. Vergebens wehrte sichdessen das Volk auf dem Wege des verfassungsmäßigen PelitiouSrechleS und der freienMeinungsäußerung. Mau warf dem souveränen nnd mündig erklärten Volke einigeBataillone übcr'n Hals, um mit Bajonnct nnd Kolben zu belehren, wie der Ra«dicaliSmuS die Freiheil verstehe. Die muthvoslsten, ausgezeichnetsten Priester mußtennatürlich als Aufwiegler die ihnen in treuer Liebe ergebenen Pfarrgcmcinden verlassenund im Auslande eine Zufluchtsstätte uud ihr Grab aufsuchen.

Gleichzeitig begannen die Kämpfe offen uud mit Gewalt in den Kantonen Luzcrn,Solothurn, Aargau , Basclland, auch in Frciburg besonders aber in vem KantoneSt. Gallen , wo die Trennung vom BiSthume Chur erstrebt und mit der Aufhebungdes altehrwürdigen Klosters Pfeffers das Signal zur Verfolgung und Aufhebung derKlöster gegeben wurde.

Bald kam die Reihe an den paritätischen Kauton GlarnS. Vermöge couses-sioueller Trennung und besonderer Verträge hatten die Protestanten und Katholikenfriedlich nebeneinander gelebt. Doch das gefiel dem Radikalismus nicht. Vermittelsder protestantischen Mehrheit, die Panci uud Richter zugleich war, brach er die bisherheiliggehaltenen Verträge und bezwäng die schwächeren Katholiken mit den Waffen inder Hand. Jetzt begann erst die ächte Verfolgung der Katholiken; die rechtlichstenVertheidiger der Religion, deren höchster Grundsatz eS war, die politischen Frei-heiten gerne zn opfern, wenn ihnen mir die religiösen geblieben, wurden in denKerker geworfen und darüberhiu auf alle mögliche Weise bis auf den Tod verfolgt.Von den Priestern wurde der sogeuaunte StaatSeid verlangt, d. h, ein Eid, den sienie hätten beschwören können, ohne ihr Gewissen zu beflecken und der Kirche untreuzu werden; ein (Lid, vermöge dessen sie in gewissen Fällen das heilige Beichtgeheimnis;hätten verletzen oder aussagen müssen, was ikmen gebeichtet worden wäre. Als siesich aber dessen weigerten, wurden sie ans dem Lande vertrieben. Noch Vieles ge-schah, was wir aus Mangel an Raum uicht erzählen. Wenige Kantone gab cS, iudenen der kirchenscindlichc Geist in den Drcißigcrjahren nicht den Kampf gegen dieKirche begann oder weniger furchtbare Minen anlegte.

Doch erst die Vierzigerjahre sollten daS Unglaubliche, das Ungeheure zu Tagebringen, vorerst

Die Aufhebung der Klöster im Aargau , mit der sie begonnen. Namenlosfind die Leiven her Katholiken dieses Kcuttones, die wir nicht schöner und rührenderbeschreiben konucu als mit den Worten des klagenden Predigers auf dem Gubel:Würdest, könntest Dn cS mir verzeihen, o katholischer Aargau er! wenn ichverschweigen wollte, was Du seit zehn Jalnen her gednlvct, geklagt nnd geweint hast?wenn ich verschweigen würde, wie man Dich iu Kerker und Bande warf, wie DuDich den Armen einer Dich liebende» Familie entreißen mußtest, um, flüchtig vonDeinem heimatlichen Herde, Dich der Rache einer alles niedertretende!! Feiudschaflzu entziehen, um irgendwo bei anderen, noch biederen Eidgenossen ein gastliches Obdachzu finden! Könntest Du eS mir verzeihen, wenn ich eS verschweigen würde, wieman innerhalb sechs Jahren zweimal Dein Land mit Kriegsmacht überzog, DeineSpeicher ausleerte, die Frucht Deines Fleißes auszehrte, Dir den Sparpfeunig aus-preßte, Deine Lcbcnömittcl bis an den rohen Tisch benagte und das alles, umdarüber noch Deine religiöse Freiheit zu vernichten, Dich mürbe zn machen, daß Duja keinen Seufzer mehr wagest, wenn auch die verworfenste Despotie ihren Fuß Dirauf den Nacken setzt? Katholischer Aargauer, Du unser Bruder! solch unmännlicheVerschwiegenheit, könntest Du sie mir jemals verzeihen? Nie und uimmermehr!"

Doch in der ganzen Klosteraufhebungsgeschichte war wohl das Wichtigste nndFolgenreichste die Billigung und gewissermaßen die Befchützung des Klosterraubes