Ausgabe 
13 (10.7.1853) 28
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des Kollegiums der niedervsterreichischen Herren- Stände, emeritirter k. k. Hospredigerund Religionslehrer der durchlauchtigsten Prinzen weil, Sr. kaiserl. Hoheit des HerrnErzherzogs Carl , Mitglied der k. k. Landwirthschafts- und Gartenbaugesellschaft zuWien zc. :c.

Sedlaczek wurde zu Selowitz in Mähren , dem Hauptorte einer Sr. k. k. Hoheitdem durchl. Erzherzoge Carl gehörigen Herrschaft, am 6. Juli 1793 geboren, undwar demgemäß nahe daran, sein sechzigstes Lebensjahr zu vollenden. Er trat nachvollendeten philosophischen Studicu am 1. November 1810 in das Stift Klosterneu-burg ein, Kudirte daselbst Theologie an der theol. Hausanstalr und legte 1813 Profeßab. Im September 1816 ward er zum Priester geweiht, 1817 Professor der Moral-theologie im Stifte, 1819 Novi'zenmeister und wegen seines ausgezeichneten Prediger-talenteS von weil. Kaiser Franz 1820 zum Hosprediger an der Hofvurgcapelle zu Wien ernannt. Von da an gehörte Sedlaczek zu den ausgezeichnetsten Kanzelrednern derResidenz.

Erzherzog Carl wählte den würdigen Mann gegen 1830 zu seinem Beichtvater,sowie zum Religionslehrer seiner jungern Prinzen und Prinzessinnen; diese Ausgabeerfüllte Sedlaczek im echt apostolischen Sinne der katholischen Kirche .

Es konnte nicht fehlen, daß die steigende Berühmtheit deS ausgezeichneten Prie-sters die Aufmerksamkeit seiner StistSbrüder, die ihn mit Stolz den ihrigen nannten,auf ihn lenkten, als durch den Ende 1843 erfolgten Tod des AbteS Ruttenstock diePrälatenwürde der altehrwürdigen Schöpfung Leopold des Heiligen vacant wurde.Im Jahre 1844 wurde Sedlaczek als 58ster Probst deS Chorherrnstiftes Klosterneuburggewählt und diese Wahl vom Landesfürsten bestätigt.

In seinem neuen Wirkungskreise bewährte sich der sittliche Werth deS Verstor-benen auf's Glänzendste; seinen zahlreichen Unterthanen war er ein liebevoller Vater,seinen Stiftsbrüdern ein theilnehmender Freund, zahlreiche Beispiele davon leben imMunde der Mitwelt. Kaiser Ferdinand zeichnete ihn durch Verleihung des Ritter-kreuzes des Leopoldordens aus.

Selbst als die Ereignisse des Jahres 1848 den ehemaligen Verband mit denStiftsunterthanen gelöst hatten, blieb seine Theilnahme an dem Wohl und Wehe der-selben die nämliche. Seiner Haltung in dem genannten verhängnißvollen Jahre ist esgrößtentheilS zuzuschreiben, daß die Bewohner der alten Stadt Klosterncuburg vomGifte deS Aufruhrs verschont blieben und von dort aus konnten jene kriegerischenMaaßregeln geleitet werden, welche den Fürsten Windischgrätz siegreich in die Mauernder verblendeten Hauptstadt zurückführten.

Mit warmem Antheile betheiligte sich Sedlaczek nach Herstellung der Ruhe anallem, waS den Wohlstand seiner ehemaligen Angehörigen befördern konnte. Die ersteAckerbauschule in Oesterreich ans stiftlichem Grund und Boden (in Kritzendorf) ist zumgroßen Theile sein Werk; war ja die Bildung deS LandmanneS, auf eine den For-derungen der Neuzeit wie den ewig unabänderlichen Lehren deS Christenthumes gemäßeArt das Ideal, welches ihm vorschwebte.

Ein Freund der Wissenschaften, namentlich der Naturwissenschaften, welche, richtigverstanden, nur die Größe der Schöpfung erkennbar machen nnd demnach die christlicheUeberzeugung befestigen, verkehrte Sedlaczek gern mit Männern von Geist, und diewohlwollende Aufnahme, die jeden Gast von Bedeutung im Stifte erwartete, ver-mehrte den althergebrachten Ruhm der Gastfreundschaft, welcher Oesterreichs Präla-turen auszeichnete.

Sedlaczek, von der Natur mit einer höchst einnehmenden äußeren Erscheinungausgestattet, gewann die Herzen aller derer, die ihm nahten. Leider nagte der Wurmeiner unheilbaren Krankheit an dem Leben des freundlichen ManncS, lange ehe erselbst es ahnte. (Lloyd.) _

iHqM ^üwji/ töluivM mchWoüiVt,. 1 Y.,I "-Hw-ttsHo««»? mchMninßö t»aVerantwortlicher Redacteur : L> Schönchen. Verlags-Inhaber: F. C. A^?mer.