Ausgabe 
13 (24.7.1853) 30
Seite
234
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

234

mit dem er ihn bisher betreten hatte. Da trat mancher in die Kirche und plappertenur sein Gebet daher und ihn faßte die höhere Feierlichkeit des heiligen Dienstes undsein Herz blieb nicht länger trocken, und der Gedanke an die selbstgewonnene Ueber-zeugung, daß und wie viele schon an der Stelle Erhörimg gefunden, beugte sei» Kuiewieder tiefer und rief die erste Thräne ernster Buße in sein Auge. Gewiß, wo dieWallfahrten in rechtem Flor stehen, da steht das katholische Leben in voller Blüthe,und unser vollstes Mitleid verdienen dielauen und trägen Christen, die oft kaumzwanzig Schritte weit in die Kirche haben und doch nicht hingehen, sich dabei aberunendlich weiser dünken und die Wallfahrer tadeln, die Gott zu Liebe viele tausendSchritte machen " (Pilger 5, tt.)

Tirol ist reich an Wallfahrtsorten aus der ältesten wie aus der neuesten Zeit,vom Jahr ävv bis aus unsern Tagen, und dieß letztere möchte ich gerade eine Perlein seiner Krone nennen, denn eS zeigt die ganze Innerlichkeit und Tiefe seines katho-lischen Gefühls. Vordem war das Land noch ungleich reicher an Gnadenorten, nnddiese waren reicher an Schmuck, den das fromme Kaiserhaus und fromme Privatenihnen zugewandt hatten. Eine lauge Reihe dieser Kapellen und Kirchen zerstörte dasFreimaurerthum. Aber nicht vermochte eS den Schatz treuen Glaubens aus dem HerzendeS Volkes zu rauben, den verschloß es um so tiefer in sich und hing um so festeran ihm. Und als jene Zeiten der Dürre und des Fluches vorüber waren, da fingeS wieder an aufzubauen, was zerstört war, zu erheben, was geknickt war und neuzn schmücken, was beraubt war. Vieles liegt allerdings für immer darnieder, mancheZufluchtsstätte der Armuth in den Klöstern, mancher Hafen der Betrübten in denGnadenorten; aber mit der wunderbaren Elasticität, die alles Lebensvolle beweist,erhob der treue Sinn deS Volkes dagegen auch wieder manches neue Heiligthum undmehr als ein Gnadenort datirt aus unserm Jahrhundert. Wie die Kirche selbst einewiges Wunder ist, so hört auch das Wunder in ihr nicht auf. Viele Leute lebennoch, welche die Wallfahrt zu Sautens im Oetzthal entstehen sahen. In der NähedeS Ortes stand in der Waldesdämmerung ein Bild deS gekreuzigten Heitands. Vordemselben betete einst ein frommes Väuerlein im Vorbeigehen sein Vaterunser; siehe,da neigte das Bild sein Haupt und das Bäucrlcin sah dieß als ein Zeichen an, daßes dem Heiland gefalle, dort in einer Kapelle verehrt zu seyn. Drei Bauern vonSantenS traten zusammen und kanten im Jahr 18Ü1 das kleine Gotteshaus. Solauge der Bau währte, quoll Wasser an der Stelle, während man weder vor nochnachher eine Spur einer Quelle weder an dem Ort noch in dessen Nähe gesehen hat.Bald besuchten die, Gläubigen der Umgegend fleißig daS Kirchlein; vielen wurdeauffallende wunderbare Hülfe zu Theil, und jetzt decken schon Votiv-Bilder und Zeichen,Krücken, Herzen, Arme u. dgl. die Wände als eben so viele Zeugen von wundembaren Gebetserhörungen. Ebenso sah unser 18teS Jahrhundert die Wallfahrten zuunserer lieben Frau in Schmirn und Hinterriß, so wie die zur schmerzhaften Mutterin Jschgl entstehen. Ein Soldat auö der Garnison des Schlosses Ehrenberg, der auchBildhauer war, schnitzte ein Bild des nnter dem Kreuz zur Erbe fallenden Jesus undstellte eS auf einem großen Stein an der Straße auf. Um das Bild vor dem Unge-mach der Witterung zu schützen, bauten fromme Leute bald eine kleine hölzerne Kapelledarüber. Da diese an einem steilen gefährlichen Wege zwischen zwei hohen Bergenliegt, so fiel von Fuhrleuten manches Opfer und mit diesen und einigen andern frommenBeiträgen wurde im Jahre 1807 die jetzige Kapelle aufgeführt, die man gern inschweren Anliegen besucht. Im vorigen Jahrhundert suchte die Garnison des Schlossesein sehr schöner Zug bei dem Ordinariat in Augsburg um die Erlaubniß nach,den heiligen Krenzweg in ihrer Kapelle durch einen FranciSkaner einsetzen zu dürfen,und zwar aus dem Grunde:Da doch uns Soldaten diese Andacht vor allen andernobgelegen seyn soll."

Wollten wir an das Aufzählen aller durch rührend schöne Legenden und wun-derbare Ereignisse hervorstechenden Wallfahrten des BucheS gehen, wir müßten dießselbst ganz abschreiben. Noch einige derselben mitzutheilen können wir uns jedoch nicht