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versagen. In der Stiftskirche zu Jnnichen wird ein uraltes ChristuSbild verehrt, einCrucifix, an dessen Fuß Maria sitzt. Zur Zeit der Dürre pflegt die ganze PfarreSilian mit ihren Filialen einen Kreuzgang dahin anzustellen, um Regen zn erflehen,und immer folgt Erhörung der Bitte, so daß man schon mit Regen-schirmen zum Kreuzgange auszieht und gar nicht zweifelt am Erfolg des ge-meinsamen Flehens. Ist das nicht der Glaube, der Berge versetzt, und findet manihn auch bei uns in Israel? — Berühmt ist das Gnadenbild Unserer lieben Fraubei den ??. Kapuzinern in Neumarkt . Im Jahre 18Z6 wüthete dort die Cholera.Mehrere Personen des Ortes waren ihr schon zur Beute gefallen, da rief daS Volk,man solle eine Andacht zur Mutter GotteS anstellen uud das Bild von dem Seiten-altar auf den Hochaltar erheben. Anfangs fürchteten einige, durch das Zusammen-strömen der Leute möge die Seuche noch mehr verbreitet werden, endlich aber gingder Antrag durch, das Bild wurde erhoben und das Hochwürdigstc drei Tage langznr Anbetung ausgestellt. Eine unglaubliche Volksmenge strömte herbei, trotzdem daßdie Prozessionen verboten waren und — von dem Augenblicke an starb Niemand mehrin Neumarkt nnd die von der Seuche Befallenen genasen bald.
Bezeichnend für den Geist, der im Volke lebt, ist der folgende Vorfall. ImJahr 18V8 am 8. März übertrug man das Bildniß der Mutter GotteS ans seinemalten Sitz zu Montagnaga nach Civezzano . Unsere Schreier über Götzendienst und Bilder-anbetung werden denken, nun seyen auch alle Wallfahrten dem Bilde nachgezogen,Montagnaga sey vercdel; so aber dachte das katholische Volk nicht: das Bild hat ihmnur Bedeutung durch den Ort, wo es steht; an dem und keinem andern Ort spendetdas Urbild des VildeS seine Wohlthaten, hilft eS durch seine Fürbitte. Nach wie vorzogen die Wallfahrer nach Montagnaga und verehrten die Gnadenmutter an der Stelle,wo sie so viel Gnaden schon erwiesen hatte, auch ohne daß ihr Bild da stand. Umdie Leute zu zwingen, nach Civezzano zu ziehen, schloß man alsdann die Kirche vonMontagnaga und verbot alle geistlichen Verrichtungen dort; aber auch das war ver-gebens. Irgend Jemand, wer weiß man nicht, hängte von außen an die Mauer einMaricnbildchen auf, und vor diesem betete die fromme Menge nach wie vor. Einigenheißblütige» Deutschen aber wollte es nicht in den Kopf, daß man sie nicht in dasHauS Mariens lassen wolle, wo ihre Ahnen seit fast einem Jahrhundert gebetet hatten;sie holten einen Baumstamm, um die Kirchthüre zu stürmen, und sie öffnete sich ohneirgend eine Verletzung auf den ersten Stoß. Vivat rief alles Volk, nnd unter demSingen jubelnder Maricnlieder zog eS in die Kirche ein und hielt seine Andacht. DaSerbitterte die Josephiner, von denen all diese Chicanen ausgingen, sie reauirirten vierSchergen von Montagnaga und wollten die Deutschen verhaften, die daS Thor geöffnethatten. Es gab Widerstand, die Schergen feuerten wohl achtmal ihre Flinten ab,aber Niemand wurde beschädigt; einer selbst bezeugte, zwei Kugeln auf die Brust be-kommen zu haben, ohne daß sie ihn im mindesten verletzten. Endlich rief der Häscher-hauplmaun, der GotteS Hand darin sah: „Gegen Maria vermag menschliche Mach«nichts, wir haben Wunder genug gesehen. Laßt uns gehen!" Uud er gab demCuratgeistlichen der Kirche Geld für zwei heilige Messen und ging mit seinen Leutenweg. Später schenkte er der Kirche noch ein schönes Meßgewand, das noch dort auf-lewahrt wird. Die Bewohner der Gegend aber ruhten nun nicht, big der Kaiserdie Zurückbiingung des BildeS gestattete, und im größten Triumph, u»Ur der heiligstenBegeisterung wurde eS am 30. April des folgenden Jahres wieder an seine alteStelle gesetzt.
Das wären einige Proben aus dem WallfahrtSlebcn in Tirol, und wir glauben,sie sind schön genug, um zur Nachahmung anzufeuern. An ähnlichen andern ist daSBuch reich, dem wir sie entnommen haben, und das keiner ohne große Erbauung undfromme Rührnng zu lesen vermag, das wir darum mit bestem Gewissen empfehlenkönnen und in jeder katholischen VcreinSbibliothek sehen möchten. Seine Lcctüre dürftejetzt vor allem von großem Nutzen seyu, jetzt wo auch unter nnS das Wallfahrten wiedermehr und mehr auflebt, wo die Gnadenorte an den Festtagen wieder mehr besuch: