Ausgabe 
13 (31.7.1853) 31
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faltiger man ihn beobachtete, desto mehr mußte man sich bald von der Reinheit seinerAbsichten und der Aechtheit seiner Frömmigkeit überzeugen. Schon hatte er sich alsodas Vertrauen vieler und angesehener Bürger erworben, und die Gaben, womit erseinen Kranken Erquickimg verschaffte, wurden ihm immer bereitwilliger gewährt. Dabrach eine andere Verfolgung, die ihn viel schmerzlicher berührte, aus. Die in demKrankenhause, worin er sich aufhielt, angestellten Wärter waren keineswegs von jenemGeiste uneigennütziger Liebe, der den frommen Johannes erfüllte, beseelt. Sie ver-nachlässigten ihren Dienst, behandelten die Kranken mit Härte, und verwendeten nichtimmer mit Treue,, was zur Pflege derselben bestimmt und ihnen anvertraut war.Johannes machte ihnen zuweilen liebreiche Vorstellungen, aber viel mehr noch alsseine Worte war sein Thun und Wirken unter den Kranken eine Strafpredigt, die sienicht länger ertragen konnten. Sie beschlossen, sich seiner zu entledigen, und es gelangihnen. Johannes erhielt eines TageS von den Vorstehern des SpitalS die unerwar-tete Weisung, daß ihm der Zutritt in die Krankenzimmer nicht serner könne gestattetwerden. Tiefer als jede andere Kränkung mußte er diese Maaßregel empfinden. Siesonderte ihn von seinen geliebten Kranken und schien ihn mit einemmale aller Mittelzu berauben, seinem Berufe zu leben. Aber eS war nicht so. Gott hatte diese Ver-folgung mir zugelassen, um ihm einen viel größeren Wirkungskreis zu eröffnen.

(Fortsetzung folgt.)

Ein GlaubenSbekeuntniß am Sterbebette.

Ein vornehmer Beamter, der in seinem Glauben und in seinen religiösen Ansichteneben so tief gesunken war, als er in seiner amtlichen Stellung hoch gestanden, machtefich'S znm angelegentlichsten Geschäfte, selbst auch in Gegenwart seiner häuslichenUmgebung über Glauben und Religion tüchtig loszuziehen und zu zeigen, daß er eineunbesiegbare Verachtung gegen alles das im Herzen trage, was Gott und Religionbetrifft. Wunderbar genug: der allweise Gott hatte diesem Freigeiste eine wahrhaftbrave Katholikin, ein Muster wahrer Tugend und Frömmigkeit, zur Gemahlin gegeben.Doch sie vermochte nichts gegen den Unglauben ihres ManneS.

Da erkrankte auf einmal das einzige Kind, welches der Himmel diesem Ehepaaregeschenkt, ein achtzehnjähriges Mädchen voll guter Eigenschaften. Mit sorgsamerPflege hatte sie ja die edle Mutter sür Religion und Tugend herangebildet, alleinauch die gottlosen Grundsätze des irreligiösen Vaters hatten im jugendlichen Herzenhin und wieder Anklang gefunden, und wären vielleicht unter dem schlimmen Einflüsseder argen Welt alsbald über die besseren Gesinnungen, die ihr die liebende Muttereingepflanzt hatte, Herr geworden, wenn nicht der himmlische Gärtner sich frühzeitigum diese zarte Blume umgesehen hätte. Mit jedem Tage drohte die Krankheit desKindes gefährlicher zu werden, und schon schien kein Mittel zur Rettung mehr vor-handen: da saß denn eines TageS der besorgte Vater mit nassen Augen am Kranken-bette des theuren Mädchens und pflegte seiner mit väterlicher Theilnahme und troa>nete eben den Angstschweiß von der bleichen, kalten Stirne der geliebten Tochter,als sich daS gute Kind aufrichtete, dem Vater starr in'S Auge blickte und ernstenToneS zu ihm sprach:Vater, ich fürchte daß mein Ende naht; ich muß Dichjetzt noch um Etwas fragen. Sag' mir einmal was muß ich nun glaubendas, was Du mich gelehrt oder was meine Mutter mich zu glauben lehrte?"Wie ein Blitzstrahl fuhrS durch die Seele deS überraschten Vaters, er senkte seinenBlick und sprach:Kind! glaube fortan nur, was deine fromme Mutterdich gelehrt hat."

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

Verlags - Inhaber: F. C. Krem er.