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mehr vorhanden ist, was früher hier aufbewahrt wurde. Diese kleineren Reliquienkönnen nicht von der Galerie herab gezeigt werden, da kein Auge so fernsichtig seynmöchte, sie in solcher Höhe zu unterscheiden. Sie werden daher während der Heilig«thumSsahrt in der Sacristei, aber auch im Lauf des JahreS auf Verlangen den Fremdenvorgezeigt; sie werden in kunstvoll gearbeiteten Kiftchen und Monstranzen ausbewahrt,die auch durch den Reichthum an kostbaren Steinen, Perlen und Gemmen einen hohenWerth erhalten. Zu diesen kleinen Heiligthümern gehören z. B. das silberne vergol-dete mit werthvollen Steinen besetzte Brustbild Carls des Großen, in welchem derSchädel des Kaisers aufbewahrt und gezeigt wird; dann in einem silbernen vergol-deten Behälter ein Theil von einem Arm Carls des Großen. Die Einfassung be-sorgte Ludwig Xl., König von Frankreich . Außerdem bewahrt man das JagdhorndeS Kaisers auf, welches aus Elfenbein gearbeitet ist. Neben diesen Ueberbleibselneines großen Mannes zeigt man eincn reichverzierten Rcliquienbehälter in der Formeiner gothischen Kirche, in welchem ein Stück von dem Rohr aufbewahrt wird, mitwelchem Christus verspottet wurde; dann ein Stück des Schweißtuches, womit seinAngesicht im Grab bedeckt gewesen zc. Außer diesen Reliquien bewahrt die StiftS«kirche aber auch noch andere Gegenstände auf, welche neben dem kirchlichen ein künst-lerisches oder antiquarisches Interesse in Anspruch nehmen. Hierher gehört eine antikeChorkappe von ganz eigenthümlicher Form, welche Papst Leo lll. bei der Einweihungdes Münsters im Jahr 804 getragen hat; eine Kasel von Seide, mit welcher derheilige Bernhard von Clairvaur im Jahre 1146 bei seiner Anwesenheit in der AachnerKirche bekleidet war; ein sehr kostbares Marienkleid, welches mit ungemein vielenächten Perlen, mit 70 in emaillirtem Gold eingefaßten Diamanten, und ein gleichesKleiv für das Jesuskind, welches mit 34 Diamanten besetzt ist. Beide werthvolle Stückesind Geschenke der Jnsantin von Spanien , Jsabella Clara Euzenia; zwei Kronen vongediegenem Gold und reich mit Edelsteinen und Pcrlcn besetzt — Geschenke der KöniginMaria Stuan; ein reich mit Gold gesticktes, mit Perlen besetztes Kleid für die heil.Maria und das Jesuskind; Geschenke Kaiser Josephs I.; eine Evangelicnkanzel, welcheKaiser Heinrich II., dann der bewundcrnSwerthe, große Leuchter über dem Grabe CarlsdeS Großen, den Kaiser Friedrich 1. dem Münster schenkte; der Krönungsstuhl, aufwelchem die Leiche Carls des Großen 352 Jahre im Grab gesessen, und der seinenNamen daher erhielt, weil die neugekcönten römischen Kaiser ans demselben sitzend dieBeglückwünschungen der Kurfürsten und der Großen deS Reichs entgegennahmen. Außerdiesen Gegenständen bewahrt die Stiftskirche zu Aachen viele andere, welche auch vonden Freunden der Kunst uud deS Alterthums mit Interesse und Besrievigung betrachtetwerden.
Die Aachener HetligthumSfahrt im Jahre 1S1V.
Die eben stattgehabte Wiederholung der feierlichen Ausstellung der großen Re-liquien der Krönungskirche zu Aachen ist eine passende Gelegenheit, an die wohl nurWenigen bekannte Schilderung des „grancl parelou ü >'otrg »ams ä ^z>x" zu erinnern,welche sich in dem vor Kurzem von H. Michelant aus Kosten des Stuttgarter litte-rarischen Vereins herausgegebenen merkwürdigen „Gedenkbuch deS Metzer BürgersPhilippe v. Vigneullcs aus den Jahren 1471 bis 1522" befindet. Ueber Thionville,Luxemburg u. s. w. gelangte der vielgereiste Metzer nach Maestricht, von da begaber sich mit seiner Gesellschaft nach Aachen . „Wir trafen unterwegs so viele Menschen,daß es zum Verwuuvern war. Als wir Abends die Höhe erreichten, von welcherman auf Aachen hinabblickt, schien es uns, die Kirche stehe in Feuer unv Flammen,so groß war die Zahl der Lampen, welche ringS um diese Kirche brannten. Es warfast Nachl, und so leuchtete es um so Heller, und die großen Glocken läuteten, undeS war ein herrlich Ding, dieß auf dem Berge zu sehen und zu hören. Der Anlaßzu dem großen Fest war, daß am nächstfolgenden Tage die Einweihung der gedachtenKirche gefeiert ward: deßhalb war sie von innen und außen erleuchtet, und die Glocken