Ausgabe 
13 (7.8.1853) 32
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Einige Jahre lang hatte Johannes 'mit diesen seinen Gefährten sein frommesWirken fortgesetzt, und sie nicht bloß durch sein Beispiel angefeuert, sondern ihrenEifer auch durch weise Einrichtungen geleitet. Indem er aber nun nachdachte, wieman Vorsorge treffen könnte, daß die Anstalten, die ihm Gottes Vorsehung anver-traut, nicht nur fortbestünden, sondern auch fortwährend im Geiste christlicher Barm-herzigkeit verwaltet würden, schien ihm hierzu der sicherste Weg zu seyn, wenn er sichmit seinen Gefährten dem Orden deS heil. Johannes von Gott , der, wie schon er-wähnt wurde, eben damals auszublühen anfing, anschlösse. Er fand, wie in demheiligen Stifter, so auch in der ganzen Einrichtung dieser frommen Gemeinschaft jenenGeist, den er suchte, und den er selbst, ohne es zu wissen, in reichlicher Fülle besaß.Seine Gefährten vernahmen den Entschluß, den er gefaßt, mit Freuden, und imJahre 15-9, achtundzwanzig Jahre nach dem Tode deS heil. Johannes von Gott ,begab er sich mit ihnen nach Granada , um bei den höchsten Vorstehern des Ordensum die Aufnahme nachzusuchen. Sie wurde ihm um so leichter gewährt, als manihn und seine Genossen als schon erprobte Jünger des Ordens betrachten konnte. Sokehrte also Johannes mit dem Kleide und den Regeln der barmherzigen Brüdernach Terez zurück, und wurde von den Einwohnern desselben mit um so größerer Freudebegrüßt, als sie nutt hoffen durften, daß er, auch wann einst Gott aus diesem Lebenihn abrufe, unter ihnen fortleben werde.

Johannes und seine Brüder wivmeten sich mit neuem Eifer den frommen Werkenihres Berufes. Bevor wir jedoch über diese das Nähere berichten, müssen wir nocheine bedeutende Ausdehnung seiner Wirksamkeit erzählen. Der Erzbischos von Sevilla,zu dessen Sprengel Lerez gehörte, hatte seit einer Reihe von Jahren zugleich mit denBerichten über deS frommen Johannes und seiner Gefährten segensreiche Thätigkeitüber andere ähnliche Anstalten der Stadt Klagen erhalten, die ihn mit Unwillen undSchmerz erfüllen mußten. Nachdem er manche Mittel versucht hatte, die Aufseherund Diener jener Häuser zur gewissenhaften Erfüllung ihrer Pflichten zu vermögen,beschloß er endlich, da alle seine Bemühungen vergeblich waren, sämmtliche Anstaltendieser Art unter die Leitung Johannes' zu stellen. Er berief ihn also zu sichnach Sevilla. Johannes, der bereits gnvohnt war, das Leiden für Gott als seingrößtes Glück zu betrachten, folgte diesem Rufe nm so bereitwilliger, als ihmim Gebete geoffenbart worden war, daß er sich ans neue schwere Kämpfe gefaßthalten müsse.

Zu Sevilla angekommen, ward er von mehreren Edelleuten dringend gebeten,bei ihnen Wohnung zu nehmen; aber er zog es vor, nachdem er zuerst die Kirchebesucht und vor dem Hochwürdigen gebetet hatte, bei einem armen Bürger, der ihmein Zimmer bereitet hatte, einzukehreu. Auch dort war seine erste Beschäftigung dasGebet, und ohne seinem ermatteten Leibe irgend eine Erquickuug der Ruhe zu gönnen,harrte er in demselben mehrere Stunden aus. Als er mm vor den Erzbischos kamund von ihm vernahm, weßhalb er ihn zu sich bcschieden, war cS ihm sofort ein-leuchtend, welcher Art die Leiden und Kämpfe, die ihm angekündigt waren, seynwürden. Denn die Personen, die theils seiner Leitung unterworfen worden, lheilsauch ihm und seinen Brüdern in ihrer Amtsführung weichen sollten, waren ihm zuwohl bekannt, als daß er hätte hoffen dürfen, sie würden sich ohne den heftigstenWiderstand dem Willen des Erzbischofes fügen. ES war jedoch nicht die Furcht vordem, was er zu leiden haben würde, sondern aufrichtige Demuth, die ihn bewog,dem Erzbischofe Gegenvorstellungen zu machen. Er glaubte sich einer so großen Bürdenicht gewachsen, und besorgte, daß das Gute, welches er etwa stiften könnte, mit demBösen, das jene Maaßregel veranlassen würde, in keinem Verhältnisse stehen möchte.Der Prälat wollte ihm nicht Gewalt anthun, nnd suchte ihn in mehr als einer Unter-redung durch Gründe zu überzeugen. Als er aber erkannte, daß die eigentliche Ursache,weßhalb Johannes Widerstand leistete, die geringe Meinung war, die er von. sichselber hatte, beschloß er, die Demuth durch die Demuth zu besiegen. Er wußte wohl,daß diese Tugend, wenn immer sie aufrichtig ist, gehorsam macht. Er hörte also