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aus, Gründe vorzubringen, und erklärte seinen entschiedenen Willen: da neigte Johannesdas Haupt und übernahm das Amt, das ihm zugedacht war.
Er kehrte nach Zcrez zurück; aber die Nachricht von dem, was in Sevilla ge-schehen, war ihm vorausgeeilt, und hatte die Wirkung hervorgebracht, die cr voraus-gesehen. Die Menschen, welche in den verschiedenen Häuser«, über die er die Auf-sicht übernehmen sollte, angestellt waren, beschlossen in ihrem Zorne, kein Mittel un-versucht zu lassen, um die Absicht des ErzbischofeS zu vereiteln. Sie ersannen Ver-läumdungen wiver den Diener Gottes u.id verbreiteten sie durch die ganze Stadt.Diese Verläumdungen waren aber mit solcher Schlauheit ausgedacht, daß sie, wenig-stens beim großen Haufen, eben so leicht Glauben finden, als den Jugrim desselbenreizen mußten. Johannes hoffte, durch Sanstmuth und Geduld die Aufregung, inwelcher er das Volk fand, zu beschwichtigen. Aber vergebens. Der Sturm wardimmer heftiger. Wo er sich blicken ließ, rief man ihm Schimpfredcn nach, und dieKinder verfolgten ihn mit Steinwürsen. Es scheint unbegreiflich, wie dieß Volk einenMann, der nun schon eine lange Reihe von Jahren die Wohlthaten seiner Liebe unterihm verbreitet, der nicht nur seine Kranken verpflegt und seine Todien begraben,sondern auch vielen seiner Armen, Wittwen und Waisen Obdach, Kleidung, Nahrungverschafft hatte, so verkennen und als seinen gefährlichsten Feind verfolgen konnte.Aber wer weiß nicht, wie oft eö Bösewichtern gelingt, daö Volk zu beihören, undwie schrecklich des Bethörten Leidenschaften sind. Es kam so weit, daß Johannes,um deS Lebens sicher zu seyn, das Spital sast nicht mehr verlassen durfte.
Er rief in seiner Noth zu Gott, und nachdem er nvch eine Zeitlang diese neuePryde der Geduld und Demuth bestanden hatte, ward ihm Hülfe zu Theil. EinMensch, der einen Gefährten Johannes', welcher um ein Almosen für die Krankenbat, mit vielen Beschimpfungen aus seinem Hause getrieben hatte, starb, wie derDiener Gottes vorhergesagk halte, nach drei Tagen eines jähen ToveS. Ein anderer,der in das Spital kam, um dem frommen Johannes die größten Unbilden zu sagen,war kaum in sein Haus zurückgekehrt, als er von einem heftigen Fieber befallenwurde. Johannes, obgleich selber krank, raffte sich auf, um ihn zu besuchen; aberder hartherzige Mensch wies nicht nur die milden Reden, womit er ihn zum Ver-irauen auf Gottes Barmherzigkeit ermunterte, trotzig ad, sondern wollte auch nichteinmal gestatten, daß Johannes neben seinem Betre für ihn bete. Johannes ent-fernte sich tief erschüttert, und sagte zu dem Bruder, der ihn begleitete, daß auchdieser vom Tode unversehens werde hingerafft werden. Am andern Morgen erfülltesich seine Weissagung. Diese Vorfälle, in welchen man die strafende Hand ÄotteSerkannte, und manche andere Umstände, welche die Vorsehung herbeiführte, brachtedaö Volk zur Besinnung, und Gott, der alles dieß nur zur Prüfung seines Dienerszugelassen hatte, bewirkte, daß nun Johannes' Unschuld eben so schnell allgemein an-erkannt wurde, als die Verläumdung Glauben gefunden hatte.
(Fortsetzung folgt.)
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Borenthaltenes Abendmahl.
In Halle bringt das dortt'ge protestantische „Bolksblatt für Stadt nnd Land"vom 8. Mai 1853 die folgende lehrreiche Erzählung: „Schweren Herzens fuhr JohannHarmening, ein armer Hcuerling, an einem kalten Abend im Advent über die Haide,zu dem anderthalb Stunden entlegenen Kirchdorfe hin, um den (protestantischen)Pfarrer zu seiner sterbenden Frau zu holen. Der Bauer, auf dessen Hofe er lebte,hatte einen Ackerwagen und seine Pferde gegeben, und war bemüht gewesen, mittelstStroh und Decken einen warmen Sitz für den geistlichen Herrn zu bereiten. Dieser,ein stattlicher junger Mann, in der ersten Hälfte 'der Dreißiger Jahre, saß, nachwohleingenommenem Abendessen, mit einer Cigarre am warmen Ofen, als Johannmit seinem Anliegen vor ihn trat; anführend daß, so gewiß menschliche Dinge wären,