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auf Allgemeinheit. Und sein Amt, obwohl nothwendig in der Welt ausgeübt, zuweilenin Freundschaft, zuweilen in Streit mit der weltlichen Macht, hat eS ausschließlichzu thun mit den Beziehungen des Menschen zur unsichtbaren Welt; so daß es indieser Hinsicht in der That ein „„Königreich deS HimmelS"" auf der Erde ist, dessenverschiedene Theile zusammengehalten werden durch ihre gemeinschaftliche Vereinigungmit einem Oberhaupte.
2. Aber ferner ist diese Hierarchie so zahlreich, so weit verbreitet und so ver-einigt im Besitze eines weitläufigen Lehrgebäudes, von dem sie steif und fest behauptet,daß eS von dem Herrn ihr durch seine Apostel Übermacht sey. Dieses Lehrgebäudeist einfach, zusammenhängend, systematisch, ein Ganzes bildend, welches alle Verhält-nisse deS Menschen zu Gott umfasset, von der Erschaffung deS ersten Menschen abbis zum allgemeinen Weltgerichte. Die Bischöfe und Priester in ihm Pflegen nichtdarüber zu zanken, waS dieses Lehrgebäude sey; denn Alles, was das christliche Lebenbetrifft, ist schon vor langer Zeit deutlich bestimmt und festgesetzt. In der langen Zeitvon achtzehnhundert Jahren sind freilich wohl Zwiste darüber entstanden, aber sie sindalsdann in Folge gemeinschaftlicher Berathung beendiget; Personen, die anders dar-über dachten, als der ganze Leib, wurden gezwungen auSzutreten, und die Wahrheitist durch diese Zwistigkeitcn nur um so schärfer bestimmt worden..... Dieses Lehr-gebäude .....wird der Glaube genannt, und jedeö Mitglied dieser Kirche muß eS
nothwendig glauben und für wahr halten. Es ist augenfällig, daß solch' ein Lehr-gebäude nicht würde bestehen können ohne eine zu allen Zeiten bestehende Macht, umzu erklären was dazu, und nicht dazu gehört; denn wäre eS bloß in einem Buchegeschrieben, Zwistigkeiten ohne Ende würden über den Sinn des Buches entstehen.
3. Aber dieses große und geistliche Reich mit einer so weit ausgedehnten unddoch so innig verbundenen Hierarchie, und einem so weitläufigen und doch zugleich sobestimmten Lehrgebäude, stellt seinen Richterstuhl auf das Herz und Gewissen einesJeden, der zu diesem Reiche gehört. Kraft gewisser von seinem göttlichen Stifter zuseinen Aposteln gesprochener Worte tritt es als eine lebende Macht zwischen beiden,zwischen dem Menschen und seinem Gott vermitielnd auf; übt die besondere MachtdeS Hauptes aus, und behält oder vergibt die Sünden in seinem Namen. Es tritt
nicht zurück vor dem Hochmuths, der Hartnäckigkeit.....der menschlichen Natur,
sondern faßt sie an ihren verborgensten Falten, und zwingt sie, auf Erden die StimmedeS Richters der Lebendigen und der Todten zu hören. DaS Ansehen, das sie bean-sprucht, ist so groß, so furchtbar, von so unberechenbarem Belange für die, welchein ihm leben, so sehr über die natürlichen Kräfte deS Menschen erhaben, daß eSoffenbar entweder göttlich oder teuflisch ist. Vor Hunderten von Jahren war eS derGegenstand zahlloser Vorwürfe, welche diejenigen, die ihm nicht angehörten, gegendieses Reich richteten, und doch besteht eS noch; eS ist kein Zeichen daran vorhanden,daß es aufgegeben oder verändert wäre. Es besteht unter allen Negierungsformen,absoluten und konstitutionellen Monarchien, oder wilden Demokratien, deren wesent-liches Geheimniß die vollkommene Unabhängigkeit deS menschlichen Willens ist. Und,waS bemerkenswerth ist, die gottessürchtigsten und heiligsten Menschen, welche in die-sem geistlichen Reiche lebten, und deren Leben ein beständiges Opfer ihrer eigenenBequemlichkeit, ihrer Sorgen, ihrer Leiden und ihres Willens, das sie Gott darbrach-ten, war, sind am beflissensten gewesen, um diese richterliche Gewalt über die Ge-wissen der Menschen aufrecht zu halten, uud am geschicktesten sie auszuüben. Sie istviele Geschlechter hindurch der Lieblingsgegenstand deS Spottes der Ungläubigen, unddie beständige PrariS der Heiligen gewesen.
4. Aber weiter: Dieses Reich durfte die theuersten Neigungen des natürlichenMenschen dem ununterbrochenen Dienste Gottes opfern. Es fordert von allen den-jenigen, welche sie für daS Lehramt gebraucht, die Verläugnung der Freiheit, sichdurch Bande zu binden, welche daS Evangelium selbst nicht zn verbannen, sondern zuheiligen sucht. So fordert diese Konfession, welche die Ehe als ein Sacrament ver-ehrt, von all' den Mitgliedern ihrer Hierarchie, mit Einschluß der Subdiakonen, daß