Ausgabe 
13 (11.9.1853) 37
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sie spricht: Ei waö, man lebt ja nur einmal! Und sie geht auf den Tanzboden undehe sie wieder nach Hause kommt, hat sie vielleicht ihre Unschuld verloren. Dennochweiß auch ich Euch keine bessere Ermahnung zu geben, als wenn ich Euch zurufe:Christen man lebt nur einmal! Von diesem kurzen Leben hängt viel, hängt Alles ab.Wenn wir hler aus Erden den Einsprechungen deS heiligen Geistes und den Ermah-nungen unseres Schutzengels getreu bleiben, so werden wir in das himmlische Jeru-salem eingehen und Gott von Angesicht zu Angesicht schauen. Wer aber mit einerTodsünde auf dem Gewissen vom Leben scheidet, der wird daS furchtbare Wort ver-nehmen: Geht hin in das ewige Feuer, welches den Teufeln und seinen Engelnbereitet ist: denn wie der Baum fällt, so bleibt er; fällt er gegen Mittag, so bleibter gegen Mittag; fällt er gegen Mitlernacht, so bleibt er gegen Mitternacht, Wirleben nur einmal und was wir in diesem Leben versäumen, das können wir in Ewig-keit nicht wieder nachholen; waö wir in diesem Leben verlieren, das können wir inEwigkeit nicht wieder gewinnen. Wenn man Euch in ein großes Haus voll Goldund Silber fuhren und sagen würde: Eine Stunde hast du Zeit, alles Gold undSilber, was du in dieser Stunde fortträgst, das gehört dir! sobald aber die Uhrgeschlagen hat, ist eS damit vorbei; würdet Ihr Euch schlafen legen oder ein StückBrod herausziehen und in aller Bequemlichkeit essen? Ich denke wohl, Ihr würdet.Euch die Mühe nicht reuen lassen, zuzugreifen und so lange die zugewiesene Stundewährt, weder ans Essen, noch ans Schlafen denken. Nun wohl! Gott hat dich indas Leben gesetzt und spricht: so lange dieß zeitliche Leben währt, kannst du dirSchätze erwerben, welche kein Dieb zu stehlen und keine Motte zu zernagen vermag,kannst du theilhast werden ver Verheißungen Jesu Christi. Sobald ich dich aberabrufe, ist es mit dem Erwerben und Einsammeln vorüber; was du hier hast gewählt,es sey Fluch oder Segen, das wirst du behalten in alle Ewigkeit. Sollen wir uns ,die Mühe reuen lassen, diese kostbare, unwiederbringliche Zeit gm zu benutzen? Dassey ferne von unS; denn das wäre eine Thorheit, welche wir in der ganzen Ewigkeitfruchtlos bereuen würden Was sollen wir also thun? Sollen wir Alle in die Wüstegehen, wie der heilige Johannes der Täufer gethan hat? Das sollen wir nicht. Auchunsere liebe Frau, die Königin der Heiligen, die Mutter unseres Herrn hat dieß nichtgethan, und auch der heilige Joseph, den der Sohn Gottes wie einen Vater ehrt,hat es nicht gethan, Beide leblen in einem kleinen Hause zn Nazareth still und ein-fach von ihrer Hände Arbeit und äußerlich an ihnen war gar nichts zu bemerken,was von der Lebensart gewöhnlicher Menschen abwich. Ein jeder diene Gott an demOrte, wohin die Fürsehung ihn gestellt IM, mit reinem Herzen,Ein jeder beharrein dem Berufe, zu welchem er berufen ist;" spricht der Apostel Paulus . Erfüllt EureBernfSpflichten mit einer guten Meinung, dann habt Ihr Alles gethan, was noth-wendig ist, um ein Kapital, das im Himmel Zinsen bringt, anzulegen und könnet,wenn der Herr ruft, mit Vertrauen sagen: Herr, laß deinen Knecht in Frieden fahren!

Vor langer Zeit es sind schon dritthalbtausend Jahre her geriethen inder großen Stadt Rom die Einwohner mit einander in Zwiespalt. Es ging, wie esbei Streitigkeiten häufig geht; genau genommen, hatten beide Theile Unrecht. DieEinen verlangten Unbilliges und die Andern wollten nicht einmal das Billige geben.Endlich thaten die Aermern sich zusammen, schlugen auf einem Berge il)r Lager aufund sagten unter einander, sie wollten mit den Obrigkeiten und mit den vornehmernLeuten gar nichts mehr zu thun haben, sondern sür sich allein lebe». Da kam einkluger Mann und erzählte ihnen folgendes Gleichniß: Die Glieder des menschlichenLeibeS fingen einmal zu zanken an, Der rechte Fuß sprach: Warum sollen wir zweiimmerfort euch alle tragen. Die Hände können auch einmal mit uns abwechseln oderunserthalb magS der Kopf probiren, wenn nur wir Ruhe haben. Der linke Fußstimmte ihm bei. Die Hände schrieen aber noch lauter. Wir wollen nicht ohne Endefür euch Andere arbeiten. Wendet euch deßhalb an den Bauch; er ist lange genugmüssig gewesen. Aber auch der Magen war nicht zufrieden. Meint ihr, sprach er,es ist so leicht, Alles zu verdauen, was der Mund verschlingt? Warum soll denn ichallein für euch die Küche abgeben? Seht euch um einen Andern uml So schrieen die