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Glieder durcheinander und trotzten und wollten nicht nachgeben. Die Füße rasteten,die Hände rasteten, der Magen aber nabm keine Speise mehr an. WoS geschah?Der Magen schrumpfte ein, die Füße und Hänic verloren ihre Kraft, der ganze Leibsank in tödtliche Ermattung hin. Wollt ihr, daß es euch auch so ergehe? sprach derkluge Mann, und die streitenden Theile versöhnten sich.
Dieß Gleichnis) enthält eine gute Lehre, welche man sich auch heut zu Tagenoch zu Nutzen machen kann. Die menschliche Gesellschaft hat wie der menschlicheLeib sehr verschiedene Glieder und kann nickt bestehen, wenn nicht alle ihre Glieder,jedes an seinem Orte, in ihrem Beruft thälig sind. Die Landleute können nicht selbstihre Kleider und Schuhe machen oder gar das Tuch für die Kleider weben und daSLeder für die Schuhe gerben. Das würde schlecht ausfallen. Laudleute und Hand-werker köunen nicht alle Gesetze studiren und die vielen Schreibgeschäftc verrichten,welche bei der Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten nothwendig sind. DerLandmann, der Handwerker, der Beanuc kann nicht in eigener Person für die Erhal-tung der Sicherhett und die Vertheidigung des Vaterlandes sorgen. Dagegen kannaber auch der Hanewerker, der Beamte, der Soldat nicht zugleich den Äcker pflügenund den Garten bearbeiten. Die verschiedenen Stände der mxnschlickcn Gesellschaftgehören zusammen, wie im menschlichen Leibe Kopf und Magen und Hände undFüße. Darum will Gott , daß Jedermann an dem Orte, wohin ihn die Fürsehunggestellt hat, mit Fleiß und Treue sein Tagewerk vollende. Er dient dadurch allenAndern und alle Andern dienen ihm, und wenn er seine Berufsgeschäsle aus Liebezu Gott verrichtet, so dient er zugleich Gott dem Herrn und wird dafür das ewigeLeben haben.
Ihr Landleute thut, wie Adam, unser Aller Stammvater, gethan hat, Ihr bauetdas Feld, daß es Frucht bringe durch Eurer Hände Arbeit und den Segen des Vatersim Himmel. Das ist mitunter ein beschwerlicher Beruf. Im Sommer brennt dieSonne heiß und Regen und Schnee darf man auch nicht scheuen, wenn man Etwasvorwärts bringen will. Von früh Morgens bis spät Abends ackern oder dreschen, daSGetreide schneiden oder das Heu mähen, ist keine Kleinigkeit. Aber den Beschwerdenund Leiden kann der Mensch in diesem sterblichen Leben eben so - wenig entgehenals dem Tode. „Die Erde soll verflucht seyn um deinetwillen und im Schweißedeines Angesichtes sollst du dein Brod essen!" so sprach der Herr zu Adam. Dieß istauch für uns gesprochen. Derjenige, an welchem daS Worr des Herrn nicht buch-stäblich erfüllt wird, der hat andere Arbeiten zu verrichten, welche "oft schwerer sind,als hinter dem Pfluge stehen und das Korn einbringen. Wer aber im Müßiggängedahinlebt, der wird cS inne, daß man der Anordnung Gottes nicht ungestraft wider-strebt. Es plagt ihn die Langeweile, hundert unnütze nnd gefährliche Gedanken kom-men ihm, die Leidenschaften reißen ihn mit sich fort und verleiten ihn zu Thorheitenund Sünden. Nur allzu oft sind solche Leute unglücklich in der Zeit und nock unglück-licher in der Ewigkeit. Der Tod des Selbstmörders ist der schrecklichste Tod, weil derMensch sich von der Z.^idc beladen vor Gottes gerechten Richterstnhl drängt; abernur jene sterben dieses Todes, wclcheu das Lebeu unerträglich scheint. Wo sind nunmehr Selbstmörder zu finden? Unter den Leuten, welche fleißig arbeite», oder unterden Leuten, welche bloß essen, trinken, spielen uud allen ihren Lüste» uachgeheu?
Wenn aber der Beruf des Landmannes auch seine Beschwerden hat, so ist erdoch ein wichtiger und ein schöner Berns. Er ist ein wichtiger Bcrus, weil er gleich-sam die Grundlage der menschlichen Gesellschaft bildet. Essen muß man alle Tageund die meisten Menschen wollen drei Mal oder noch öfter in Tage essen. Wennaber der Landmann nicht das Feld bestellen, den Garten pflegen und die Heerdenhüten würde, so müßten alle übrigen Huuger leiden. Ihm selbst würde es dann frei-lich auch nicht besser gehen. Der Beruf des Landmanncs ist ein schöner Beruf: dennoer Landmann lebt und wirkt in Gottes freier Natnr und kann recht eigentlich sagen,daß alle Freuden und Leiden, welche sein Stand iM't sich bringt, von Gott demHerrn kommen. So viel auch die Menschen erfunden haben, gutes und schlechtes
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