Ausgabe 
13 (11.9.1853) 37
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Wetter zu machen haben sie noch nicht erfunden und werden eS auch nicht erfinden.Wenn im Winter der Schnee die Saaten bedeckt und bewahrt, wenn im SommerRegen und Sonnenschein zur rechten Zeit kommt, wenn die Bäume voll Früchte sindund das Gelreide mit schweren, vollen Aehren die Felder bedeckt, so hat doch gewißder himmlische Vater diesen Segen gegeben und die Gnade nnv Kunst der Menschenhat nichts dazu gethan. Wenn aber der Frost den jungen Saaten schadet, wenn derHagel die Blüthen zerschlägt, daß die Bäume kahl und leer dastehen; wenn anhalrendeRegengüsse das Gelreide zu Grunde richten oder die Dürre das Gras nicht wachsenläßt, so ist dieß offenbar eine Schickung GotteS und die Bosheit der Menschen hatnichts dazu beigetragen. Deßwegen wird der Landmann schon durch seine täglichenSorgen und Arbeiten kräftig ermahnt, immer andächtig zum Himmel emporzublickenund seinen Gott und Herrn stets vor Augen zu haben. Dieß thut denn auch derchristliche Landmann gern und bei jeder Gelegenheit.

Der christliche Landmann verrichtet, sobald er erwacht, andächtig sein Morgen-gebet und macht vom Herzen eine gute Meinung. Mein Gott, sagt er, ich opferedir auf alle meine Gedanken, Worte und Werke; Alles, was ich heute thun oderleiden werde, aus Liebe zu Dir will ich es thun und leiden. Die heilige Schriftsagt von dem Propheten EliaS , welchem Gott durch einen Engel Speise sandte:Undin der Kraft dieser Speise ging er vierzig Tage lang bis hin zum Berge GotteS ."Eine gute Meinung, die man in der Früh recht kräftig erweckt, ist eine Himmels-speise, die Einem den ganzen Tag hindurch Kraft geben kann, vor Gott mit unbe-flecktem Gewissen zu wandeln. Gut begonnen ist ha b gewonnen. Wenn dann derchristliche Landmann an sein Tagewerk geht, so opfert er Gott seine Arbeit auf.Dazu braucht er keine lange Zeit. Die Gedanken sind schnell wie Blitz. Bei derArbeit denkt er öfters an Gott . Thut Ihr dieß, meine lieben Christen? Derjenige,der eS bis jetzt nicht gethan hat, fange noch heute cS zu versuchen an. Es wirdihn in der Arbeit nicht aufhalten, sondern fordern. Die Gelegenheit kommt wie vonselbst. Durch die Schöpfung, sagt der heil. Paulus, ist daS, was an Gott unsicht-bar war, nämlich seine Macht und unerschassene Herrlichkeit, sichtbar geworden.Ihraber habt GotteS Schöpfung im Garten, auf dem Felde, im Weinberge immer vorAugen und zwar so, wie sie aus seiner Hand hervorgegangen ist, nicht so wie dieMenschen sie sich für ihre Zwecke zurecht gerichtet haben: denn freilich ist Alles, waswir sind und haben und sehen, Gottes Scböpfung; wenn alle Könige der Erde ihreMacht vereinigen würden, so könnten sie nicht das kleinste Bäumchen hervorbringen;man kann bloß den Same», den man nicht gemacht hat, ausstreuen, und wenn Gottdas Gedeihen gibt, wächst ein Baum empor."

Wenn ein Landmann seine Berufsarbeit auf diese Weise verrichtet, so wird sieein Gottesdienst, und wer seine Berufsarbeit in einen Gottesdienst zu verwandeln weiß,der ist gut darai,. Durch ihn wird erfüllt, was der Apostel uns anempfiehlt.Ihrmöget essen oder trinken oder waS immer thun, so thut Alles zur Ehre Gottes."Wenn er sich, nachdem er das Tischgebet verrichtet hat, niedersetzt, um sich durchSpeise und Trank zu erquicken, so wird der Herr JesuS unsichtbar bei ihm seyn, sowie er sichtbar mit seinen Jüngern beim Mahle saß. Mit dem Herrn kommt auchdie wahre Freude. Darum ermähnet der heil. Paulus die Christen:Ihr sollc euchimmerdar freuen." Wenn man hungrig ist und ein ruhiges Gewissen hat, so schmecktEinem die einfachste Kost besser, als die kostbarsten Speisen denen schmecken, welcheweder Hunger, noch ein ruhiges Gewissen haben. Wenn fromme Eltern nach voll-brachtem Tage in der Stube sitzen und den Kindern etwas erzählen oder sich vonihnen aus einem guten Buche etwas vorlesen lassen, oder wenn einige rechtschaffeneNachbarslcute zusammenkommen, so haben sie gewiß mehr wahres Vergnügen, alsdie Leute, welche im Wirthshause bis in die Nacht hinein lärmen, trinken und spielen.Die Seelenruhe und Zufriedenheit, welche Gott seinen getreuen Dienern schenkt, läßtsich nicht mit Gold erkaufen; denn sie ist besser, als alles Gold.

Aber der Freudentag des christlichen Landmannes ist der Sonn-- und Feiertag.