Ausgabe 
13 (18.9.1853) 38
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der Erde, eS steigt aus den Stätten der Läuterung als ein süßer Duft des Weih-rauches zu seinem Throne empor. Aber nicht durch das Gebet allein sollen wir demHerrn in seinen Auserwählten dienen. Die Bruderliebe, welche das Band der Geister-welt ist, bahnte jenen Weg vom Himmel zur Erde, welche sich dem schlummerndenJakob unter dem anmuthkgen Bilde der Himmelsleiter darstellte. Die Engel eilen zuunserm Schutze herab, die Engel bringen unsere Thränen unv Gebete hinauf, die Engelbehüthen uns, damit unser Fuß an keinen Stein anstoße. Die Bruderliebe soll denauf Erden Pilgernden lehren, bei all seinem Thun und Lassen und Streben und Ver-langen das Heil seiner Miterlösren vor Augen zu haben; dann kann er ihnen durchWort und That zum helfenden Engel werden, während er selbst sich theilhast machtder Verheißungen Jesu Christi .

Eines thut Noth und Alles, was wohlgefällig ist vor den Augen des Heiligenund Reinen, kann und soll diesem Einen und Höchsten dienen, jede von der Pflichtgeheiligte Verbindung, welche den Menschen an den Menschen knüpft, kann und sollein Mittelpunkt zu gegenseitiger Heiligung seyn. Doch der Heiland, welcher jedemunserer Bedürfnisse liebreich entgegenkommt, hat seine Erlösten zu einem Bunde beru-fen, in welchem Alle ihre Bemühung mit Allen vereinen sollen, damit Alle das ewigeLeben haben; er hat die Kirche gegründet, damit ihre Kinder als Glieder Eines Leibesfür ihr Heil zusammenwirken. Er selbst will das Haupt dieses Leibes seyn; von ihmkommt die Einheit und in der Einheir die Kraft. Der Nachfolger des Apostels, welchener zum Felsen seiner Kirche geordnet hat, ist das sichtbare Oberhaupt des Liebesbundes.Unter seiner leitenden Obhut walten die Bischöfe in den Kreisen, wo der heilige Geistsie gesetzt hat, die Kirche GotteS zu regieren. Um sie schaaren sich die Priester wiegetreue Söhne um den Vater, und die Segnungen des Reiches GotteS verbreiten sichbis in die engste Hütte, bis in das fernste Thal. Ueberall wird der Bruder ermun-tert, den Bruder auf dem Wege des Heiles zu unterstützen, überall wird Christi Dienereingeladen, nach seinen Gaben und Verhältnissen das heilige Feuer des Eifers zuschüren, überall vervielfältigt sich der Pulsschlag des christlichen Lebens, aber derbelebende Hauch kommt vom Mittelpuncte, welcher Chiistus der Herr ist. Durch seineFügungen war mir bereits auferlegt, eine große Anzahl seiner Erlösten ans ihn alsden Quell und Mittelpunkt des Lebens hinzuweisen. Seinen Fügungen gehorchendhab' ich der theuren Heeroe Lebewohl gesagt und trete in Eure Mitte, Piiester deSlebendigen Gottes, um ein neues uud schweres Werk zu beginnen. Ich bedarf dazuEurer Hilfe, Freunde und Mibrüder, ich bedarf dazu Eurer vereinigten Hilfe, undIhr werdet sie mir nicht entziehen; denn die Ehre GotteS und das Heil der Seelenist der Preis, welchen es gilt.

Allein wenn das Wort des heiligen Jgnatius erfüllt wird und die Priester anden Bischof sich anschließen, wie die Saiten sich an die Zither fügen, so vermag derBischof zwar sehr Vieles, aber immer noch nicht AlleS, was nothwendig ist, damitseine Kirche eine Braut Christi ohne Makel und Falte sey; denn alle Christen sindberufen, einander bei dem Geschäfte des Heiles zu unterstützen, und wenn sie diesemBeruft nicht entsprechen, so entsteht dadurch eine Lücke, welche keine Thätigkeit gott-ergebener Priester vollkommen ausfüllen kann. Ganz abgesehen von dem Großen, wasder christliche Eifer des Einzelnen zu leisten vermag, sind Alle sür Alle sehr viel, wennsie dazu mitwirken, daß über alle Gewohnheiten nnd Richtungen des Lebens die Weihedes christlichen Gedankens ausgegossen werde. Gute Gewohnheiten sind Pförtnerinnender Gnade. Freilich kann die Gewohnheit zur entseelten Form werden; aber so langedie Form noch aufrecht bleibt, gibt sie immer noch von dem Geiste, welcher sie ge-schaffen hat, Zeugniß, und es ist leichter, sie neu zu beleben, als die gänzlich zer-trümmerte wieder herzustellen. Wenn es allgemeine Sitte ist, das Morgen- uud Abend-gebet zu verrichten, dem öffentlichen Gottesdienste pünktlich und wenigstens mit äußeremAnftande beizuwohnen, die Gebote der Kirche zu beobachten, von dem Heiligen mitEhrerbietung zu reden, so kann deßhalb freilich noch Vieles zu wünschen übrig blei-ben; allein wenn die äußere Ankündigung des Glaubens von der Sitte nicht mehr