Ausgabe 
13 (2.10.1853) 40
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draußen die Nacht von überirdischem Glänze. Der Engel des Herrn erschien denstaunenden Hirten und verkündigte ihnen, daß Israels Hoffnung erfüllt und zu Beth-lehem in der Stadt DavivS der verheißene Retter geboren sey. Und es gesellte sichzu ihm die Menge der himmlischen Heerschaaren und feierte mit himmlischen Gesängenden Herrn und seinen Gesalbten, Damit sich mit uns etwas AehnlicheS begebe, hatder Sohn Gottes Knechtsgcstalt angenommen. Der Mensch ist schwach und gebrech-lich, auch wenn er in voller Kraft des Alters und der Gesundheit blüht. Es fälltein Stein, weicht Eine von den tausend Nerven, welche in dem künstlichen Bauseines Lebens verschlungen sind und sein zeitliches Leben erlischt. Die Erde selbst magDemjenigen, welcher nur immer abwärts blickt, eine Unendlichkeit dünken, aber wennJemand auch nur zu den sichtbaren Größen mit ernster Erwägung das Auge erhebt,so verengt sie sich. Die Gestirne, die am nächtlichen Himmel funkeln, sind Welten,und vor der Unermeßlichkeit der blauen Räume, wo sie ihren Rundgang halten,schwindet die Erde mit ihrem Land und Meer, mit ihrer Pracht und Qual zu einemdunklen Puncte hin. Wenn aber der Mensch von Stern zu Stern eilen könnte, dochdie Schranke, die ihn in das Räumliche bannt, befestigt bliebe, so bliebe die Sehn-sucht seines Herzens ungestillt und die Weltcnräume wären für ihn gleich der dunklenHöhle, wo das Jesuskind lag. Allein von der armen Krippe geht ein wunderbaresLicht ans; eS berührt das Auge, seine Schuppen fallen und die Herrlichkeit, zu welcherwir erhöht werden sollen, die Herrlichkeit, welche schon hinieden durch Glauben undGnade in unser Herz hineinblickt, wird ihm offenbar. Von Ewigkeit zu Ewigkeitwaltet, unberührt von dem Wellenschlage der Zeit, der allein Heilige und Hohe, derdreicinige Gott. Alles, was das menschliche Herz wahrhaft erhebt, ist ein Funke,welcher von dem Saume seines GewandeS niederstrahlt. Zur Rechten deS allmäch-tige» Vaterö thront sein eingeborner Sohn, in welchem unsere menschliche Natur überAlles, was geschaffen ward, erhaben ist. Noch immer ist er der gute Hirt, welchersein Leben hingab für seine Heerde. Er bleibt bei uns nicht nur durch seine Gnade,sondern auch in dem großen Wunder der Liebe, in dem allerheiligsten Sacramente desAltars. Er hat uus den heiligen Geist gesendet, der mit dem Vater und dem Sohnegleicher Gott lebt und regiert. Der himmlische Tröster schwebt über uns, um unserHerz zu seinem Tempel zu machen. Rings um den Thron des Allerhöchsten verbreitensich die Chöre der Engel und Heiligen, in welchen die Herrlichkeit ihres ErschafferSsich abspiegelt. Hier steht dem Unerschaffenen zunächst die reine Magd des Herrn,welche zur Mutter Gottes erkoren wurde; hier findet sich alles wahrhaft Große, alleswahrhaft Liebliche, waS seit den Tagen deS gerechten Abels auf Erden erschien,im himmlischer Verklärung vereinigt. Der getreue Pflegevater des Heilandes, derVorläufer, der vor ihm herging in der Kraft des Elias , die zwölf Boten des Heiles,die helvenmüthigen Märtyrer, die gotterfüllteu Propheten und Lehrer, die getreuenBekennn, die reinen Jnugfrauen, Alle, Alle, welche die Palme des Sieges empfan-gen, wo und wie sie immer ihre goltgeweihte Liebe bewährt haben. Diese glänzendeVersammlung blickt auf uns nieder, sie sehnt sich, uns in ihrer Mitte zu sehen, siebringt für uns ihre Fürbitte dar. Die Erstlingskinder der göttlichen Huld, die Engel,bewundern das hochbegnadigte Geschlecht, welchem der Sohn Gottes sich als einBruder dem Bruder beigesellt hat, und begleitet unS wie sorgsame Freunde auf allenunsern Wegen.

Hinauf, hinauf zu diese» Höhen soll ich Eure Blicke richten, geliebte Christen.Die Welt ist dürr und öde geworden vor Uebermaaß von Bestrebungen, welche imSande deS Vergänglichen wühlen. Sie fühlt, daß ihr Etwas gebreche, sie ergreiftjede Gelegenheit, um sich künstlich zu einer Art von Begeisterung aufzustacheln. DerBeifall, welchen man der Meisterschaft im Gesänge oder auf irgend einem Instrumentezollt, steigert sich manchmal bis zu Uebertreibungen, welche man belächeln muß; aberes gibt sich darin daö Bedürfniß kund, irgend ein Gefühl, welches das Herz überdas Alltägliche hinaus hebe, zu erHaschen. Dieß verirrte Streben kann aber nicht nurLächerliches, sondern auch Entsetzliches hervorrufen. Als das Heidenthum noch seine