Ausgabe 
13 (2.10.1853) 40
Seite
318
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

318

einige unbedeutende andere Plätze. Seit dieser Zeit war Portugal gar nicht mehr imStande, die Bedingungen, unter welchen ihm das Patronat der Kirchen des Orientsgegeben worden, zn erfüllen, und konnte also die Rechte desselben nicht mehr in An-spruch nehmen. Die Bisthümer waren meistens verwaist und in dem traurigsten Zu-stande. Sobald nun in Europa nach den langen Kriegen der Friede dauerhaft hergestelltwar, und auch die Wirksamkeit der Missionäre in Indien wieder begonnen hatte,dachten die Päpste auf Mittel, der verlassenen Christenheit in jenen Gegenden zuHilfe zu kommen. Nach vielen einzelnen Versuchen erließ endlich Gregor XVI. imJahre 1838 das Breve Uults pr-zool-zre, durch welches er den vier apostolischen Vi-karen, die er nach und nach gesandt hatte, auch die Gläubigen der Bisthümer, dieseit vielen Jahren ohne Hirten waren, unterwarf, nnd für durchaus unabhängig vomErzbischofe von Goa erklärte. Jedoch auch der Sitz von Goa war schon lange er-ledigt, und der Hof von Lissabon bemühte sich erst jetzt, daß derselbe wieder besetztwerde. Der Papst willigte gern ein, jedoch unter der Bedingnng, daß der neue Erz-bischos die im Breve Nulla rirgeclgr» getroffenen Bestimmungen beobachte, uud alsosich auf die Verwaltung seiner Diocese beschränke. Joseph von Silva Torreswurde gewählt, und er leistete vor dem Delegaten des heil. StnhleS den Eiv, demBreve Nults.pratzel-zre zu gehorchen. Aber kaum in Indien angekommen, vergaß derunglückselige Prälat seine eidliche Verpflichtung, verkündigte nur die Bulle, in welcherer zum Metropoliten von Goa ernannt wurde, und unterdrückte das beigefügte Decret,worin erklärt ward, daß jener Titel nur ein Ehrentitel sey, und der Erzbischof vonGoa die Rechte des MettopolitanS über die apostolischen Vicare nicht ausüben könne.Die Wirksamkeit dieser letzteren hatte schon immer das größte Hinderniß in der Hart-näckigkeit, womit viele Priester ihnen den Gehorsam verweigerten, gesunden. DiesePriester wollten feine andere» Bischöfe, als die vom portugiesischen Hofe ernanntwären, alö ihre Oberhirten anerkennen. Sie fanden nun in Torres das Haupt ihrerEmpörung wiver den heil. Stuhl, und das Schisma war vollendet. Um es auSzu-breiteu, weihte Torres in einem Jahre 600 Priester, die das Laus überschwemmtenund die Gläubigen verführten. Nach vielen vergeblichen Bemühungen gelang es endlichSr. Heiligkeit Pins IX., die Abberufung deS ErzbischofeS von Goa vom Hofe zuLissabon zn erwirken, und dieses zwar in der Zeit, als der heil. Vater selbst wie inder Verbannung zu Gaeta lebte. Das Schisma nahm nun allmälig ab, bis im letzt-verflossenen Jahre ein unglückliches Mißverständnis des apostolischen Stuhles Gelegen-heit bot, das Feuer der Zwietracht ärger als je anznzündeu. Das Capitel von Goa hatte nach Abberufung des ErzbischofeS zu seinem Vicar einen Priester erwählt, welcherzu den wärmsten Anhängern des Schismas gehörte. Aus Mangel an wahrhaftigenBerichten wurde diese Wahl zu Rom bestätigt. Kaum war die Nachricht davon nachGoa gekommen, so setzten sich auch sogleich der Vicar und alle gleichgesinnten Priesterin Bewegung, das Schisma zu verbreiten. Sie luden zn dem Ende den Bischof vonMakao, der wo möglich noch verwegener als Torres war, ein, nach Goa zu kommen.Er kam, und schon auf dem Wege predigte er überall das Schisma, die apostolischenVicare uud Missionäre beschimpfend, und die Gläubigen aufforderud, ihm und seineuPriestern allein zu gehorchen. Er ertheilte die Firmung in Gegenden, die weder ihmnoch dein Erzbischof von Goa unterworfen waren, und kaum iu dieser Stadt ange^kommen, ertheilte er die heilige Weihe an Hunderte, die er für sein Unternehmentauglich hielt. Der heil. Vater hat an den Verirrten ein ernstes Schreiben, jüngstaber auch an die apostolischen Vicare ein Breve erlassen, worin er die Bestimmungen,die Gregor XVI. in dem oft erwähnten Breve Uults >iraec:Iiir«z geiroffen, erneuert,und die schiSmatisirendcn Priester insgesammt, ausdrücklich und namentlich aber denCapitular - Vicar von Goa und drei andere von der Gemeinschaft der Gläubigen aus-schließt, wofern sie nicht binnen zwei Monaten in sich gehen und für das gegebeneAergerniß öffentlich genugthuu. Dieses ist nun das Breve, das Lissabon in Bewegung'setzt, als wollten die Portugiesen beweisen, daß sie zwarjenseitS des Meeres alle ihre Macht,nur nicht die, den Frieden der Kirche zu stören, verloren haben. Trauriger Stolz!