Dreizehnter Jahrgang.
Sonntags-Beiblatt
zur
Angsburger Pojhettung.
16. Oktober M ^2. 1853,
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Ein Religionsfest in Bengalen.
(Nach dem Englischen von vr, E. Z. im „Ausland" )
Das Dorf, in dessen Nähe die PujahH) gefeiert wurde, welcher ich beiwohnte,war nicht sehr weit von einer der vornehmsten Städte BengalcnS entfernt, einer Stadt,die vielleicht eine halbe Million Einwohner zählt und ringsum von einer Menge starkbevölkerter Dorfschaften umgeben ist. Daher wird man sich leicht vorstellen können,welche Menschenmassen sich von allen Seiten nach jenem Orte hindrängten, um beidem Feste einer Gottheit gegenwärtig zu seyn, welche alle verehrten; denn in dieserGegend ist der Bramaismuö der vorherrschende Glaube. - - Es war Mittag, als ichin meinem Palankin auf dem zur Feierlichkeit bestimmten Platze anlangte, und da ichmit dem englischen Einnehmer von Nandapur befreundet war, so erhielt ich Zutrittzu dem Kreise der bevorzugteste» Leute und faßte Posto unter dem erquickenden Schatteneines weitästigen Jambusenbaumö. Ich hatte Zeit und Gelegenheit, die Oertlichkeitund das Volk ringsumher zu betrachten, deun die heiligen Gebräuche hatten noch nichtbegonnen. Der Platz, auf dem wir uns befanden, lag inmitten eines weiten, hieunv da bewaldeten ThaleS, und bot eine malerische Aussicht auf einen ziemlich breitenFluß dar, welcher nach Nadapur zu strömte und jetzt mit zahllosen Booten voll Men-schen bedeckt war, die alle zum Feste eilten. Auf dem diesseiu'gen Ufer standen mehrerevon Bambus und Blättern rasch/aufgeschlagene Buden, in denen Anstalten zu denverschiedenartigsten Belustigungen getroffen wurden, welche letztere in einigen derselben °bereits ihren Anfang genommen hatten. Die weiten Eingänge, Wände und Dächerwaren mit Blumen und Laubgewinden geschmückt, während hoch oben am Gipset bunteFlaggen und Wimpel schlaff und regungslos in der tropischen MirtagSsonnenhitze da-hinten und sich vergebens nach einem frischen Lüftchen sehnten. Vm den höchstenGipfeln einiger der größten Bäume — und die Bäume sind hier groß — ragten laugeStangen mit andern vielfarbigen Flaggen und Fahnen zum Himmel empor. In kühlen,schattigen Winkeln, wo dichte Dschungelnbüsche wuchsen, zu andern Zeiten der Auf-enthaltsort der wildesten, blutdürstigsten Tiger oder noch schlimmerer Wesen, der ThagS,saßen kleine Gruppen angesehener Hindufamilien in schweigender Erwartung. Derstolze Zemindar des Distriktes, der unerbittlich strenge Tulukdhar, der Schrecken derRyots, und der quälende Putjndhar^) waren alle dort in morgcnländischem Feudal,pomp zu schauen. So weit der Blick reichte, wogten uud wallten Menschen durchdas grüne Thal. Tausende und abermals Tausende strömen von allen Punctenherbei und drängten sich nach dem Orte hin, wo die bunten, lustigflatternden Fahnen
*) Pujah (sprich: Pudschah) bedeutet im Sanskrit: „Verehrung". Anm. d. Uebers.
Zemindar heißt der Steuerpächter einer Provinz, welcher der Regierung direct für die zuerhebenden Steuern verantwortlich ist. Unter ihm stehen die Tulnkdhars, Putindhars, MostaghrS u. s.w.,welche die armen Ryots (Bauern) auf alle erdenkliche Weise aussaugcu.