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DaS dentfche MntterhauS der Brüder der christlichen Schule«
in Koblenz.
Die allgemein als nothwendig anerkannte Verbindung des Unterrichts der Ju-genv mit einer religiös-sittlichen Erziehung wird unstreitig am besten und nachhal-tigsten unter Leitung eines der Jugendbilvnng sich widmenden religiösen Ordens zuerzielen seyn. Die Glieder einer solchen Genossenschaft wirken, unter einer Regel zueinem Ganzen vereint, gemeinschaftlich auf das als Lebensberuf sich gesteckte Ziel; eSsind die höchsten religiösen Motive, welche sie bei dem mühsamen Werke der Erziehungleiten und aufrecht erhalte»; alle irdischen Rücksichten sind durch die Gelübde auSge-schlössen; die Ersahrungen im Erz'ehungSzeschäste werden ein Gemeingut Aller undbleiben auch für die folgenden Zeiten; dadnrch wird eS einem Orden möglich, einegrößere Einheit, liefere Einwirkuug und gleichmäßigeren Gang bei der Bildung derJugend sich zu sichern, alS es eine Anzahl auch noch so tüchtiger weltlicher Lehrkräftezu bewirken im Stande wäre. Diese Ueberzeugung war es, welche einen im Jahre1850 in hiesiger Siadt zur Förderinn dcS katholischen Schulwesens zusammengetre-tenen Verein bestimmte, im Herbste desselben JahreS die Genossenschaft der Brüder derchristlichen Schulen zur Begründung der ersten Niederlassung in Deutschland nachKoblenz zn berufen. Zur Wahl gerade dieses Instituts bewogen ihn die allgemeinanerkannten Erfolge der Wirksamkeit derselben in Frankreich, Belgien, Italien undAmerika , besonders für eine gediegene christliche Erziehung der niedern Volksklassen.
Von dem ehrwürdigen, nunmehr bereits selig gesprochenen I. B. de la Salle,Kanonikus der Liebfrauenkirche in Rheims, im Jahre 1680 gegründet und von PapstBenedict XII «. bestätigt, hat der Orden als ersten Zweck die Erziehung und AuSbil«dung der armen und verwahrlosten Knaben sich vorgesetzt, die er in Armen-, Hand-werker- und Sonntagsschulen überwacht und unterweiset; außerdem übernimmt er auchdie gewöhnlichen Pfarr- uud Volksschulen und besitzt nicht minder verschiedene An-stalten zur Ausbildung für das höhere technische und industrielle Leben, Bürger- undRealschulen, so wie Pensionate, in welchen Unterricht in den verschiedenen lebendenSprachen, in Mathematik, Geschichte, Geographie, Physik, Feldmeßkunst, Buchhal-tung u. s. w. ertheilt wird. Endlich bildet er auch Lehrer, die nicht dem Orden an-gehören, in Normalschulcn zu ihrem künftigen Berufe auS. Was die ausgedehnteWirksamkeit dcS Ordens angeht, so dürfte folgende staiistische Uebersicht desselben vomDecember des verflossenen Jahres 1852 Interesse bielcii. Der Orden hatte damals:
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Brüder mit dreijäh-rigen Gelübden.
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Schulen.
Classen.
Erwachsene in denAnstalten.
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Pensionäre.
Semin -Pensionäre.
Lehramts-Astni antenin Normalschulen.
Werkstätten.
Gefangene.
Waisenknaben.
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Zöglinge überhaupt.
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708l Mitglieder.
Die Thätigkeit der Brüder in ibrer hiesigen ersten Niederlassung, in welcher eineSchule mit vier Classen zum Unterricht der Jugend bis zur Stufe einer höheren Bürger-schule eingerichtet wurde, hat innerhalb der verflossenen drei Jahre recht erfreulicheResultate, namentlich in Bezug auf die religiöse uud sittliche Erziehung geliefert undin weiten Kreisen Anerkennung gefunden, so daß von den verschiedensten Seiten An-träge in Bezug auf die Gründung neuer Anstalten eingelaufen sind. Bereits wurdeeine Filialanstalt mit sechs Brüdern in dem neuerrichteten Knaben-Waisenhause bei